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Quelltypenatlas

Grundlage gelegt für Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung an Quellen

In den vergangenen Jahren hat sich der Wissensstand um die Quellen in Rheinland-Pfalz kontinuierlich erhöht. Dazu beigetragen hat insbesondere die Kartierung von Quellen durch den BUND, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Forsten. Die Untersuchung im Biosphärenreservat Pfälzerwald (FIEDLER-WEIDMANN & HAHN 1996, BUND 1999, SCHINDLER 2000) stellte den ersten Baustein in der Kartierung und Erfassung von Quellbiotopen in Rheinland-Pfalz dar. Darauf schloss sich ein Folgeprojekt für die gesamte Landesfläche an. Es wurde eine erste Übersicht über die Quellen und deren Gefährdungssituation in den Mittelgebirgslandschaften von Rheinland-Pfalz erstellt (SCHINDLER & HAHN 2000). Ziel der Arbeiten war die Beschreibung regionaler Tierlebensgemeinschaften, der wasserchemischen und strukturellen Verhältnisse sowie der Gesamtsituation der rheinland-pfälzischen Quellen, auch hinsichtlich Gefährdungen und Schädigungen.

Nach der Aufnahme der Bestands- und Gefährdungssituation der Quellbiotope von Rheinland-Pfalz ist nun in Form des Quelltypenatlasses der nächste Schritt getan. Die ausgewählten Objekte sind Beispiele für die typische Morphologie von Quellen einer Landschaft (keine flächendeckende Kartierung). Die Typologie der Quellen in Rheinland-Pfalz gründet sich auf den bisher erarbeiteten Daten. Es wurde in vielen Landesteilen nachkartiert, wo die Datenlage keine Typenbeschreibung zuließ. Der Quelltypenatlas ist durch den BUND ausgearbeitet und wird im Sommer/Herbst im Rahmen der „Aktion Blau“ durch das Landesamt für Wasserwirtschaft veröffentlicht.

Quellen sind als austretendes Grundwasser definiert und gehören mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen Deutschlands. Da in ihnen natürlicherweise das reinste Wasser unserer Gewässer fließt, dürfen sie bei ökologischer Betrachtung der Fließgewässer nicht fehlen. Die Nutzung von Quellen als Trinkwasserlieferanten geht mehr und mehr zurück, was die Chance von Renaturierungen bietet. Da natürliche Zustände von Quellen immer seltener geworden sind und man Strukturen natürlicher Quellen aus eigener Beobachtung kennen muss, um z.B. Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Quellen durchführen zu können, werden im Quelltypenatlas charakteristische Referenzquellen zusammengestellt. Diese Leitbilder für typische Quellbiotope sollen zeigen, welche morphologische Quelltypen voneinander unterschieden werden können und wo sie in Rheinland-Pfalz in einem weitgehend naturnahen Zustand zu finden sind. Der Altas soll also als Grundlage für die naturnahe Gewässerentwicklung dienen. Im Vergleich zu Bächen gibt es bei der Erfassung der Morphologie von Quellen noch sehr wenig Erfahrungen und die Struktur von Quellen ist bislang kaum untersucht. Hier soll der Quelltypenatlas Rheinland-Pfalz eine Wissenslücke schließen.

Maßgebend für die Ökologie von Quellbiotopen ist neben der Wasserchemie insbesondere die Struktur der Quelle. Die Morphologie, die Substrattypen in ihrer speziellen Kombination sowie das Umfeld entscheiden über die ökologische Funktionsfähigkeit und die Lebensgemeinschaften an einer Quelle. Deswegen sind natürliche bzw. naturnahe Strukturen von besonderer Bedeutung. Die morphologische Differenzierung fasst die gemeinsamen Eigenschaften der Quellen zusammen und ordnet sie bestimmten Typen zu. Bedeutsam ist die Schüttung und ihr Verhalten im Jahresverlauf. Es können ganzjährig schüttende (perennierende) von zeitweise schüttenden (intermittierenden) Quellen unterschieden werden. Viele temporäre Quellen fließen nur alle paar Jahre wie die sogenannten Hungerbrunnen. Naturnahe Quellen sind aufgrund ihrer speziellen und konstanten Bedingungen sehr empfindliche und kleinräumige Inselbiotope.

Insgesamt können nach der Morphologie des Austritts vier morphologische Basisquelltypen für Rheinland-Pfalz unterschieden werden. Dies ist die Sickerquelle (Helokrene), die Sturzquelle (Rheokrene) und die Tümpelquelle (Limnokrene). Der vierte Quelltyp heißt Wanderquelle (Migrakrene). Der letzte Typus wurde als neuer Quelltyp hinzugenommen und erstmalig für Rheinland-Pfalz beschrieben. Wanderquellen stellen einen mit den anderen Quelltypen nicht vergleichbaren Typ dar, der in Abflussrichtung jahreszeitlich linear wandert. Dabei bildet der konkrete Austritt zu einem Zeitpunkt oft einen Mischtyp zwischen Sicker- und Sturzquelle, wobei der Abfluss in Richtung des Gefälles stetig zunimmt.

Neben den vier Basisquelltypen kommen Mischtypen zwischen ihnen vor, wobei ein Quelltyp als Hauptquelltyp fast immer dominiert. Jede Grundwasserlandschaft bzw. jeder hydrogeologische Quellraum hat ein besonderes Verhältnis an Quelltypen, der für ihn charakteristisch ist. Dies gilt auch für den Anteil an periodischen Quellen. Neben den morphologischen Basisquelltypen mit ihren Kombinationen kommen weitere morphologisch charakterisierbare Quelltypen vor. Wo sie auftreten überlagern sie meist den Basisquelltyp. Solche geochemische Sondertypen sind Kalksinterquellen, Schwefelquellen, Ockerquellen (meist als Mineralquellen) und Sole- sowie Thermalquellen. Sie treten gehäuft in bestimmten geologischen Formationen oder bestimmten Regionen auf (z.B. im Oberrheingraben). Ansonsten sind sie aber selten.

Die Referenzquellen werden im Atlas in Form eines Kataloges mit Bild, Karte und morphologischen Eckdaten präsentiert. Im Anhang befindet sich eine Quelltypenkarte, die die einzelnen Quelltypen farblich voneinander abhebt und vor dem Hintergrund der Grundwasserlandschaften in Rheinland-Pfalz darstellt. Die genaue Lageangabe soll die Quelle gut auffindbar machen, damit man sich ein Bild naturnaher Zustände in den einzelnen Naturräumen machen kann. Da Quellen extrem empfindliche Biotope sind, die bereits durch kleinste Veränderungen gestört werden können, ist besonders darauf zu achten, dass man feuchte und nasse Bereiche nicht betritt (Quellvegetation). Auch ist kein Totholz zu entfernen oder gar der Lauf einer Quelle oder des Quellbachs zu verändern. Die Berührung von wasserumspülten Strukturen sollte tabu sein, am besten man hält einen gebührenden Abstand von der Quelle, auch, um nicht nasse Füße zu bekommen.

Naturnähe von Quellen entwickeln
Nun ist endlich eine Grundlage für Maßnahmen an Quellen gelegt, da man weiß, wohin sich Quellen in einem Naturraum entwickeln sollen. Bereits jetzt bieten sich Maßnahmen an Quellen an, die durch Fachleute des BUND betreut werden sollten. Manchmal setzt bereits durch kleine, vorsichtige Eingriffe ein deutlicher Schub in Richtung Naturnähe ein. Dies kann z.B. durch eine schonende und sukzessive Fichtenentnahme oder das Anlegen einer Furt statt einer Verrohrung geschehen. Vor allem an Quellbächen können Quellrenaturierungen vorbereitet und unterstützt werden (Durchgängigkeit, Schaffung eines naturnahen Umfeldes). Also sind auch hier Aktionen gefragt. Bei geplanten Maßnahmen sind diverse Broschüren des DVWK und des Landes oft eine große Hilfe („Aktion Blau“).
Speziell zu diesem Thema soll ein Leitfaden des BUND mit einem Kartierverfahren konkrete Handlungsanweisungen geben, der aber noch nicht veröffentlicht ist. So können durch Vergleich mit einer Referenzquelle geschädigte Quellen verglichen werden und es wird klar, wo das Problem der geschädigten Quelle liegt. Auf diese Weise werden geschädigte Quellen renaturiert. Neben der Renaturierung geschädigter Quellen ist insbesondere der Schutz noch intakter Quellbiotope anzustreben. Dies trifft auch auf bereits verfallene Quellfassungen zu. Problematisch für den Quellschutz ist, dass bereits viele Quellbiotope zerstört wurden. Naturnahe und stärker schüttende Quellen gleichen deshalb Inselbiotopen und liegen oft sehr weit auseinander. Der vorliegende Atlas soll einen Beitrag leisten, damit naturnahe Quellstrukturen wieder bewußt gemacht werden und das Netz dieser besonderen Fließgewässerbiotope wieder engmaschiger wird.
Kontakt zu Rückfragen: Holger Schindler Tel. 0631-2053805, holger@rhrk.uni.kl.de



Ausgewählte Literatur zum Thema Quellen:

  • BUND (1999): Quellen im Biosphärenreservat Pfälzerwald.- Broschüre des BUND (Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.), Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Biospärenreservat Naturpark Pfälzerwald, Mainz.
  • FIEDLER-WEIDMANN, B. & HAHN, H. J. (1996): Quellbiotopkartierung im Buntsand-steingebiet des Pfälzerwaldes.- Fachgutachten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz, Unveröffentlicht.
  • GESELLSCHAFT FÜR QUELLÖKOLOGIE UND QUELLSCHUTZ (HRSG) (1996): Crunoecia 5, Zeitschrift der Ges. f. Quellökologie und Quellschutz NRW. – Verlag Natur und Wissenschaft, Solingen.
  • HAHN, H. J. (2000): Studies on classifying of undisturbed springs in Southwestern Germany by macrobenthic communities.- Limnologica 30, 247-259.
  • HAHN, H. J., KOCH, T. & PAULUS, T. (1994): Rettet die Quellen. – Begleitkatalog zur Ausstellung „Rettet die Quellen“, BUND, Landesverband Rheinland-Pfalz e. V.
  • NIERYCHLO, J. (1989): Biogeographische Bewertung saarländischer Quellökosysteme. Typologisierungsmöglichkeiten der Quellen. Biologisch – ökologische Parameter. Diplomarbeit, Universität Saarbrücken.
  • PAULUS, T (1995): Rettet die Quellen. – BUND Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. Mainz.
  • SCHINDLER, H. & HAHN, H. J. (2000): Quellbiotopkartierung Rheinland-Pfalz.- Fachgutachten des Bund für Umwelt und Naturschutz, LV RP im Auftrag des Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz. Unveröffentlicht.
  • SCHINDLER, H. (2000): Die Quellen im Pfälzerwald und ihre tierische Besiedlung – eine Übersicht. In: Wasser im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald – Ergebnisse der interdisziplinären Fachtagung vom 10. bis 12. Juni 1999 an der Universität in Landau, 100-114, Landau.
  • SELGERT, B. (1997): Immer schön nass – Leben in der Quelle. – Arbeitsmappe Quellschutz für die Grundschule, BUND Landesverband Rheinland – Pfalz e. V.
  • SELGERT, B. & HAHN, H. J. (1999): Quellen im Pfälzerwald, Broschüre. – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, LV RP e. V., Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland – Pfalz, Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald, Mainz.
  • THIENEMANN, A. (1924): Hydrobiologische Untersuchungen an Quellen. - Archiv für Hydrobiologie 14, 151 – 190.
  • ZOLLHÖFER, J. (1997): Quellen – die unbekannten Biotope: erfassen, bewerten, schützen.- Bristol-Stiftung, Bristol-Schriftenreihe Band 6, Zürich.



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