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Auewiesen und Aueamphibien in der Vorderpfalz

Die Gemarkung Haßloch liegt innerhalb des Vorderpfälzer Tieflands und zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Lebensräumen aus. Die Ortsgruppe Haßloch beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit dem Schutz, der Erhaltung und Neuschaffung von Biotopen in der Gemarkung der Gemeinde. Die Aufgaben, denen sich die Aktiven stellen, beinhalten nicht nur Pflegemaßnahmen, wie die Mahd von Wiesen und die Schaffung neuer Laichgewässer. Die Umweltbildung und -erziehung stellt das zweite wichtige Standbein des Naturschutzes dar. Interessierte Kinder und Erwachsene können über Führungen, die von der Ortsgruppe angeboten werden, tiefere Einblicke in die Natur und die Vielfalt der Arten ihrer Heimat erhalten. Um ein solches Projekt zu ermöglichen Bedarf es vieler ehrenamtlicher Helfer. Besonders hervorgetan hat sich Rudi Otterstätter, der Vorsitzende der Ortsgruppe, dem die Arbeit im Naturschutz zum Lebenswerk geworden ist und dem 2005 der Landesverdienstorden verliehen wurde.

Streuobstwiesen

Mit ungefähr 5000 verschiedenen Arten gelten hochstämmige Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Heimat. Erst ab einer Mindesthöhe von 1,8 Meter, in der die Verzweigung einsetzt, erfolgt die Einstufung als „hochstämmig“. Im Gegensatz zu maschinengerechten Obstpflanzungen, stehen die Bäume in einer Streuobstwiese verstreut und weiter voneinander entfernt, sodass eine kombinierte Nutzung von Wiesenwirtschaft und Obstanbau möglich ist. Diese Doppelnutzung bietet vielen Pflanzen- und Tierarten eine Heimat. Dazu zählt unter anderen der Wiedehopf (Upupa epops), der in den Wiesen der Gemarkung wiederentdeckt werden konnte.

Feuchtwiesen


Prachtnelke - Foto: Simone Schneider

Feuchtwiesen sind aufgrund einer regelmäßigen Nutzung als Mähwiese entstanden und sind durch ganzjährig mehr oder weniger stark vernässte Böden geprägt. Zur Erhaltung der Wiesen ist die Fortsetzung der ursprünglichen Nutzungsform von entscheidender Bedeutung. Die ehemals durchgeführte extensive Viehwirtschaft, wurde heute durch eine einmalige Mahd und die anschließende Beweidung der Fläche mit Pferden ersetzt. Die Feuchtwiesen sind, im Verbund mit angelegten Laichgewässern, wichtige Lebensräume für viele Amphibienarten. Man kann aber auch schön blühende Pflanzen, wie die Sumpf-Schafgabe (Achillea ptarmica) und die Pracht-Nelke (Dianthus superbus) oder Schmetterlinge wie den Wiesenknopf-Bläuling (Maculinea nausithous) in den Wiesen entdecken.

Stromtalwiesen


Nordisches Labkraut - Foto: Simone Schneider

Stromtalwiesen, die früher eine weit verbreitete Grünlandform waren, sind durch starke Wasserstandsschwankungen geprägt, in deren Verlauf die Wiese überschwemmt oder ganz trocken fallen kann. Eine Zusätzliche Voraussetzung ist der völlige Verzicht auf Düngung und eine späte Mahd. Stromtalwiesen sind sehr artenreich und als gefährdeter Lebensraum durch das Landesnaturschutzgesetz geschützt. Charakteristische Arten sind das Nordische Labkraut (Galium boreale) und die Wiesen-Silge (Silaum silaus) mit der sich auch Schwalbenschwanz (Papilio machaon) wieder ausbreiten konnte.

Magerwiesen

In der Gemarkung Haßloch finden sich einige wenige Magerwiesenflächen, vor allem auf Sandböden oder in höherliegenden Gebieten. Entstanden sind die Flächen durch jahrhunderte lange extensive Bewirtschaftung, die ohne Düngung auskam. Die in den 1960er Jahren einsetzende intensive Bewirtschaftung zerstörte die ursprüngliche und charakteristische Artenzusammensetzung und Vielfalt. Eine jährliche Mahd, nach der Blüte der Pflanzen, und erneut durchgeführte extensive Bewirtschaftung, sollen den Flächen ihr ursprüngliches Erscheinungsbild mit den typischen Pflanzen und Tieren wiedergeben.

Hecken

Die Flurbereinigung und die moderne Agrarwirtschaft führten zu einer „Aufräumung“ der Landschaft, denen oftmals auch Hecken zum Opfer fielen. Dabei stellen in einer waldarmen Region gerade Hecken wichtige Rückzugsgebiete für viele Tiere dar. Sie bieten Schutz, Brutmöglichkeiten, Überwinterungsquartiere sowie Nahrung, zudem sind sie oftmals Bindeglied zwischen verschiedenen Lebensräumen und dienen als Wanderkorridor. Aus diesem Grund hat die Ortsgruppe zusammen mit der Gemeindeverwaltung mehrere Hecken angelegt, die das Landschaftsbild wieder beleben sollen.

Weiher und Tümpel


Röhricht - Foto: Simone Schneider

Weiher und Tümpel bieten wichtige Lebensräume für viele Amphibien, aber auch Libellen und eine große Zahl an Pflanzenarten ist von diesen Biotopen abhängig. Gab es früher noch große zusammenhängende Feuchtgebiete, sind diese durch Eindeichungen, Begradigungen und Trockenlegung weitestgehend verschwunden oder nur noch isoliert vorhanden. Seit 1993 wird über das Anlegen neuer Tümpel versucht ein Trittsteinsystem anzulegen, das vor allem Amphibienarten einen größeren Lebensraum sowie Wandermöglichkeiten bieten soll.


Gebänderte Prachtlibelle

In Folge dieser Arbeit ist innerhalb der Gemarkung Haßloch ein Verbundsystem mit über 70 wenigsten saisonal wasserführenden Tümpeln und Weiher entstanden, das sogar überregional von Bedeutung und in seiner Amphibienvielfalt bundesweit herausragend ist. Die Ortsgruppe Haßloch hat es durch viele Naturschutzmaßnahmen, vor allem durch die Wiederherstellung oder die Anlage neuer Tümpel, geschafft, einen kleinräumlichen Biotopverbund von Gewässern zu realisieren, der in seiner heutigen Form auch überregional von Bedeutung ist. Auf der Gemarkung Haßloch findet sich heute wahrscheinlich eine der vielfältigsten und intaktesten Amphibienpopulationen Deutschlands. Von 20 in Deutschland vorkommenden Arten wurden in der Gemarkung 14 Arten vorgefunden.
Besonders hervorzuheben sind die stark gefährdeten Vorkommen der Knoblauchkröte, des Laubfroschs, des Springfroschs, des Seefrosch und des Kammmolchs, die sich alle in unterschiedlich starken Populationen finden. Neben diesen Arten finden sich die gefährdete Kreuz- und Wechselkröte sowie die Erdkröte, der Teichfrosch, der kleine Wasserfrosch, der Grasfrosch, der Fadenmolch und der Teichmolch, die allesamt auf der Vorwarnliste stehen.
Jedoch ist auch die Situation in Haßloch nicht optimal und Bedarf der Verbesserung. So sind die Vorkommen teilweise zu stark voneinander isoliert und es gibt Probleme die die Austrocknung der Tümpel und Teiche betreffen. Trotz allem waren die durchgeführten Maßnahmen überaus erfolgreich, sodass die Zukunft aller gefundenen Amphibienarten zumindest lokal auf längere Zeit hin gesichert ist. Aber auch andere Arten, wie Ringelnatter (Natrix natrix) sowie verschiedene Libellen, zum Beispiel die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) oder die Heidelibelle (Sympetrum spec.) sind anzutreffen.


Teich mit Flatter-Binse - Foto: Simone Schneider

Im Ufer- und Flachwasserbereich bilden Röhrichtbestände wichtige Rückzugs- und Brutgebiete für viele Vogelarten, beispielsweise für das Blässhuhn (Fulica atra). Oftmals ist nur das Schilf (Phragmites australis) bestandsbildend, aber auch der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) und die Wasserschwaden (Glyceria maxima) kommen vor.

Wald

Der „Haßlocher Wald“ ist die grüne Lunge des Ortes und beliebtes Ziel für Wanderer und Radfahrer. Der Kiefernwald entstand im 18. Jahrhundert und wurde forstwirtschaftlich genutzt. Kiefern (Pinus spec.) liefern in kurzer Zeit gute Erträge und ihr Nutzholz wurde in den Kohlegruben im Saarland genutzt. Heute wird versucht junge Eichen und Buchen im Unterwuchs anzupflanzen, um die künstlich entstandene Monokultur in einen naturnahen Mischwald zu überführen.

Naturschutzgebiete

Neben den vielen Biotopen in der Gemarkung von Haßloch, wurden auch mehrere Naturschutzgebiete ausgewiesen. Ende der 1990er Jahre hat die Ortsgruppe ein Naturschutzprojekt gestartet, das Kindern und Jugendlichen die Natur und den Naturschutz näher bringen soll. So können sie auf den Flächen aktiven Schutz betreiben, indem sie Insektennisthilfen und Trockenmauern anlegen oder bei der Mahd behilflich sind.

Dies ist nur eine Zusammenfassung der vielfältigen Arbeit der Ortsgruppe Haßloch. Vieles Mehr findet sich in der Broschüre „Wege in die Natur – Ökologische Kleinode in der Gemarkung Haßloch“ mit der hier abgebildeten Titelseite.





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