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Eremit (Osmoderma eremita)

auch Juchtenkäfer genannt

Eremit sucht Wohnung gerne in altem Baum mit Todholzbereichen



Abb. 1: Eremit, Foto: Heinrich Klugkist

Steckbrief

Deutscher Name: Eremit
Wissenschaftlicher Name: (Osmoderma eremita)
Rote Liste-Klassifikation Deutschland: Stark gefährdet (2)
Rote Liste-Klassifikation RLP: unbearbeitet
BNatSchG: Streng geschützt, Anhang s
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Familie: Rosenkäfer (Cetoniidae)
Gattung: Osmoderma
Art: Eremit (Osmoderma eremita)

Beschreibung

Der Eremit gehört mit einer Größe von ca. 30 mm (23-38 mm) zu unseren größten Käfern. Sein gesamter Körper ist braunschwarz gefärbt und besitzt einen leichten metallischen Schimmer. Er weist an seinem Kopf und seinen Flügeldecken eine unregelmäßige Punktierung auf, besitzt typische Grabbeine und eine markante Schulterbeule auf den Flügeldecken. Aufgrund seines Habitates in dunklen Baumhöhlen hat er große, halbkugelige Augen.

Die Larvenentwicklung von 5 mm kleinen „Würmern“ bis hin zu daumengroßen Engerlingen, ist temperaturabhängig und dauert in der Regel drei bis vier Jahre. Im Gegensatz dazu, besitzt der dämmerungsaktive Eremit nur eine kurze, wenige Wochen andauernde, Flug- und Lebenszeit (Männchen 2-3 Wochen, Weibchen bis 3 Monate). Eine Besonderheit des Eremit ist der vom Männchen verströmte süßliche Lockstoff, der an Aprikosen oder Juchtenleder erinnert und dem der Eremit auch seinen Namen Juchtenkäfer verdankt.

Juchtenleder

(Quelle: Wikipedia)

ist ein Leder aus der Haut von Kälbern oder Rindern. Juchtenleder ist ursprünglich ein russischer Ausdruck.

Das Juchtenleder ist sehr fest, dicht und geschmeidig und wird mit Birkenteeröl eingerieben, deshalb riecht es stark. Es wurde ursprünglich in Russland angefertigt, kam seit dem 18. Jahrhundert aber auch nach Deutschland, wo es als Obermaterial von Stiefeln und Schuhen, aber auch für Dekorationswaren, Bucheinbände und für Geldbörsen benutzt wurde.

Lebensraum

Der Eremit führt eine versteckte Lebensweise, die bislang noch wenig erforscht ist. Bekannt ist jedoch, dass er ausschließlich in mulmgefüllten Höhlungen (Mulm= Holzerde) verschiedenster Bäume lebt, die er oft sein gesamtes Leben nicht verlässt. Lebensräume sind einzelne oder in lichten Bestand stehende alte Laubbäume wie z.B. Eichen, Buchen, Linden, Weiden und Obstbäume. Die mächtigen Brutbäume des Eremits müssen neben einem entsprechenden Stammdurchmesser ein relativ feuchtes Kleinklima und jahrelange Pilzbesiedlung aufweisen, damit ein ausreichend großer Holzmulmkörper gebildet werden kann. Das Holz, welches zu Mulm zersetzt wird, bietet den Larven einerseits Nahrung, anderseits Schutz vor Fressfeinden und Winterkälte. Imagines fressen nur in Ausnahmefällen z.B. austretende Baumsäfte.

Verbreitung

Deutschland liegt im Verbreitungszentrum des Eremits, er besitzt hier allerdings nur noch kleinere, inselartige Restvorkommen, ein flächiges Verbreitungsmuster findet sich fast nur noch im Osten von Deutschland. Vor 100 Jahren war der Eremit noch eine sehr häufige Art, nach gegenwärtigem Kenntnisstand kommt er in Rheinland-Pfalz nur noch an drei Fundorten vor, bei Eppenbrunn im Pfälzerwald, im Bienwald und im "Urwald" bei Taben-Rodt an der Saar (aus luwg.rlp/ffh-steckbriefe).

Gefährdung

Durch das Verschwinden alter höhlenreicher Laubbäumen und Altholzinseln im Wald- und Auwaldbereichen und Siedlungsräumen fehlt es dem Eremit zunehmend an geeigneten Brutbäumen. Er ist zwar flugfähig, offenbar aber nicht in der Lage größere Strecken von bereits bewohnten bis hin zu anderen als Lebensraum verwendbaren Bäumen zu fliegen (geringes Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsvermögen). Da sich heutige Populationen des Eremits oftmals in urbanen Strukturen wie Parkanlagen und Allen befinden sind die zunehmend durchgeführten Sanierungspläne und baumchirurgische Maßnahmen im Rahmen von Verkehrssicherungsmaßnahmen eine der Ursachen für die Gefährdung dieser Art.

Schutzmaßnahmen

Um dem Eremit ein langfristiges Überleben zusichern, müssen bekannte Brutbäume und Altbäume in deren Umfeld unter Schutz gestellt werde. Für den flugträgen Käfer ist es besonders wichtig, dass die nachwachsenden Habitatstrukturen großräumig erhalten, gefördert bzw. neu geschaffen werden. Auf das Ausbetonieren, Ausschäumen oder Lüften von alten, mulmreichen Bäumen im Bereich aktueller Vorkommen sollte verzichtet werden. Ein großes Problem stellt die geringe Mobilität des Eremits dar, so dass eine Vernetzung der einzelnen Lebensräume miteinander sehr wichtig ist. Alle Vorkommen des Käfers in Parkanlagen und Alleebäumen sind durch die Wegesicherungspflicht im Bestand bedroht, aus diesem Grunde sollte rechtlich die Gültigkeit von Warnschildern „Betreten auf eigene Gefahr“ (statt der „Wegesicherungspflicht“) durchgesetzt werden. Neben der Ermittlung aller Vorkommen und der Registrierung der Vitalität der Bestände sollten Maßnahmen zur langfristigen Erhaltung und Förderung erarbeitet werden z.B. Entlastungsschnitte der Brutbäume. Wünschenswert wäre auch eine Meldepflicht damit eventuell bei einer Baumfällung gefundene Larven nicht zugrunde gehen, sondern die verwaiste Population einer Wiederansiedlung zugeführt werden kann.

Quellen:

  • Petersen, B., Ellwanger, G., Biewald, G., Hauke, U., Ludwig, G., Pretscher, P., Schröder, E., Ssymank, A. (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000, -Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland, Band 1. Pflanzen und Wirbellose, Heft 69. Bonn- Bad Godesberg, BfN
  • Faltblatt Landesamt für Umwelt und Geologie, Freistaat Sachsen,
  • (https://publikationen.sachsen.de/bdb/showDetails.do;jsessionid=9586017D1C5DF0C6F18CB9D425D9A40A.bdb_lb?id=633023)
  • Erfassung der gesamthessischen Situation des Eremiten Osmoderma eremita
  • (Scopoli, 1763) sowie die Bewertung der rezenten Vorkommen, Hessische Dienstleistungszentrum für Landwirtschaft, Gartenbau und Naturschutz –Gießen von Dr. Ulrich Schaffrath, Internetseite des Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (www.hmulv.hessen.de Suchbegriff Eremit)
  • Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands, Bundesamt für Naturschutz 1998

Stand der aufgeführten Internetseiten 21.07.09


 

 



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