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Naturschutz ohne Grenzen – landesübergreifende Projekte suchen Nachahmer

Biologische Vielfalt durch Schutz im menschlichen Nahbereich erhalten

Um biologische Vielfalt langfristig zu erhalten, müssen auch im vom Menschen genutzten Raum Maßnahmen zu Landschaftsschutz und -entwicklung durchgeführt werden. Dem widmet sich seit Anfang 2007 das Projekt „Naturschutz ohne Grenzen“. In Siedlungs- und Wohnräumen, in Gewerbe- und Industriegebieten und auf land, weide- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen thematisiert das Projekt so genannte Sekundärbiotope. Es vernetzt Naturräume, ermöglicht Ausbreitung und Austausch von Arten und trägt zum Erhalt biologischer Vielfalt bei. Initialzündung und grundlegende Vorarbeiten des Projekts liefern die deutschen Organisationen BUND Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die französischen Alsace Nature und der Basler BASNU, die sich gemeinsam um den Naturschutz im Oberrheinraum kümmern. Durch Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit, die mit Unterstützung der Projektpartner und erarbeiteter Materialien eigene Aktionen durchführen, soll nachhaltig die biologische Vielfalt gesichert werden. Kofinanziert wurde „Naturschutz ohne Grenzen“ mit Unterstützung der Programme INTERREG-PAMINA und INTERREG-Oberrhein-Mitte-Süd der Europäischen Union sowie vom Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz.

 Das Projekt

In Phase eins wählten die Projektpartner Projekte aus, die bereits erfolgreich zum Schutz biologischer Vielfalt im menschlichen Nahbereich beigetragen haben. Um einen hohen Effekt für den Erhalt biologischer Vielfalt zu erzielen und außerdem die Nachahmung leicht zu machen, sollten die Projekte drei Kriterien erfüllen. Sie sollten besonders unkompliziert sein und zugleich einen breiten Interessenkreis einbeziehen, außerdem Lebensräume vernetzen und schließlich Aspekte berücksichtigten, die über den reinen Naturschutz hinausgehen wie sozioökonomische oder politische. Ausgewählt wurden auf diese Art Projekte wie das der schweizerischen Stiftung „Natur & Wirtschaft“, die mit der Vergabe eines begehrten Zertifikats Wirtschaftsunternehmen zur ökologischen Gestaltung ihres Firmenareals ermutigt, oder der französische Vogelschutzverein LPO, der sich um ökologische Managementaspekte im Weinberg kümmert.
In Phase zwei des Projektes beschrieben und analysierten die Projektpartner die ausgewählten Projekte und veröffentlichten 2008 eine Auswahl von Projekten in einem Weißbuch und einer Wanderausstellung, um die Arbeit für interessierte Nachahmer zu erleichtern.
Neben Projekten aus Baden, dem Elsass und der Nordschweiz sind auch Projekte in der Süd- und Südwestpfalz dabei, von denen hier zwei vorgestellt werden sollen.

  Quellschutz und Schmetterlingswiesen – zwei beispielhafte Projekte in der Pfalz

Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz startete das Quellschutzprojekt Dahner Felsenland im Rahmen seines Langzeitprojektes „Rettet die Quellen“ im Jahr 2003. Ziel war es, natürliche und naturnahe Quellbiotope wieder herzustellen. Im Rahmen des Langzeitprojekts sollte es außerdem dazu beitragen, das Wissen über den fragilen und einzigartigen Lebensraum Quelle zu erweitern, ein Forum für Quellschutz zu bieten, wissenschaftliche Daten zu sammeln, aufzubereiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so das Problem der Quellzerstörung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Maßnahmen zum Quellschutz zu initiieren. Konkret sollten im Dahner Felsenland praktische Pflege- und Entwicklungsvorschläge für jede einzelne Quelle entstehen und anschließend die Empfehlungen umgesetzt werden. Dazu wurden die Quellen genau kartiert im Hinblick auf Wasserchemie, Morphologie, Umfeldnutzung, Ökologie, Gefährdungs- und Schädigungslage und die Daten dann analysiert. Bei den Maßnahmenvorschlägen wägte man schließlich ab zwischen den verschiedenen Interessen der Quelle als schützenswertem Lebensraum und als Anziehungspunkt für Bewohner und Gäste der Region. In den Quellen leben Arten, die früher weit verbreitet waren, jetzt aber nur noch in geschützten Quellen passende Lebensbedingungen finden, wie zum Beispiel die Quellschnecke als typische Tierart der Eiszeit.


  Auch die Schmetterlingswiesen in einem Gewerbegebiet von Landau tragen zum Erhalt biologischer Vielfalt bei. Als Ausgleichsfläche für Flächenversiegelung im Gewerbegebiet zur Verfügung gestellt, wurden das Gelände und der durchfließende Birnbach renaturiert. So stellen sie heute Rückzugsgebiet und Lebensraum für Flora und Fauna innerhalb der Stadt dar. Wie Evaluationen ergaben, nehmen auch gefährdete Arten das Gebiet gut an. Das enorme ökologische Potential des Gebietes zeigt sich unter anderem an den im Jahr 2007 festgestellten 23 Vogelarten und 72 Wildpflanzenarten, darunter das selten gewordene Schwarzkehlchen und die gefährdete Haubenlerche. Heute pflegen BUND-Mitglieder und FÖJler das Gelände nach ökologischen Gesichtspunkten, woraus für Stadt und Umweltschutzorganisation eine win-win Situation entsteht, in der die Stadt das Geld für die Pflege einspart und der BUND ausgezeichnete Gebietsvoraussetzungen für Umweltbildungsarbeit insbesondere für Kinder und Jugendliche erhält.

Projekt unterstützt Nachahmer

In Phase drei schließlich setzt das Projekt auf die Verbreitung seiner Erkenntnisse. Durch die Aktivitäten werden am Naturschutz interessierte Akteure zusammengebracht und dauerhaft vernetzt. Dazu stellt das Projekt verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung.

Zum einen liegt ein Weißbuch vor, in dem 21 beispielhafte Projekte von „Naturschutz ohne Grenzen“ zusammengefasst sind. Hier finden Interessierte Ideen in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, kulturhistorische Landschaftselemente, Grünkorridore mit Schaffung und Erhalt von Biotopen, Natur in urbanen Gebieten und Umweltbildung. Jedes Projekt ist dabei dargestellt mit Projektbeschreibung, Projektziel, Maßnahmen zum Erreichen des Zieles und dem Hinweis, auf welche Art das Projekt biologische Vielfalt fördert. Besteht Interesse, zu einem Thema mehr zu erfahren oder sich Hilfe bei der Unterstützung eigener ähnlicher Projekte zu holen, sind auch Projektakteure und Kontakt zu Verantwortlichen aufgeführt.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Wanderausstellung des Projektes auszuleihen. Die Ausstellung gibt Einblicke in Projekte, reich bebildert und versehen mit Erklärungen. Sie liefert Anregung zum Nachdenken über Naturschutz im Nahbereich und gibt Ideen, wie man dazu beitragen kann. Die in deutscher und französischer Sprache gestaltete Ausstellung kann bei den Projektpartnern BUND Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Alsace Nature und BASNU ausgeliehen werden.

Außerdem unterstützte das Projekt mit einem Seminar in Landau Begegnungen und Kooperation zwischen Akteuren, um Interessierte zusammenzubringen und zu vernetzen. Dort wurden Gemeinden und sonstige Akteure zum Mitmachen ermuntert. Neben punktuellen Begegnungen soll das Projekt so dazu beitragen, andauernde Kontakte zwischen Akteuren zu schaffen. Auf diese Weise kann neben dem Schutz biologischer Vielfalt vor Ort auch eine gemeinsame Kultur im Oberrheingebiet entstehen.


Weitere Informationen über die Projekte beziehungsweise Kontakt zu den Akteuren finden Interessierte auf den folgenden Internetseiten. Die Projektpartner hoffen, durch nachfolgende Möglichkeiten viele Nachahmer für Naturschutz ohne Grenzen zu finden.

Informationen zum Quellschutzprojekt

Zu den Akteuren der Schmetterlingswiesen

Zum BUND Baden-Württemberg
Informationen zum Projekt Kräutergarten

Zur elsässischen Organisation Alsace Nature

Basler Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Natur und Umwelt (BASNU),
zu erreichen per Email.

Das zweisprachige Weißbuch steht hier zur Verfügung: Weißbuch

Die zweisprachige Wanderausstellung kann bei den Projektpartnern BUND Rheinland-Pfalz, BUND Baden-Württemberg, Alsace Nature, BASNU ausgeliehen werden.


Bei Fragen zum Projekt steht die Landesgeschäftsstelle des BUND Rheinland-Pfalz zur Verfügung: Kontakt



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