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Warum unsere Energieverwendung nicht zukunftsfähig ist

1. Noch immer stammt knapp ein Drittel der Stromproduktion in Deutschland aus Atomkraft, obwohl eine große atomare Katastrophe nicht auszuschließen ist.
Große Störfälle, wie sie in mehreren deutschen Atomanlagen vorkamen, hätten sich zum GAU ausweiten können wie dem von Tschernobyl mit seinen schrecklichen Folgen für Leben und Gesundheit. Dabei werden die bestehenden Atomkraftwerke immer störanfälliger. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die gesundheitsschädigende Wirkung von Radioaktivität viel höher ist als in Risikoabschätzungen zugrunde gelegt wurde.
Konstruktionsfehler werden oft erst nach Jahrzehnten entdeckt, die Vorsorge gegen Terrorangriffe und Flugzeugabstürze ist mangelhaft. Die Frage der Endlagerung des viele hunderttausend Jahre strahlenden Atommülls ist völlig offen. Sollte es zu größeren Freisetzungen von Radioaktivität kommen, sind die riesigen Schäden praktisch nicht versichert. Atomenergie ist aufgrund der immensen, nicht beherrschbaren Folgen großer Radioaktivitätsfreisetzungen ethisch nicht akzeptabel und politisch nicht vertretbar.

2. Der Klimawandel wird weltweit und auch in Deutschland immer spürbarer und beeinträchtigt bereits heute die biologische Vielfalt. Die prognostizierten erheblichen Einbrüche der Wirtschaftssysteme werden entsprechende soziale Folgen global und lokal nach sich ziehen. Das Festhalten an bzw. der geplante Ausbau der Nutzung von fossilen Energien stellt daher eine Kampfansage an Mensch und Natur dar. Deutschland steht auf Platz 6 der weltweit größten CO2-Emittenten, daher kommt uns besondere Verantwortung zu, unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der BUND fordert, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40% und bis zum Jahr 2050 um mehr als 80% zu senken.

3. Verschwendung von Energie ist ein prägendes Merkmal unseres Energiesystems. Von der gesamten in Deutschland verwendeten Primärenergie kommen nur etwa zwei Drittel beim Verbraucher bzw. der Verbraucherin an. Hauptgrund ist, dass bei der Stromproduktion etwa zwei Drittel der eingesetzten Energie ungenutzt als Abwärme in Flüsse und Atmosphäre abgegeben werden. Aber auch viele Geräte und Anwendungen setzen elektrische Energie unzureichend in Nutzen um. Verluste in Heizungsanlagen sind verbunden mit schlechter oder nicht vorhandener Regelung, unzureichender Wärmedämmung von Gebäuden und Anlagen und mangelndem Energiemanagement.
Der Energieverbrauch von Gebäuden und Geräten ist zudem unzulänglich gekennzeichnet oder wird nicht transparent genug abgerechnet. Die Möglichkeiten sparsamerer Kraftfahrzeugtechniken werden bei weitem nicht ausgeschöpft.
Allein durch effizientere Umwandlung und Nutzung von Energie könnte der Primärenergieverbrauch um die Hälfte, wenn nicht sogar um zwei Drittel gesenkt werden.

4. Die Energiebasis Deutschlands beruht aber nicht nur auf der ineffizienten Nutzung umweltgefährdender Energieträger.
Fossile und nukleare Energieressourcen sind endlich. Diese werden in absehbarer Zeit zur Neige gehen. Bei Erdöl und Erdgas scheint der Gipfel der Ressourcennutzung überschritten zu sein bzw. wird in Kürze erreicht. Bei Kohle sind ebenfalls Grenzen der Verfügbarkeit erkennbar. Der Gipfel wird voraussichtlich im Jahre 2025 erreicht msein. Zudem sind die fossilen und nuklearen Energiereserven auf wenige Länder konzentriert. Viele davon befinden sich in geopolitisch unsicheren Regionen der Welt. Viele Kriege der Welt werden letztlich um den Zugang zu Ressourcen, insbesondere Energiereserven geführt. Diese Tendenz wird zunehmen, je knapper lebenswichtige Ressourcen werden.

5. Deutschland ist zu mehr als 70% - Tendenz steigend - von Energiebezug über große Entfernungen abhängig. Mit Energieimporten über große Entfernungen, sei es für Erdöl aus Nahost, Erdgas aus Russland, Steinkohle aus Südafrika oder Uran aus Kanada, werden zunehmend die Umweltfolgen der Energiegewinnung und die »ökologischen Rucksäcke« ins Ausland verlagert. Dies gilt auch für den Import von Agrokraftstoffen.
Der Abbau von Kohle bedingt immense Schäden an Natur und Landschaft und am Grundwasser – in Deutschland und im Ausland. Der Abbau von Uran und die Öl- und Erdgasförderung hinterlassen verwüstete und verseuchte Landschaften. Oft sind es benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die besonders darunter zu leiden haben. Hinzu kommen Transportschäden und Tankerkatastrophen.

6. Atomenergie ist nur scheinbar emissionsfrei, denn tagtäglich erfolgen radioaktive Emissionen in Luft und Flüsse und rufen Krebserkrankungen hervor. Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen, Heizungsanlagen und Kraftfahrzeuge sind zwar sauberer geworden, doch setzen sie weiterhin jährlich über 2 Millionen Tonnen Stickoxide, Schwefeldioxid, (Fein-) Stäube und Schwermetalle frei und schädigen Wälder, landwirtschaftliche Flächen, Gebäudesubstanz und Gesundheit von Mensch und Tier. Vorschriften hinken dem Stand der Technik hinterher. Den Schaden trägt die Allgemeinheit.

7. Die Stromversorgung ist zentralisiert in zweifacher Hinsicht. Die Erzeugung von Strom ist technisch und räumlich in Großkraftwerken konzentriert und diese werden zudem zu über 80% von den vier großen Stromkonzernen betrieben. Diese Monopolisierung wirkt dem Aufbau einer dezentralen und effizienten Energieumwandlung, -verteilung und -nutzung entgegen.

8. Der Energiebereich ist einer demokratischen Kontrolle weitgehend entzogen. Stattdessen stellt man vielfach eine Verstrickung von Parteien, Politikern und Energiewirtschaft fest, die die zentrale, ineffiziente und umweltgefährdende Energienutzung zementiert. Umweltschutz
und Verbraucherrechte bleiben auf der Strecke.

9. Das ineffiziente und umweltgefährdende Energiesystem wird durch staatliche Subventionen erhalten. Hierzu gehört die Bezuschussung der Steinkohleförderung in Deutschland und die Milliarden schwere Subventionierung der Atomindustrie, sowohl direkt als auch indirekt durch die Übernahme von Kosten für Forschung, steuerfreie Rückstellungen und Abschieben von Risiken. Das Verschenken von CO2-Zertifikaten entspricht einem Geschenk in Milliardenhöhe. Kostenlose Kühlwassernutzung spart den Energiekonzernen jährlich Beträge in Millionenhöhe. Atomare Brennstäbe und Flugbenzin sind von Steuern befreit. Hinzu kommen die Kosten für Grundwasserschäden des Braunkohleabbaus, Wald- und Gesundheitsschäden durch Luftschadstoffe und weltweite Klimaschäden.

Geht man wie das Umweltbundesamt von 70 - 100 € Schadenskosten pro Tonne freigesetztes CO2 aus, dann sind praktisch alle erneuerbaren Energien heute schon wirtschaftlich. Die Gelder von derzeit über 40 Mrd. €, die jährlich für Energieimporte ins Ausland ausgegeben werden, könnten wesentlich effizienter in die dezentrale Energiewirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der regenerativen Energiewirtschaft investiert werden.

10. Die bestehende Energiewirtschaft hat einen immensen Wasserverbrauch und belastet Gewässer und Grundwasser auf vielfältige Weise. Von der Gesamtwassergewinnung von ca. 35 Mrd. m3 im Jahr entfallen nur ca. 5 Mrd. m3 auf die »öffentliche Wasserversorgung«, jedoch über 20 Mrd. m3 auf die Nutzung durch große Atom- und Kohlekraftwerke, die mit Wasser gekühlt werden. Verbrauchtes Kühlwasser wird in die Flüsse eingeleitet, was eine Aufheizung von bis zu 28° C im Sommer zur Folge hat. Dies bewirkt die Veränderung der Gewässerfauna und -flora und begünstigt die Bildung von Bakterien. Kühldampfschwaden können regional sogar das Wetter beeinflussen und sind Zeichen der immensen Wasser- und Energieverschwendung. Der Braunkohleabbau senkt den Grundwasserspiegel um mehrere 100 Mrd. m3 im Jahr ab. Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien sind hingegen nicht oder nur gering auf Kühlwasser angewiesen.


Stand: 10/2010


Herausgeber:
Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)
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