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Proteste vor BASF gegen gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora

Verbände und Abgeordnete überreichen Resolution


Am Dienstag, 18. Mai 2010 protestierte der BUND gemeinsam mit zahlreichen anderen Verbänden - darunter Bioland, BÖLW, AbL -, Vertretern von Gentechnikfreien Regionen, Mitgliedern der Grünen und Abgeordeten des europäischen Parlaments gegen den Anbau der genetisch veränderten Kartoffel Amflora bei der BASF. Eine gemeinsame Resolution Für das Recht auf gentechnikfreie Landwirtschaft und gentechnikfreie Kartoffeln wurde Vertretern der BASF übergeben.

Gentechnik-Kritiker klagen vor Europäischem Gerichtshof (EuGH) gegen Gen-Kartoffel Amflora

Die am 2. März von der EU-Kommission erfolgte Zulassung der industriell verwertbaren Gen-Kartoffel Amflora ist nach Ansicht vieler Experten ein Verstoß gegen EU-Recht, da die Kartoffel beim Menschen Antibiotika-Resistenzen und daraus resultierende Gesundheitsgefahren auslösen kann. Das EU-Recht verbietet jedoch Gen-Konstrukte, die zu Risiken in der Humanmedizin führen. Deshalb hat das Netzwerk "Aktion GEN-Klage" – unterstützt von mehr als 40 Organisationen und Verbänden (darunter auch der BUND) – vor kurzem ein Widerspruchsverfahren gegen die EU-Kommission eingeleitet. Das Ziel: Der EuGH soll die Zulassung der Amflora für ungültig erklären.

Genkartoffel „Amflora“ wird für Industriezwecke und Futtermittel zugelassen. Wirksamkeit von Arzneien gefährdet

Am 2. März 2010 wurde die Gentech-Kartoffel Amflora der Firma BASF für Industriezwecke und als Futtermittel zugelassen. Der BUND hat die Zulassung  durch die Brüsseler EU-Kommission scharf kritisiert. Die Tatsache, dass die Amflora für industrielle Anwendungen und als Futtermittel zugelassen worden ist, ist für den BUND-Bundesvorsitzenden Hubert Weiger ein "politischer Kniefall vor der BASF".


Warum ist der BUND gegen die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffelpflanzen?

Im Zeitraum von 2007 bis 2011 plant die BASF in mehreren Bundesländern Freisetzungen von verschiedenen gentechnisch veränderten Kartoffeln. Die Kartoffeln haben eine veränderte Stärkezusammensetzung bzw. eine erhöhte Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule (Phytophtera infestans).

Der BUND spricht sich gegen die geplante Freisetzungen aus, die u. a. in Rheinland-Pfalz in Limburgerhof geplant sind, da die Sicherheit für Natur, Mensch und Umwelt nicht in ausreichendem Maß gesichert ist.

Siehe auch: 03. Januar 2007, BASF-GenKartoffel, „ ... allein, es fehlt der Glaube“

Fehlende Sicherheitsuntersuchungen

Es ist nicht untersucht, wie sich der Verzehr der Kartoffeln auf Tiere und Menschen auswirkt. Bei den Kartoffeln wurde in einen komplexen Stoffwechsel eingegriffen, so dass man mit zusätzlichen unerwünschten und unerwarteten Veränderungen (neu gebildeten oder veränderten Proteinen) rechnen muss. Auch Proteine, die in geringen Mengen gebildet werden, können Allergien auslösen. Versuche, die die Sicherheit für Mensch und Tier demonstrieren, müssen auf jeden Fall vor einer Freisetzung durchgeführt werden, reine Vermutungen über die Sicherheit der transgenen Kartoffeln sind kein experimenteller Beweis.
Die Stärkekartoffeln sind zwar für die Verarbeitung in der Industrie vorgesehen, es muss aber damit gerechnet werden, dass die Kartoffeln auch unerwünscht in die Nahrungskette gelangen.

Untersuchungen zur Wirkung der gentechnisch veränderten Kartoffeln auf das Bodenleben und Nicht-Zielorganismen sind offenbar nicht geplant. Die Erwartung der Antragsteller, dass es keine Veränderungen in den Interaktionen der Kartoffellinien mit Nicht-Zielorganismen gebe, kann den experimentellen Befund nicht ersetzen.

Auskreuzung und Verbreitung

Der im Antrag genannte Isolierabstand von 10 m zwischen den Freisetzungsflächen und dem nächsten Feld mit kommerziellen nicht gentechnisch veränderten Kartoffeln ist zu gering, um Auskreuzung mit Sicherheit zu verhindern. In Untersuchungen mit Wildkartoffeln wurden Auskreuzungen noch in 80 m Entfernung festgestellt.

Nach der Ernte können viele tausende Kartoffelknollen im Boden verbleiben, die 4 – 5 Jahre im Boden überleben und z. T. auch harte Winter überstehen können. Der im Antrag genannte Zeitraum von einem Jahr für die Kontrolle eines möglichen Kartoffel-Durchwuchses ist demzufolge zu kurz bemessen.

Genetische Unklarheiten

Die bei der gentechnischen Veränderung auftretenden Unklarheiten (Wo und wie oft wurden die Gene eingebaut? Wurden zusätzliche Gene/Genteile eingebaut? etc.) wurden nicht ausreichend untersucht. Diese können aber auf die Eigenschaften und die neu gebildeten Proteine eine große Auswirkung haben.

Außerdem kann sich das Verhalten der Pflanzen je nach Umwelteinflüssen ändern. So kann sich unter Umständen der Gehalt von giftigem Glykoalkaloid unter Stressbedingungen (Hitze, Trockenheit etc.), denen die gentechnisch veränderten Kartoffeln im Freiland unterworfen sein können erhöhen. Dies ist meines Wissens nicht in Gewächshausversuchen untersucht worden.

Markergene

Als Markergen wurde die Resistenz gegen das Herbizid Imazamox eingebaut. Es wird zwar davon ausgegangen, dass lediglich das Zellgewebe, aus dem die neue Pflanze gewonnen wird, die Resistenz gegen das Herbizid besitze es ist aber nicht klar, ob dies tatsächlich bei allen zur Freisetzung vorgesehenen Kartoffellinien der Fall ist. Es steht zu befürchten, dass in einigen Linien die Resistenz erhalten bleibt, so dass das Markergen eine eigene Bedeutung erhält und das entsprechende Herbizid zusammen mit den transgenen Kartoffeln vermarktet wird. Ein Herbizidresistenz-System durch die Hintertüre wäre so eingeführt.

Resistenzgene gegen Phytophthora infestans

Die bisherige Erfahrung mit der Einführung einzelner Resistenzgene hat gezeigt, dass die in aller Regel sehr anpassungsfähigen Krankheitserreger einzelne Resistenzgene relativ rasch überwinden können und damit die Resistenzen oft nur von kurzer Dauer sind. Ähnliches ist auch im Falle der gentechnisch veränderten Kartoffeln zu erwarten, die eine Resistenz gegen Phytophthora ausbilden sollen. Es ist nicht gerechtfertigt, angesichts einer Resistenz von nur kurzer Lebensdauer die Risiken der gentechnischen Veränderung in Kauf zu nehmen.

Auch wenn vergleichbare Resistenzgene in zahlreichen Pflanzenarten vorhanden sind, kann daraus nicht auf die Sicherheit dieser Gene bzw. ihrer Produkte in gentechnisch veränderten Kartoffeln geschlossen werden. Es ist nicht klar, ob die in den transgenen Kartoffeln gebildeten Resistenzproteine beispielsweise eine veränderte Proteinmodifikation aufweisen.




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