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Das neue Denkmalschutzgesetz und die Westwall-Bunker


Walter Stutterich

Text und Bilder: Walter Stutterich, Pirmasens

„Das Verzeichnis der Kulturdenkmäler stellt erstmals den gesamten Bestand der zum jetzigen Zeitpunkt erfassten Denkmäler des Landes Rheinland-Pfalz vor. Anlass ist die Novellierung des Denkmalschutzgesetzes mit dem Wechsel vom konstitutiven Unterschutzstellungsverfahren zur Unterschutzstellung durch Gesetz." So liest sich der Anfang der neuen Startseite bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe.

Lange hat es gedauert, bis es soweit war und einige der Forderungen des BUND-Arbeitskreises Denkmalpflege in Erfüllung gegangen sind. Nicht alles, was wir uns vorgestellt hatten, ist ins neue Gesetz eingeflossen, aber einiges doch schon.

Neu ist, dass auch Bauten, die nicht in den Listen der Schnellerfassung verzeichnet sind Denkmäler sein können. Und genau daran entbrennen zur Zeit in den Gemeinden heftige Auseinandersetzungen. Denn mit einem Denkmal umzugehen ist nicht leicht. Hilfe ist vom Gesetz nicht zu erwarten, denn im Gesetz steht natürlich nur das, was nicht erlaubt ist, und alles was möglich wäre, muss der Denkmalbesitzer erstmal erfragen.


Walter Stutterich

Hier sind dann die örtlichen Ämter gefordert. Das Ergebnis ist wiederum nur so gut wie die Ausbildung der Personen in den Amtstuben und hängt stark von deren Können und Wissen sowie vom Zeitfaktor ab, den die Amtsperson vor Ort für diese Arbeit zur Verfügung hat. Das heißt, der Umgang mit Denkmälern ist immer noch schwierig, und wird weiterhin Gegenstand langer und heftiger Streitgespräche sein.

Zwar gibt es für unsere Region im Süden von RLP noch keinen eigenen Band der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, da muss noch einiges geschehen, aber wir können ja hoffen.

Und doch, der Anfang ist getan. Es gibt unter dem Stichwort Strecken- und Flächendenkmal „Westbefestigung“ nun offiziell die Anerkennung der Betonwehrbauten aus dem zweiten Weltkrieg zum Denkmal.


Walter Stutterich

Da heißt es: „Innerhalb des Gebietes werden alle oberirdischen und unterirdischen baulichen Anlagenteile (Bunker, Minengänge, Stellungen, Höckerlinien, sonstige Sperranlangen und künstliche Hindernisse), ferner deren Reste und Zerstörungsspuren unabhängig vom baulichen Zustand und Zerstörungsgrad, sowie umgestaltende Eingriffe in die natürliche Oberflächengestalt und natürliche Oberflächengewässer (wie insbesondere aufgeschüttete Rampen oder aufgestaute natürliche Bäche) unter allgemeinen denkmalrechtlichen Schutz gestellt.“

Das sieht der BUND Kreisgruppe Pirmasens als großen Gewinn an. Immerhin hat die Kreisgruppe seit mehr als dreißig Jahren einen Abrissstop für diese Anlagen gefordert. Dass nun auch Sperranlagen und künstliche Hindernisse diesen Schutz bekommen haben, übertrifft sogar unsere Erwartungen. Mit Bächen und künstlichen Hindernissen wird sich der BUND künftig noch intensiv beschäftigen, denn dieser Schutz kann im Einzelfall in Konflikt stehen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese Vorschrift verlangt Bachbegradigungen zu beseitigen.

Wer vor dreißig, vierzig Jahren über die Felder gegangen ist, hat damals noch viel mehr Bäume, Hecken und Gebüsche vorgefunden. Diese Inseln waren und sind, soweit heute noch vorhanden, sehr wertvolle Refugien. Das trifft auch auf die verwachsenen Ruinen der ehemaligen Westwall-Bunker zu. Wer als Biologe in den Feldern nach tierischem und pflanzlichen Leben sucht wird an den Betonruinen sicher fündig.


Walter Stutterich

Das ist mittlerweile in einem halben Dutzend Veröffentlichungen nachzulesen. War die Arbeit von Andreas Fußer „Der Wirbel um den Westwall, Bunker und Stollen: Schandfleck oder Öko-Nische? eine Zeitungsserie für Die Rheinpfalz“ 1987 noch sehr allgemein, befasste sich Arno Sprau kurze Zeit danach etwas genauer mit der Biologie an Betontrümmern.

Noch genauer ist die Arbeit des Dipl.- Biol. Matthias Haag von 1992 der drei Ruinen auf das Genaueste untersucht hat. Mit finanzieller Unterstützung der Kreisverwaltung Pirmasens entstand ein 250 Seiten starkes Protokoll der Natur an Betonbunkern.

Kurze Zeit nach dem Ende der Arbeit von Herrn Haag gab die Kreisverwaltung ihr „Einverständnis“ zum Abriß der untersuchten Anlagen, obwohl eine der Anlagen, ein Sonderbau in einem damals geplanten Naturschutzgebiet lag - ein ziemlicher Verlust. Heute befindet sich dort nur noch eine private Mähwiese, deren Schnittgut in einem nahen Schützengraben entsorgt wird.

Um nun endgültig den unsinnigen und Geld verschwendenden Abriss zu stoppen, fanden sich Umweltschützer und Historiker zusammen und riefen Presse, Fernsehen und Politik an, um nun endlich hier einen Stock bei zustecken. In Rheinland-Pfalz gab es daraufhin einen Ministerialerlass der einen weiteren Abriss untersagte.

Bei dem damaligen Landesdenkmalamt begann man über eine Unterschutzstellung nachzudenken. Es fehlte im Landesdenkmalgesetz an Instrumenten, ein aus Tausend Einzelteilen bestehendes und über mehrere Landkreise verteiltes Denkmal, das zudem noch nicht einmal lagegenau erfasst war, effizient und effektiv zu schützen. Mit dem neuen Denkmalschutzgesetz in RLP kam der Begriff „Strecken- und Flächendenkmal“ zum Tragen.



Foto: Walter Stutterich

Auch wurde ein ehrenamtlicher Beauftragter für die Erfassung der verstreut liegenden Bunker ernannt. Der Beauftragte, der BUND Pirmasens sowie die VEWA (Verein zum Erhalt der Westwall Anlagen) arbeiten zusammen an diesem umfangreichen Unternehmen. Nach Möglichkeit werden alle Standorte aufgesucht, die genaue Position ermittelt und nach „Regelbautyp“ und Zustand klassifiziert. Dazu treffen sich unregelmäßig aber doch an rund fünfzig Tage im Jahr, zwei bis fünf Personen und streifen durch die Wälder und Felder. Sie kartographieren die Bauten, entwickeln Datenbanken, vermessen die Trümmer und fügen diese im Rechner zu Zeichnungen oder gar CAD-Modelle zusammen.


Foto: Frank Gottschall

So ist seit 1994 eine reichhaltige Datensammlung entstanden, die aber immer noch lange nicht fertig ist und auch weiter im Detail ausgearbeitet wird. Die Erkenntnisse werden von Woche zu Woche umfassender.

Um und über den Westwall sind zu seiner Entstehungszeit Filme gedreht und in Wochenschauen zu propagandistischen Zwecken präsentiert worden, aber die zahlreichen handfesten Akten sind nur mäßig erschlossen. Sie lagern in Archiven im In- und Ausland und werden von wieder anderen Spezialisten in mühseliger Arbeit ausgewertet. Doch immer wieder lassen sich die alten mit einer Schreibmaschine geschriebenen DIN-A4-Seiten mit Bauwerken im Gelände in Zusammenhang bringen. So sind seit vielen Jahren zahlreiche Menschen am Werk, in Landesdenkmalämtern oder ehrenamtlich, um die Geschichte dieser denkwürdigen Denkmäler zu rekonstruieren und ihre Spuren zusammenzutragen.




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