Sie befinden sich hier:

Welternährung durch Ökolandbau sichern

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) setzt sich für Ökoanbau in der Landwirtschaft ein. Was Ökoanbau bedeutet, wie er zum Klimaschutz beiträgt und bezahlbare, gesunde Ernährung in der Welt sichert, erläutert BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Erwin Manz in einem Interview, das am 13. Juni 2008 in der Rheinzeitung abgedruckt wurde. Das Gespräch führte Peter Lausmann.


Die EU hat sich jüngst zur Umverteilung der Gelder zugunsten der Ökobauern entschieden. Ein Schritt in die richtige Richtung?
Es ist sehr positiv, dass das Geld nun von den Großbetrieben zu den Landwirten geht, die der Gesellschaft nutzen. Weil sie Arbeitsplätze schaffen, eine regionale Wertschöpfung leisten und weil sie schließlich auch der Natur zugute kommen.


Kritiker behaupten indes, Ökoanbau sei zu ineffizient...
...aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir weiter so intensiv gedüngt und unökologisch wirtschaften, schlittern wir unweigerlich in die Katastrophe hinein.


Wie sieht diese aus?
Dünger muss unter hohem Energieaufwand hergestellt werden und erzeugt dabei CO2. Zugleich haben wir eine massive Überdüngung, die auf den Feldern so genanntes Lachgas entstehen lässt – und das ist in der Wirkung 300 Mal schlimmer als CO2. Daher ist auch die industrielle Landwirtschaft erheblich am Klimawandel beteiligt. Die Auswaschung von Stickstoffdüngern belastet erheblich das Grundwasser. Letztlich vergiften wir damit unser Trinkwasser. Durch Intensivanbau werden Böden verdichtet und durch Erosion weggespült. Langfristig leidet auch der Ertrag darunter.


Und Ökoanbau birgt dagegen keine Risiken und kann zugleich den weltweiten Bedarf decken?
Der ökologische Anbau ist frei von diesen Nebenwirkungen. Zugleich kann durch die Ökolandwirtschaft die globale Ernährung auch nachhaltig gesichert werden. Der Hunger auf der Welt hat andere Ursachen: Kriege, falsche Verteilung, schlechte Lagerung sowie das Sterben der regionalen Produktion.


Was ist für das Absterben der regionalen Erzeugung verantwortlich?
Wir selbst. Unsere Überschüsse in Europa und Nordamerika werden sehr billig in die Dritte Welt exportiert – Milch in Pulverform zum Beispiel. Örtliche Bauern können mit diesen Preisen – acht Cent für den Liter Milch – natürlich nicht konkurrieren und müssen aufgeben. Die Versorgung hängt damit an unserem Tropf. Deshalb muss endlich wieder gegengelenkt werden.


Wie können die abhängigen Märkte aus dem Teufelskreis ausbrechen?
Marktverzerrende EU-Subventionen müssen sofort gestoppt, zugleich eine kleinbäuerliche Landwirtschaft in den Ländern wieder aufgebaut werden. Und zwar als Produzenten für den heimischen Markt und nicht für Tierfutter, das dann wieder zu uns exportiert wird. Dafür müssen dort aber auch heimische Sorten gesät werden, die von industriellem Dünger unabhängig sind.


Warum ist der Dünger für die Bauern schädlich?
Er ist in armen Regionen gar nicht erschwinglich und hochgezüchtete Pflanzen verkümmern ohne ihn. Letztlich haben die Saatgut- und Düngemittelhersteller die Bauern in der Hand und treiben sie aus Profitgier immer weiter in den Hunger hinein. Alles dreht sich ums Geld.


Auch auf dem deutschen Markt entscheidet oft der Preis: Öko ist gefragter denn je, aber teuer. Zugleich greifen Millionen zu Billigprodukten. Wer behält die Oberhand?
Die künstlich billigen Lebensmittel wird man sich auf Dauer nicht mehr erlauben können. Nachhaltiger ist es, wenn die Landwirte angemessene Preise erhalten. Wir werden uns schrittweise auf höhere Lebensmittelpreise einstellen müssen. Zugleich müssen wir aber auch aufklären, dass gesunde Ernährung auch preisgünstig zubereitet werden kann und letztendlich auch die Lebenserwartung verlängern hilft.


Qualitative Lebensmittel zu günstigen Preisen seien durch die effizientere „grüne Gentechnik“ erzielbar, sagen deren Verfechter.
Moment, „grüne Gentechnik“ ist nicht grün. Der Begriff klingt zwar umweltfreundlich, sie ist es aber nicht, weil sie Artenvielfalt zerstört. Wir sprechen hingegen von „Agro-Gentechnik“. Jedoch führen deren Produkte genau in die falsche Richtung, weil sie regional angepasstes Saatgut verdrängen und sich auf sehr wenige Sorten beschränken. Ein sehr riskantes Vorgehen.


Warum?
Die Agro-Gentechnik ist allein darauf ausgerichtet, die Produkte der Spritzmittelindustrie zu vertreiben. Die Großkonzerne versuchen so, sich ein weltweites Monopol zu schaffen. Dabei sind Gentechnik-Pflanzen nur auf kurzfristigen Ertrag getrimmt und nicht auf Nachhaltigkeit. Zugleich können sie nicht auf klimatische Veränderungen reagieren.


Welcher Weg führt dann zur Nachhaltigkeit?
Wir setzen auf kleinstrukturierte Erzeugung, weil dadurch weniger Abhängigkeiten geschaffen werden. Diese traditionellen Kleinbauern sind allein von ihrer Arbeitskraft abhängig und nicht von teuren Zusatzstoffen, die sie erst ankaufen müssen. Aber auch ein Umdenken in der Ernährung kann den Trend brechen.


Wie kann der deutsche Konsument dazu beitragen?
Zum Beispiel, indem er weniger Fleisch ist. Das verbraucht in der Produktion sehr viel Soja und Weizen. Wenn wir weniger Fleisch essen – ich sage bewusst „weniger“, wir müssen nicht ganz darauf verzichten –, dann ist auch genug Weizen zu stabilen, niedrigen Preisen verfügbar. Unser Verhalten kann so letztlich auch die Preisspirale abbremsen.



Suche

Metanavigation: