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Hochwasserrückhalt durch Auenrenaturierung

Die ehemalige Überflutungsaue im Raum Hördt ist eines der wenigen verbliebenen Gebiete am nördlichen Oberrhein, wo eine zusätzliche natürliche Hochwasserrückhaltung noch möglich wäre. Eine Rückverlegung des Deichs, bzw. eine Nutzung des natürlichen Hochufers, böte die einmalige Chance, verbesserten Hochwasserschutz und Naturschutz durch Auenrenaturierung miteinander zu verbinden. Der Hochwasserschutz würde nicht nur für die Anliegergemeinden, sondern auch für die Unterlieger verbessert.


Rückhaltevolumen

Hervorstechende Eigenschaften des Raums sind sein hohes Retentionspotential und sein gleichzeitig hohes Renaturierungspotential. Das anzunehmende Rückhaltevolumen liegt bei ca. 42 Millionen Kubikmeter auf einer Fläche von 1.400 Hektar bzw. 60 Mio. cbm auf einer Fläche von bis zu 2000 ha. Der immer noch vorgenommene Badewannenvergleich für die Funktionsweise eines Retentionsraums, wonach dieser beim Auflaufen der Hochwasserwelle irgendwann bis zum Rande voll ist, und dann keine weiteren Hochwasserspitzen mehr aufnehmen kann, ist sachlich nicht gerechtfertigt. Er berücksichtigt nicht das vielfältige und komplizierte Relief der vorgefundenen Landschaft, das Vorhandensein von Vegetation (u.a. Wald!), und die dem Hochwassergeschehen eigene Strömungsdynamik.

Ähnlich falsch ist die Annahme, man benötige für die natürliche Flutung ein Vielfaches der Fläche eines gesteuerten Polders. Wohl ergibt sich rechnerisch beim gesteuerten Polder ein höheres Rückhaltevolumen, aber die Steuerung mit dem Ziel, den günstigsten Zeitpunkt der Flutung zu wählen, ist mit Risiken behaftet. Die Entscheidung zur Flutung könnte auch politisch einseitig beeinflusst werden. Bei der natürlichen Retention entfällt diese Entscheidung.

Auenrenaturierung

An allen mitteleuropäischen Strömen haben die natürlichen Überflutungsauen in den vergangenen Jahrhunderten durch Begradigung und Deichbau extrem abgenommen. Die verschiedenen Auwaldtypen gehören heute zu den ganz besonders gefährdeten Elementen unserer Landschaft und genießen nicht nur naturschutzfachliches, sondern auch hohes ästhetisches Interesse und sind für die Erholung wichtig. Im Gebiet von Hördt sind noch einige Auenrelikte hinter dem derzeitigen Rheinhauptdeich vorhanden, die sich nach einer Wiederanbindung an die Rheindynamik langsam wieder zu ursprünglichen Auenarten entwickeln können. Ähnlich wie die Pflanzenwelt lassen auch die Artenlisten der Tierwelt die ursprüngliche Auenlebensgemeinschaft und das Potential zur Auenregeneration erkennen.


Schlafdeich

Neuerlich wird im Raum Hördt ein sogenannter Schlafdeich als alternative Möglichkeit des Hochwasserschutzes in Spiel gebracht. Solche Deiche sind z.B. von der Oder bekannt. Sie sollen im Fall eines Deichbruchs das Überfluten der gesamten Altaue verhindern und stellen insofern eine Art „zweite Verteidigungslinie“ dar, sind also Instrumente des Katastrophenschutzes. Beim Rhein geht es aber bei allen realisierten und geplanten Maßnahmen erst einmal darum, durch Rückhaltemaßnahmen Schutz vor einem 200jährlichen Hochwasserereignis für alle Anlieger zu gewährleisten. Dies wird durch die derzeitigen Maßnahmen noch nicht erreicht. Unrealistisch ist der Schlafdeichgedanke auch durch den beträchtlichen Eingriff, den er im NSG und FFH-Gebiet verursachen würde (Verschlechterungsverbot). Eine Verlegung des Michelsbachs wäre völlig unakzeptabel.


Kosten

Wenn der bestehende Deich (partiell) zurückgebaut wird und stattdessen das natürliche Hochufer einschließlich einiger „Objektschutzdeiche“ die neue Hochwasserlinie darstellen würde, wäre dies um ein Vielfaches billiger, als andere Hochwasserschutzmaßnahmen, z.B. gesteuerte Polder. Damit sprechen auch ökonomische Gründe sehr stark für diese Form des Hochwasserschutzes.

Unter finanziellen Gesichtspunkten ist auch die Entschädigungsfrage zu sehen. Es ist verhältnismäßig wenig landwirtschaftliche Nutzfläche betroffen; im Übrigen ist diese weniger dem Überflutungsrisiko ausgesetzt als andere, tiefergelegene Flächen. Außerdem sind nur wenige Betriebe mit nur wenig Flächenanteil betroffen. Auch wenn diese sich jetzt sehr lautstark melden, können für sie Lösungen gefunden werden. Diese Betriebe müssen keineswegs aufgeben. Die Zukunft der Gemeinde Hördt liegt ohnehin weniger in der Landwirtschaft.


Integriertes Raumnutzungskonzept, IKSR- Konzept

Auf Empfehlung der Enquete- Kommission des Landtags hat die Landesregierung 1995 ein umfangreiches Gutachten in Auftrag gegeben, das „Integrierte Raumnutzungskonzept für die Hördter Rheinniederung“. Auftragnehmer waren die renommierten Büros Björnsen (Koblenz) für den hydraulischen Teil, Prof. Heidt (Mainz) für die sozio-ökonomischen Untersuchungen und Prof. Dister (WWF-Rastatt) für die ökologischen Fragen. Das Zwischenergebnis, das erst im Jahr 2002 vorgelegt wurde, war eindeutig: Es ist möglich, dem Landtagsauftrag zu entsprechen und durch eine Wiederanbindung der Hördter Rheinniederung an die Rheindynamik einen wesentlichen Beitrag zum Hochwasserschutz zu leisten. Von einem „Schlafdeich“ war keine Rede.

Auch die Intentionen der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) laufen in die gleiche Richtung: Im Konzept zum Biotopverbund (2001) wird gefordert: Ausweitung der Überschwemmungsauen und Wiederherstellung ursprünglich vorhandener hydraulisch und biologisch wirksamer Verbindungen zwischen Strom und Aue. Ebenfalls erfordert die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie eine Renaturierung unserer Stromauen. Naturfremde, technische Hochwasserschutzmaßnahmen würden der Erhaltung bzw. Erzielung eines guten ökologischen Zustands der Gewässer und ihres Umfeldes zuwiderlaufen.

Die negativste aller Lösungen wäre natürlich der Ausbau des derzeitigen Rheinhauptdeichs auf das Niveau der anderen Rheinseite. Dieser Ausbau wird vor Ort derzeit zwar lautstark gefordert, würde aber dem Auftrag des Landtags zuwiderlaufen, der die Prüfung des Gebiets als Hochwasserrückhalteraum vorsieht. Einen Ausbau des Hauptdeichs ins Auge zu fassen, hieße dem St. Florians- Prinzip zu folgen.

Kompromissmöglichkeit

Presseinformation über die BUND-Exkursion zur Hördter Rheinaue am 4.6.05
"Kleine Lösung": Schluten wieder mit dem Hauptstrom verbinden!




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