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Unsere Positionen zum Thema Windenergie und Naturschutz


Wie steht der BUND zur Nutzung der Windkraft?

Der BUND kämpft seit Jahren für den Atomausstieg und gegen klimaschädliche Kohlekraftwerke. Deshalb engagieren wir uns auch für die Energiewende. Dies bedeutet für uns nicht nur, erneuerbare Energien auszubauen, sondern gleichzeitig auch den Energieverbrauch zu senken. Ohne den dynamischen Aus-bau der erneuerbaren Energien wird die Energiewende nicht funktionieren können. Wir können in Deutschland vor allem in der Windenergie und der Photovoltaik (Solarenergie) noch deutlich mehr Kapazitäten schaffen. Einen Ausbau um jeden Preis kann es bei der Windenergie allerdings nicht geben, dieser muss gut geplant und ökologisch verträglich gestaltet werden.

Warum ist die Nutzung von Windkraft sinnvoll?

Mehr Strom aus Windenergie zu erzeugen hat für eine zu-kunftsfähige Energieversorgung enorme Bedeutung. Der hohe Stellenwert der Windenergie ergibt sich bereits daraus, dass sie im ganzen Land verfügbar ist. Dies gilt nicht nur für Deutsch-land, sondern weltweit. Sie kann dezentral und verbrauchsnah ausgebaut werden. Zwei Prozent der Landesfläche reichen aus, um bis zu 400 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr zu erzeugen, dies entspricht etwa 60 Prozent des heutigen Stromverbrauchs. Windkraft ist also besonders flächeneffizient. Die Bodenversiegelung durch Masten ist minimal und nach 20 bis 30 Jahren können sie ohne bleibende Schäden oder Strah-len- und Giftmüllproblemen wie bei der Atomkraft wieder ab-gebaut werden.

Windenergie an Land ist mit etwa 8 bis 11 Cent pro kWh zu-dem die preiswerteste Form des Öko-stroms. Die Anlagen holen die für ihre Herstellung nötige Energie in drei bis sechs Mona-ten wieder herein. Ein weiterer Pluspunkt: Windräder zu errich-ten ist erschwinglich. Sie können von Genossenschaften, Stadtwerken oder Eigentümergemeinschaften betrieben wer-den. Hinter einem Großteil der Windräder in Deutschland ste-hen Tausende von Eigentümern: ganz normale Bürgerinnen und Bürger – und nicht die Großkonzerne. Letztere zogen noch vor wenigen Jahren gegen eine gesicherte Vergütung von Wind-strom vor Gericht.

Vertragen sich Windkraftanlagen mit dem Schutz der Natur?

Windkraftanlagen vertragen sich dann mit dem Schutz der Natur, wenn ihr Standort sorgfältig ausgewählt worden ist und in der Einzelfallprüfung deutlich wird, dass keine erheblichen Schäden zu befürchten sind. Angesichts des Klimawandels, der eine der Hauptbedrohungen unserer biologischen Vielfalt dar-stellt, können diese Anlagen einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt zu mindern.

Unter welchen Bedingungen befürwortet der BUND den Bau von Windkraftanla-gen? Wann lehnt er ihn ab?

Generell befürwortet der BUND den Bau von Windkraftanlagen. Es sei denn, dass die Anlagen in einem der Ausschlussgebiete errichtet werden sollen oder im Einzelfall der Schutz von Arten, Lebensräumen und Landschaft Vorrang hat. Auf folgenden Flä-chen sollen grundsätzlich keine Windräder stehen:
•    Nationalparke
•    Europäische Schutzgebiete (Natura-2000-Gebiete)
•    Naturschutzgebiete
•    Biosphärenreservat Pfälzerwald
•    Gebiete, die ein besonderes Landschaftsbild oder un-versehrte Natur aufweisen
Auch Windkraftanlagen, die zu diesen Flächen nicht den nöti-gen Mindestabstand einhalten, lehnt der BUND ab. Außerdem darf es keine Genehmigung für Anlagen geben, bei denen er-hebliche Eingriffe in lokale Populationen von bedrohten Arten nachweisbar sind, die nicht anderweitig ausgeglichen werden können.

Wie werden Naturschutzbelange beim Bau von Windkraftanlagen berücksichtigt?

Der Schutz der Landschaft, von Lebensräumen und Arten wer-den in Deutschland bei jedem Bau von Windkraftanlagen durch die zuständigen Behörden geprüft. Außerhalb von entsprechend festgelegten Schutzzonen (s. vorige Antwort) hält der BUND den Bau von Windenergieanlagen, gegebenenfalls nach einer Einzelfallprüfung, auch in folgenden Gebieten für zulässig:
•    Landschaftsschutzgebiete
•    Naturparks
•    Waldgebiete als Prüfzonen, wenn außerhalb der Wäl-der keine ausreichenden verträglichen Standorte be-stehen
Die Auswirkungen auf den Artenschutz müssen zumeist im Einzelfall betrachtet werden; auch außerhalb der oben genann-ten Gebiete. Grundsätzlich gilt: Sind Schäden nicht vermeidbar oder durch Artenschutzmaßnahmen zu kompensieren, spricht sich der BUND gegen den Bau von Windkraftanlagen aus.

Sind Windkraftanlagen für Tiere gefährlich?

Windkraftanlagen können für Tiere gefährlich werden, beson-ders für große Vögel und Fledermäuse. Diese Gefahr ist aber nicht überall gleich hoch, entscheidend ist auch hier die richti-ge Wahl des Standortes. So kann das Vorkommen bestimmter Tierarten bei der Planung von Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Der Bau von Windkraftanlagen sollte zum Beispiel außerhalb der Hauptrouten von Zugvögeln und Fledermäusen liegen, um die Wahrscheinlichkeit der Kollision zu verringern. Sehr effektiv für den Schutz von Fledermäusen können z.B. Abschaltzeiten von Windkraftanlagen sein, zu den Zeiten, zu denen die Fledermäuse auf die Jagd gehen. Auch prophylakti-sche Abstände zu Vogelhorsten und Variationen in der Höhe der Windkraftanlage können beim Artenschutz helfen. Die fachli-chen Empfehlungen der staatlichen Vogelschutzwarten sind eine wichtige Handreichung für die Beurteilung.

Gibt es eine Zusammenarbeit des BUND mit Windkraftunternehmen?

Eine Zusammenarbeit oder Kooperation des BUND mit Wind-kraftunternehmen gibt es nicht. Wenn wir die gleichen Ziele verfolgen, arbeitet der BUND aber selbstverständlich mit dem Bundesverband Windenergie (BWE) oder dem Dachverband, dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), inhaltlich zusammen. So haben wir uns beispielsweise gemeinsam für eine soziale Energiewende, ein dynamisches Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder gegen Kohle- und Atomkraft enga-giert.

Nimmt der BUND Geld von Unternehmen an, um den Bau von Windkraftanlagen zu unterstützen?

Nein. Der BUND entscheidet unabhängig und demokratisch über seine inhaltlichen Positionierungen. Auch in konkreten Genehmigungsverfahren positioniert sich der BUND unabhängig und lehnt direkte oder indirekte Zahlungen auch über Verglei-che vor Ort ab.

Stimmt der BUND Ausgleichszahlungen bei Genehmigungsverfahren oder Klagen zu?

Der BUND schließt Vergleiche nur dann ab, wenn ein Gewinn der Klage aufgrund der vorläufigen Einschätzung, die das Ge-richt den Prozessparteien abgibt, zu unsicher ist. Für einen sol-chen Fall lässt sich dann durch einen guten Vergleich mehr erreichen, als wenn die Klage des BUND gänzlich abgewiesen wird. Der Abschluss eines Vergleiches ist immer eine schwierige Abwägungsentscheidung. Der BUND prüft in einem solchen Fall immer ganz genau das Pro und Contra.

Wenn bei einer Klage ein Vergleich zustande kommt, der auch Ausgleichszahlungen vorsieht, setzt sich der BUND dafür ein, dass eine staatliche Stelle (meist die zuständige Naturschutz-behörde) die Aufsicht über den Ausgleich führt. Die finanziellen Mittel dürfen ausschließlich für Maßnahmen verwendet wer-den, die den beklagten Eingriff kompensieren. Der BUND selbst nimmt keine Gelder (weder direkt noch indirekt) von Wind-kraftunternehmen an. Der BUND führt auch keine Klagen, mit dem Ziel Vergleichszahlungen zu erreichen. Ziel des BUND ist in solchen Verfahren immer, die im Genehmigungsverfahren zuge-lassenen Eingriffe in die Natur und die Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern oder wenn dies nicht möglich ist, aus-nahmsweise zu minimieren. Der Schaden für Natur und Umwelt soll so gering wie möglich sein und weitestgehend ausgegli-chen werden.

Weitere Infos

Für weitere Informationen empfehlen wir unser Positionspapier Wind sowie die Bundesposition 56 des BUND zur Windkraft vom Juni 2011 („Für einen natur- und umweltverträglichen Ausbau der Windenergie“).


Stand 11/2016
Herausgeber:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.
Hindenburgplatz 3
55118 Mainz
Tel.: 06131 62706-0
Fax.: 06131 62706-66
e-mail: info@bund-rlp.de
Internet: www.bund-rlp.de

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