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Naturräumliche Lage

Im Landkreis Bad Dürkheim liegt eingebettet zwischen Haardtrand und Rheinterrassen der Ort Weisenheim am Sand. Von einem warmen und trockenen Klima geprägt bietet die Lage beste Voraussetzung für den Anbau von Obst, Spargel, Wein und zunehmend auch Gemüse. Auch der sandige bis lehmig-sandige Boden unterstützt den Anbau. Alte Bilder zeigen, dass der Ort bis in die 1970er Jahre von Obstbaumhainen und Weinbergen umgeben war. Seit 30 Jahren nimmt der Obstbau ab. Zunächst verschwand der Anbau von Sauerkirschen. In den letzten Jahren wird auch der verbliebene Anbau von vor allem Äpfeln und Zwetschgen zunehmend aufgegeben. Die ehemaligen Obstbauflächen wurden Weinberge, Brachen, Flächen für den Spargelanbau und in letzter Zeit zunehmend für den intensiven Gemüseanbau.

Der Landschaftsraum um die Gemeinden Weisenheim am Sand, Freinsheim, Lambsheim, Ellerstadt und Birkenheide ist von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung. Die ehemals traditionelle landwirtschaftliche Nutzung in Verbindung mit trocken-mageren sandigen Standorten  und Äckern hat zu bedeutenden Lebensgemeinschaften mit vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt (Sandbiotope). Dazu beigetragen hat auch die früher hohe Strukturvielfalt  des Gebiets: Obstgrundstücke unterschiedlicher Nutzungsintensität, Reben, Wiesen und Brachen waren räumlich eng verzahnt.  Der zunehmende intensive Spargel – und Gemüseanbau gefährdet diese Strukturvielfalt. Umso wichtiger ist der Erhalt von Flächen mit extensiver Obstbaunutuzung, von Brachen und Wiesen durch den Einsatz des BUND in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden.


Die Aktivitäten des BUND

In Kooperation mit der vom Land beauftragten Biotopbetreuerin und einem Landwirt pflegen die BUND-Mitglieder etwa 70 Einzelparzellen (der Landwirt noch über 30 Wiesenparzellen zusätzlich) von insgesamt etwa 20 ha. Der Landwirt übernimmt die maschinellen Arbeiten: Mulchen, Pflanzenschutz zur Verminderung des Schädlingsdrucks auf die benachbarten Erwerbsobstanlagen und zum Erhalt der Bäume und Gießen der jüngeren Bäume in Phasen der Trockenheit. Die ehrenamtlichen Pflegemaßnahmen des BUND beinhalten Baumschnitt, Baumscheibenpflege, Zurückdrängen von Stockausschlägen, Nachpflanzen von Bäumen, Mähen bzw. Mulchen um die Bäume mit dem Freischneider.  Ziel ist die Erhaltung einer traditionellen Obstbau - Kulturlandschaft im Oberrheingraben an der Schnittstelle zum intensiven Spargel- und Beregnungs-Gemüsebau der Vorderpfalz.

Widerstände gegen diese Form der Nutzung kommen von Vertretern der Bauern- und Winzerschaft von der regionalen bis zur Landesebene. Sie haben sich gegen den Aufkauf von Flächen durch den BUND gewandt. Diese Bedenken wurden in den 1990 er Jahren durch lokale Agenda 21- Prozesse bearbeitet und führten zu gewissen Kompromissen, etwa dergestalt, dass der Flächenaufkauf räumlich eingegrenzt wurde.

Die vom BUND unterstützte Meldung als EU-Vogelschutzgebiet wurde von der Landwirtschaft nicht gerne gesehen und bekämpft. Ein erstes Furbereinigungsverfahren im inzwischen ausgewiesenen Vogelschutzgebiet führte in Weisenheim am Sand zur totalen Konfrontation mit der Landwirtschaft und der örtlichen Politik. Nach jahrelangen Diskussionen ist nach Einschreiten der Spitze des Umweltministeriums Rheinland Pfalz das Flurbereinigungverfahren nun politisch gesichert, allerdings mit vielen Kompromissen auf Kosten des Naturschutzes. Eine Gesprächsmöglichkeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Ortspolitik ist damit zunächst sehr erschwert.


Bedeutung der Weisenheimer Streuobstbestände

Die Streuobstflächen bei Weisenheim am Sand sind Teil des Vogelschutzgebietes Haardtrand. Flächen, die dort dem Prädikat „ Streuobstbestand auf Grünland“ unterliegen werden in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands aufgeführt.
Die savannenartige Struktur wird besonders durch den vorkommenden Sandrasen geprägt. Der kalkhaltige magere Boden bietet beste Vorraussetzungen für eine große Floren-Vielfalt.

 

Charakteristische Tierwelt

Charakterart unter den Vögeln ist der Wiedehopf, der noch nach dem Krieg in Weisenheim ziemlich häufig war, aber heute aufgrund der Veränderungen in der Landbewirtschaftung extrem selten geworden ist. Es gibt ihn in Rheinland-Pfalz nur noch an wenigen Stellen. Ein anderer Vogel, der die höhlenreichen Altbäume zum Nisten nutzt ist der Steinkauz. Sein Vorkommen ist noch etwas häufiger, aber aufgrund seiner nächtlichen Lebensweise schwer zu beobachten. Ziemlich häufig ist noch der Grünspecht, der durch seinen lauten Ruf auffällt; er schafft die Höhlen in alten Obstbäumen und Baumweiden, die später dann von den Höhlenbrütern besiedelt werden. Weitere charakteristische Vogelarten der weniger intensiv genutzten Obstwiesen sind die Heidelerche, der Neuntöter, der Wendehals und der Gartenrotschwanz. Das Vorkommen dieser Vogelarten hat zur Aufnahme des Gebietes in das europäische Netz der Vogelschutzgebiete geführt. Es ist heute ein Teil des Vogelschutzgebietes  „Haardtrand“.

Bei manchen Menschen weniger beliebt als die Vögel sind die Insekten; dennoch sind sie von großer Bedeutung für den Naturhaushalt. Für die warmen sandigen Bereiche um Weisenheim sind vor allem die Heuschrecken mit wichtigen Leitarten vertreten. Insgesamt sind bisher 33 Heuschreckenarten im Gebiet sicher nachgewiesen. Darunter solche Raritäten wie die Gottesanbeterin, der Feldgrashüpfer und die Blauflügelige Ödlandschrecke. Die letztgenannte Art ist beim Wegfliegen an ihren blauen Flügeln unschwer zu erkennen; sie ist eine typische mediterrane Heuschreckenart. Mit ihr häufig vergesellschaftet ist der Kupferbraune Sandlaufkäfer, eine räuberisch lebende wärmeliebende Laufkäferart.


Seltene Pflanzen

Auch unter den Wildpflanzen gibt es eine Reihe seltener „Rote-Liste-Arten“, die an die mageren Sandbiotope gebunden sind. Auf den Böschungen wachsen z.B. die Leitarten Binsen- Knorpellattich, Feldbeifuß sowie das Siebenbürger Perlgras und die Felsennelke. Auf mageren Obstwiesen wachsen Berg-Haarstrang, Platterbsenwicke und Berg-Sandglöckchen. An diese Pflanzen wiederum sind eine Reihe charakteristischer Schmetterlingsarten gebunden, wie z.B. die Blutströpfchen.

 

Bewertung des Einsatzes des BUND

Alle diese Tier- und Pflanzenarten sind natürlich durch die erwähnte Intensivierung der Landwirtschaft verbunden mit Flurbereinigung und zentraler Beregnung bedroht. Der Obstbau in Weisenheim am Sand wird zunehmend aufgegeben, Spargel- und Gemüsefelder werden angelegt.  Angeblich kann sich nur so die örtliche Landwirtschaft am europäischen Markt behaupten.

Das Anliegen des BUND ist es gegen alle Widerstände einige Bereiche zu erhalten, die sowohl einen Ausschnitt aus einer historischen Kulturlandschaft als auch einen Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere darstellen. Dabei ist besonders das Verschlechterungsgebot der Europäischen Vogelschutzrichtlinie eine wichtig Richtschnur für das konkrete Handeln.




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