Sie befinden sich hier:

Feriendörfer zerstören Landschaft

Innenentwicklung der Orte statt Flächenfraß

Das Moseltal bildet gemeinsam mit den angrenzenden Hunsrück- und Eifelhöhen eine faszinierend schöne Landschaft. Sie wird geprägt einerseits durch das tief in den Schieferfels eingeschnittene Moseltal und die Randhöhen mit ihren fantastisch weiten Blickbeziehungen. Zusätzlich gibt die reich gegliederte Kulturlandschaft mit den idyllischen Weinorten der Region einen unverwechselbaren Charme. Diese Faktoren sind eine bedeutende Grundlage für den Tourismus als einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren.

Doch nun droht die touristische Erschließung die einzigartige Landschaft zu zerstören. Feriendörfer schießen wie Pilze aus dem Boden. In den letzten Jahren wurden bereits über 1.200 Häuser in folgenden Projekten realisiert:

- Sunparks Eifel am Gunderather Heilbachsee (Vulkaneifel)

- Ferien- und Golfresort Cochem bei Ediger-Eller

- Landal Green Park am Sonnenberg bei Leiwen

- Lindner Ferienpark am Nürburgring

Durch weitere Planungen sollen jetzt insgesamt weitere 1.500 Ferienhäuser an folgenden Orten errichtet werden.

- Zeller Hamm

- Grenderich

- Bad Bertrich, Falkenlay

- Zeltingen-Rachtig

Leider beschränken sich die Maßnahmen nicht nur auf die Flächeninanspruchnahme für die Ferienhäuser selbst. Es kommen noch aufwendige Anlagen für den Golfplatz (Ediger-Eller), Yachthafen (Zeller Hamm), Schwimmbäder, Supermärkte und Mehrzweckhallen hinzu. Ökonomisch und regionalplanerisch kontraproduktiv sind solche Anlagen insbesondere dann, wenn sie in Konkurrenz treten zu den in der Region bereits existierenden Anlagen und diese hierdurch unrentabel werden lassen. Besonders schwerwiegende Schäden hinterlassen Infrastruktureinrichtungen, wenn sie wie die Seilbahn zum Feriendorf bei Bad Bertrich durch wertvolle Biotope geführt werden und dort die heimische Tier- und Pflanzenwelt schwerwiegend schädigen.

Der Flächenverbrauch ist nicht nur bundesweit sondern auch in Rheinland-Pfalz eines der größten Umweltprobleme. Bislang ist es nicht gelungen, die Inanspruchnahme von unverbauten Freiflächen für den Siedlungsbau und den Verkehr auf ein verträgliches Niveau zu reduzieren. In den Jahren 1999 bis 2003 lag der Flächenverbrauch zwischen 4,4 und 6,4 ha pro Tag. Der BUND fordert, auch angesichts des Bevölkerungsrückgangs und des Überangebotes an Bauflächen in Rheinland-Pfalz, den Flächenverbrauch zu stoppen. Die Landesregierung hat im Landesentwicklungsprogramm IV hinsichtlich der Einführung von Schwellenwerten zur Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungszwecke, dem Vorrang der Innenentwicklung und den Einstieg in die Flächenkreislaufwirtschaft erfreulich innovative Festlegungen getroffen. Doch am Beispiel der vorliegenden Feriendorfplanungen wird deutlich, wie diese Grundsatzaussagen in konkreten Vorhabensplanungen unterlaufen werden und stets wieder neue Ausnahmetatbestände geschaffen werden.

Der BUND fordert, dass von der Genehmigung neuer Feriendorfanlagen abgesehen wird. Stattdessen muss endlich der Innenentwicklung der Orte Vorrang gegeben werden. In den Mosel-, Eifel- und Hunsrückdörfer sind immer größere Freistände zu verzeichnen. Die Orte drohen – auch in Anbetracht des demografischen Wandels - zusehends zu veröden. Investitionen in die vorhandene Bausubstanz haben mehrere positive Effekte für die Region:

- Zersiedelung und Flächenzersiedlung wird vermieden

- Landschaftsbild bleibt erhalten

- örtliche Handwerker profitieren von Aufträgen

- örtliche Immobilienbesitzer profitieren von Mieteinnahmen

- Gäste werden in regionale Strukturen integriert (statt in Ghettos untergebracht)

- vorhandene Infrastruktur kann von Gästen mitbenutzt und daher rentabler betrieben werden.


Mosel Feriendörfer Karte



Suche

Metanavigation: