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Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica)

Arktische Smaragdlibelle sucht Zuhause: am liebsten eine kleine Wasserstelle im Moorgebiet mit Torfmoosen besiedelt



Abb. 1: Ein Männchen der Arktischen Smaragdlibelle, Foto: Frank Röbbelen



Abb. 2: Ein Weibchen der Arktischen Smaragdlibelle, Foto: Hansruedi Wildermuth

Steckbrief

Deutscher Name: Arktische Smaragdlibelle
Wissenschaftlicher Name: (Somatochlora arctica)
Rote Liste-Klassifikation Deutschland: Stark gefährdet (2)
Rote Liste-Klassifikation RLP: Vom Aussterben bedroht (1)
BNatSchG: Besonders geschützt, Anhang: b
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Falkenlibellen (Corduliidae)
Gattung: Somatochlora
Art:Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica)

Beschreibung

Die Arktische Smaragdlibelle gehört zu den Großlibellen und erreicht eine Flügelspannweite von 6-7 cm. Sie ist insgesamt dunkel gefärbt und besitzt einen grünmetallischen Glanz. Die Augen sind groß, glänzend und ebenfalls grün gefärbt. Die Männchen erkennt man an ihrem schlanken Hinterleib und den seitlichen gelben Flecken auf dem zweiten Hinterleibsegment, während die Weibchen etwas breiter sind und ein gelbes Fleckenpaar an den Seiten des dritten Hinterleibssegmentes aufweisen. Die Flügel sind ohne jegliche Einfärbungen, besitzen aber jeweils ein dunkles Flügelmal pro Flügel. Die austrocknungs- und kältetoleranten Larven, welche Mitte Mai bis Anfang August schlüpfen, sind relativ kurzbeinig und je nach Höhenlage des Biotops stark behaart.

Lebensraum

Die Arktische Smaragdlibelle ist eine typische Art der Moorgewässer. Sie kommt in nassen Übergangs- und Hochmooren, mesotrophen Niedermooren (mesotroph: mittleres Nährstoffangebot) und in überrieselten Hangmooren vor. Sie begnügen sich dort mit kleinsten, seichten Wasserstellen. Darüber hinaus wird sie auch in „Sekundärgewässern“ wie verwachsenen Moorgräben, Tortstichen und anthropogenen Versumpfungsstellen gefunden. Die Arktische Smaragdlibelle besiedelt stehende und leicht durchströmte oder durchsickerte, meist leicht saure Gewässer mit Sphagnum (Torfmoosen). Dort leben die Larven oberflächennah im Moos, unter Vegetation oder im Schlamm, wo sie sich auch eingraben (Ott, J. 2006).


Abb. 3: "Sphangum-Schwingrasen mit Wollgras in der Pfalz - in Kleinstgewässern entwickeln sich hier die Larven der Arktischen Smaragdlibelle“. Foto von Jürgen Ott

Verbreitung

Die Arktische Smaragdlibelle kommt in Deutschland lokal in den meisten Bundesländern vor, aber in der Regel mit rückläufigen bis stark rückläufigen Beständen. In Rheinland-Pfalz ist sie nur noch im Naturpark Eifel Hohes Venn, im Hunsrück (Morbach), im Pfälzerwald bei Trippstadt/ Kaiserslautern (Neuhöfer-Tal) und in der Südpfalz in einem Tal südwestlich von Eppenbrunn anzutreffen.

Gefährdung

Der sensible Lebensraum der Arktischen Smaragdlibelle wird heute zunehmend bedroht. Gefährdungsursachen sind neben der Entwässerung von Moorgebieten und der Zerstörung bzw. Verfüllung von Kleinstandorten auch die Gewässerversauerung, Wasserentnahme und die fortschreitende Fragmentierung der Biotope infolge neuer Infrastrukturmaßnahmen und zunehmender Urbanisierung. Auch die Nutzungsintensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene erhöhte Eintrag von Schad- und Nährstoffen in die Gewässer sind problematisch. Ein großes Problem ist die zunehmende Klimaänderung vor allem die Temperaturzunahme und der Rückgang der Wasserstände. Infolge der Trockenheit werden die vegetationsreichen Verlandungszonen die besonders für die Entwicklung der Larven wichtig sind zerstört, es kommt zum Teil zum kompletten Austrocknen der Moore sowie der Torfmoose. Libellen sind poikilotherme Tiere, die direkt von der Umgebungstemperatur abhängig sind. Verändert sich diese hat dies direkten Einfluss auf die Physiologie und das Verhalten der Tiere. So kann es beispielsweise zu einer schnellere Larvenentwicklung und eine Verlagerung des Vorkommens in nördlichere und höher gelegene Lebensräume kommen, die Arten schlüpfen früher und die Fauna verändert ihre Zusammensetzung. „Gebirgs-Arten“ mit einer Vorliebe zu niedrigen Temperaturen, wie die Arktische Smaragdlibelle stehen dann als Verlierer da, weil z.B. die Neubesiedlung in höhere Gebiete für eine Art nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen ist, da geeignete Lebensräume in räumlicher Nähe oft schwer zu finden sind.

Schutzmaßnahmen

Um die Bestände der Arktischen Smaragdlibelle langfristig zu sichern bzw. zu verbessern sollten bestehende naturnahe Feuchtgebiete vor direkten und indirekten Beeinträchtigungen geschützt werden. Da die Arktische Smaragdlibelle positiv auf Renaturierungsmaßnahmen reagiert, sollten degenerierte Moore, Weiher und sonstige Feuchtgebiete wiederhergestellt werden. Auf Grund der fehlenden Niederschläge entwickeln sich die Biotopbedingungen in letzter Zeit deutlich zum negativen, so dass die Neuanlage von Kleingewässern im Umfeld der Entwicklungsgewässer mit ausreichend Pufferzone eine sinnvolle Maßnahme ist.

Quellen:

  • Ott, J. (2006): Die Arktische Smaragdlibelle – Somatochlora arctica
  • (ZETTERSTEDT, 1840)- in der Pfalz : übersehen oder kurz vor dem Aussterben? (Insecta: Odonata: Corduliidae), Fauna Flora Rheinland-Pfalz 10, Heft 4, Landau
  • Ott, J. (2008): Libellen als Indikatoren der Klimaänderung - Ergebnisse aus Deutschland und Konsequenzen für den Naturschutz, Insecta, Heft 11


    Alle Internetseiten: Stand 24.07.09



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