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Geplante Einführung von Jagdzeiten für Grau- und Kanadagänse

BUND lehnt Gänsejagd entschieden ab

Begründung

Es handelt sich hierbei nicht um eine dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtete jagdliche Nutzung, weil:

  • Nach den neuen Kriterien zur Erstellung von Roten Listen die Graugans als gefährdet eingestuft werden müsste (der kurz vor der Veröffentlichung stehende Entwurf sieht dies so vor). In Rheinland-Pfalz gibt es nur 60 bis 90 Brutpaare. Eine Dezimierung dieses Bestandes ist nicht tolerabel.
  • In allen Fällen die Bejagung in EU-Vogelschutzgebieten oder ihrem unmittelbaren Randbereich stattfinden würde und dazu noch mit der Graugans auf eine wichtige Leitart für diese Gebiete (dies ist ein Verstoß gegen EU-Recht).
  • Im Winter leben andere, wesentlich stärker gefährdete Gänsearten in Vergesellschaftung mit der Grau- bzw. Kanadagans. Wegen der großen Verwechslungsgefahr muss daher die Winterjagd auf jeden Fall ausgeschlossen werden.
  • Die Populationsstärke reguliert sich von selbst, da nur in beschränktem Maße überhaupt geeignete Lebensräume im Land vorkommen.
  • Es gibt keine zuverlässigen Angaben über landwirtschaftliche Schäden. Diese beschränken sich auf einzelne Punkte, wo Junge-führende Graugänse im Sommer in Gewässernähe weiden. Es gibt keine Verbissprobleme im Winter oder abseits der Brutgewässer. Fraßschäden in Rheinland-Pfalz sind marginal im Vergleich zu denen in den Verbreitungszentren der Art. Daher ist eine landesweite Bejagung keine sachgerechte Gegenmaßnahme gegen wenige punktuelle mit anderen Mitteln viel besser lösbare Probleme.
  • Die wenigen zu verzeichnenden Schäden sind mit alternativen Methoden (Hindernisse, Zäune) vermeidbar.
  • Der Abschuss wird vorrangig mit der Bestandesdezimierung und nicht dem Verzehr der Tiere begründet.
  • Der Abschuss von Jungtiere führenden Elterntiere wird die Entwicklung der Nachzucht hochgradig gefährden. Auch der Abschuss von Leittieren kann die gesamte Sozialstruktur schwerwiegend beeinträchtigen. Gänse leben in ehelichen Verbindungen auf Lebenszeit. Eine neue Paarbildung wird nicht mehr eingegangen.

Die Bejagung in befriedeten Bereichen (z. B. Badegewässser) ist nicht möglich.

Außerdem wird festgestellt, dass die Art der Formulierung in der Landesverordnung die besonderen Schutzvorschriften hinsichtlich der EU-Vogelschutzrichtlinie nicht berücksichtigt.

Aufgrund der genannten Probleme ist zu empfehlen, diese Arten aus dem Jagdrecht herauszunehmen und dem Naturschutzrecht zu unterstellen. Dann wird eine Regulation in den wenigen Problemfällen wesentlich einfacher, weil dann z. B. die Entnahme von Eiern genehmigt werden könnte.



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