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„Der Klimagipfel ist überall, auch in Koblenz!“

Eisbär ohne Eis, Foto: Heinz-Friedrich Steinecke/BUND

Eisbär ohne Eis, Foto: Heinz-Friedrich Steinecke/BUND

Umweltaktivisten gingen auf die Straße und warben für eine umfassende Energie-, Verkehrs- und Agrarwende sowie Klimagerechtigkeit.

„Wir müssen global denken und verbindlich wirksame Rahmenverträge in Paris einfordern, damit der drohende Klimakollaps noch verhindert wird. Aber wir müssen auch in unserem Land und unserer Kommune lokal handeln, auch jeder bei sich in seiner Lebenswelt, damit der Klimaschutz eine wirkliche Chance bekommt. Paris ist überall, und in Koblenz gibt es einen besonders großen Handlungsbedarf“, so Egbert Bialk, Landesvorstandsmitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND Rheinland-Pfalz. Zusammen mit attac Koblenz wurden zu Beginn des Klimagipfels COP21 darum zahlreiche Forderungen ins Straßenbild am Löhrrondell gebracht. Diese reichten von der beschleunigten Förderung der Energiewende, insbesondere Sonne, Wind und Speicher, und einem Kohleausstieg, der nicht auf Kosten der Steuerzahler und Stromkunden gehen dürfe, über eine Agrar- und Ernährungswende und einen „Einstieg in eine ernsthafte Verkehrswende bis hin zu mehr Klimagerechtigkeit.

Mit über zwei Meter hohen Figuren, überall auf dem Löhrrondell verteilt, gelang das sehr eindrucksvoll. Die Körper dienten als Plakatflächen mit entsprechenden Informationen und Forderungen zum Klimaschutz. Die Köpfe waren große blaue Luftballons, auf denen die Erde abgebildet und „Klimaschutz jetzt“ zu lesen war. Manche der Weihnachtseinkäuferinnen und eiligen Passanten fühlten sich dadurch in ihrer Konsumlaune offensichtlich etwas gestört, dort viele nahmen auch gerne ein Infoblatt mit oder trugen sich in Unterschriftenlisten ein. Für Kinder wurde ein Malwettbewerb gestartet und ein Eisbär verteilte Ballons.

Besonders wichtig war es den Aktiven, die Menschen umfassend zu informieren. Dr. Thomas Bernhard, Vizevorsitzender des BUND Koblenz, dazu: „Viele Küstenregionen sind gefährdet, wenn z.B. das Eis auf dem Festland weiter schmilzt. Ist die Eisschicht auf Gletschern und in der Arktis und Antarktis verschwunden, wird sich die Erde durch Absorption noch schneller aufwärmen. Die Folgen das Artensterben und die Artenwanderung nehmen zu. Korallensterben bedeutet einen negativen Faktor für die Meere und den Fischbestand. Sogar der so wichtige Warmwassertransport des Golfstroms ist gefährdet. Es gibt immer weiter zunehmende Wetterextreme. Wüsten breiten sich weltweit weiter aus und Missernten sind die Folgen. Diese wiederum können zu Bürgerkriegen führen und sind damit letztendlich wieder die Fluchtursachen, so wie es sich auch heute aktuell mit Syrien zeigt.“

Bialk ist besonders besorgt über die „autoorientierte“ Verkehrspolitik in Deutschland und in Koblenz: „Eine Verkehrswende ist längst überfällig. So wurde doch in diesem Bereich seit 1990 nicht eine Tonne CO2 eingespart, obwohl der Verkehr für 20 % der Treibhausgase verantwortlich ist. Hier sollten die korrekten Kosten, die Folgekosten die der Verkehr verursacht, mit einbezogen werden. Diese müssen auch die Gesundheits- und Umweltschäden beinhalten.“ Ferner zeigte er auf, dass auch die globalisierte Agrarindustrie und der so genannte Freihandel das Klima anheizen. „Wir haben Agrarindustrie satt!“ und „Fairer statt „Frei-Handel, darum TTIP und CETA stoppen!“, so seine Forderungen.

Für die nächsten Wochen sind weitere Veranstaltungen geplant, am 1.12. in Neuwied zu Klimagerechtigkeit, am 12.12. bundesweite dezentrale Klimakundgebungen, etwa in Mainz und Landau, und am 16. Januar eine große Agrardemo zur Grünen Woche in Berlin. „Denn“, so der BUND, „vom Klimagipfel sind keine Wunder zu erwarten, die müssen wir schon selber erkämpfen, darum geht es nach Paris weiter.“

Die Folgen des Klimawandels deutlich gemacht


Dr. Thomas Bernhard (li) und Egbert Bialk (re); Foto: Andreas Klein/BUND

Beeindruckender Vortrag von Dr. Thomas Bernhard und Egbert Bialk  in Hachenburg

Als örtliche Veranstaltung zur Weltklimakonferenz in Paris hatte der BUND nach Hachenburg zum Thema "Energiewende retten- Klimakollaps verhindern" eingeladen. Zahlreiche Zuhörer erlebten zunächst einen beeindruckenden Vortrag des Arztes Dr. Thomas Bernhard aus Koblenz. Er zeigte den dramatischen Anstieg der Treibhausgase seit Beginn der Industrialisierung und die damit jetzt schon spürbare Erhöhung des Weltklimas.

Der zu erwartende Anstieg der Meere und die dramatischen Folgen wurden genauso dargestellt, wie die enorme Zunahme großer Naturkatastrophen. Die dadurch entstandenen Schäden haben sich seit 1970 verdreifacht. Täglich sterben etwa 100 Arten aus, davon 1/3 durch den Klimawandel. Am meisten beeindruckten die Aussagen von Dr. Bernhard, der mehrere Jahre in Afrika tätig war, zu den durch Dürren und Wassermangel ausgelösten Konflikten in den armen Ländern und den daraus entstehenden Flüchtlingsströmen. Allein wegen des Klimawandels sind z.Zt. weltweit rd. 42 Millionen Menschen auf der Flucht. Wenn nicht ganz schnell viel Geld in die Energiewende investiert und drastisch Energie eingespart wird, wachsen die Folgekosten des Klimawandels ins Unermessliche, so sein Fazit.

Der Regionalsprecher des BUND, Egbert Bialk aus Koblenz, trug die wichtigsten Ziele des BUND auf dem Gebiet des Klimaschutzes vor. Hierzu fordert der BUND einen möglichst kurzfristigen Ausstieg aus der Kohleverstromung und den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Notwendig ist es aber auch, den Energieverbrauch zur Wärmeerzeugung massiv zu senken, durch Gebäudesanierung und Wärmedämmung. Egbert Bialk wies auch auf die Mängel im öffentlichen Nahverkehr des Westerwaldkreises hin und forderte eine Verkehrswende. Gelobt wurden die Initiativen der VG Hachenburg auf dem Gebiet des Klimaschutzes und der Energie in Bürgerhand.

In einer breiten Diskussion wurde nicht nur über eine weltweite Klimagerechtigkeit gesprochen, es gab auch ganz praktische Anregungen für die Senkung des privaten Energieverbrauches und den Wechsel zu einem Stromversorger der erneuerbare Energien einsetzt. Viele Zuhörer werden sich zukünftig besonders mit Klimaschutz beschäftigen und wollen daher eine neue Ortgruppe des BUND in Hachenburg gründen. Dazu wird im Januar öffentlich eingeladen.





Mach mit!; Her mit den Mäusen

Woher kommt die Kohle, warum ist sie klimaschädlich, wo wird am meisten gefördert, was ist dran an der Rede von der "billigen Kohle" und wer profitiert am meisten von ihr?





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BUND-Position: Klimagerechtigkeit 2015

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