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Die Quelle und der Quellschutz

Die Quelle - Sinnbild der Lebendigkeit, Ursprünglichkeit, Reinheit und Lebensfrische. In der Kulturgeschichte als heilige Orte und Kultstätten bildeten Quellen einst die Kernpunkte menschlicher Siedlungstätigkeit – gleichzeitig sind sie schon lange die am stärksten gefährdeten Lebensräume unserer Umwelt


Die Sturzquelle - ästhetischster und bekanntester Quelltyp. Foto: H. Reinhard

Quellschutzkampagne: Aktion "Rettet die Quellen"

Die größte Gefährdung für die Quellen als besondere Biotope geht von der Unwissenheit und der Unkenntnis um ihre Verletzlichkeit aus. Um das Wissen über diesen fragilen einzigartigen Lebensraum zu erweitern und ein Forum für den Quellschutz zu bieten, startete der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz 1993 mit der  Kampagne „Rettet die Quellen“ ein Langzeitprojekt mit dem Ziel: “Wissenschaftliche Daten zu sammeln, diese aufzubereiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dadurch soll das Problem der Quellzerstörung ins öffentliche Bewusstsein gerückt und konkrete Maßnahmen zum Quellschutz initiiert werden“.

Als Endziel der Aktion sollte der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher und naturnaher Quellbiotope angestrebt werden. Dies implizierte den Schutz der natürlichen Wasservorräte des Bundeslandes.

Ein wichtiger Aspekt war das „positive“ Konzept, das Schöne und Schützenswerte der Quellen in den Vordergrund zu stellen um damit die Menschen zu motivieren.


"Rettet die Quellen" UrFlyer 1994 - Archiv des BUND Landesverbandes Rheinland-Pfalz


Quellen in Not - Renaturierung notwendig


Endstation (?) Quelle Foto: H. Schindler

Gesetze allein schützen nicht!

Quellen haben zwar nach §30 Bundesnaturschutzgesetzes
und §24 Landespflegegesetzes Rheinland-Pfalz den Status geschützter Biotope. Dennoch werden sie überbaut, verfüllt, zur Müllkippe oder Fischteichen umfunktioniert, durch Versauerung vergiftet oder in das Korsett einer steinenen Quellfassung gepreßt.

Kurzer geschichtlicher Rückblick

In den 80er Jahren wurde der Fließgewässerschutz durch eine erfolgreiche Kampagne des BUND „Rettet die Bäche“ ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Bachpatenschaften waren die positive praktische Auswirkung. Fließgewässerschutz hieß: Verbesserung der Wasserqualität, Schutz und Renaturierung von Bach und Aue sowie die naturnahe Umgestaltung des Einzugsgebietes (siehe „Aktion Blau“).

Der Quellschutz stand damals noch ganz am Anfang, da Quellen nur als unbedeutende Anhängsel der Fließgewässer betrachtet wurden und es kaum Datenerhebungen gab. Der 1986 gegründete Arbeitskreis Quellschutz am NZ NRW („ Vom Leben im saubersten Wasser“ und „Quellen- Naturschutz von Anfang an“, Umweltzentrum Hagen) und die 1993 daraus hervorgangene GfQ (Gesellschaft für Quellökologie und Quellschutz) wurde zum Katalysator für eine Reihe von Quellschutzprojekten. Das bundesweit umfassendste dieser Projekte war eben die Aktion „ Rettet die Quellen“ des BUND Rheinland-Pfalz.

Nostalgisch und Topaktuell

Was Ende 1993 mit der Projektidee (AK mit H. Schlapkohl, H.J. Hahn, T. Paulus und H. Zimmer BUND Rheinland-Pfalz), einer Präsentationsmappe und wohlwollenden, die Nachhaltigkeit und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands im Auge behaltenden Kooperationspartnern und Förderern (Deutsche Umwelthilfe, Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz im Rahmen der „Aktion Blau“ mit Landeszentrale für Umweltbildung Umdenken und Landesamt für Wasserwirtschaft) begann, findet, als wichtiger Meilenstein, im „Quelltypenatlas“ (Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz, BUND Rheinland-Pfalz, H. Schindler und W. Frey; 2002) seinen momentanen Höhepunkt.

Das Quellschutzprojekt wird mit einem öffentlichkeitswirksamen Leitfaden Qellschutz inkl. Maßnahmenvorschlägen und internetgestützten Bewertungs-
verfahren weitergeführt (noch nicht veröffentlicht; siehe in „10 Jahre Aktion Blau“- Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz, MUF Rheinland-Pfalz; 2005).


Die vier tragenden Säulen der Aktion "Rettet die Quellen"

Wanderausstellung


U. Mohr (BUND) eröffnet am 3.2.1995 mit der damaligen Ministerin für Umwelt und Forsten K. Martini feierlich die Ausstellung. Foto: W. Stutterich

Auf 13 Stellwänden und einem Begleitkatalog informiert die Wanderausstellung "Rettet die Quellen" seit der feierlichen Eröffnung 1995 in Mainz über die Grundlagen der Biologie und Ökologie der Quellen, ihre Gefährdung, Pflege und Schutz- möglichkeiten. Die ästhetisch schöne, aussagekräftige und sehr ansprechende Darstellung zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Quellen schützenswert sind. Eine enorme Resonanz in der Öffentlichkeit, seitens der BUND-Gruppen, auch bei vielen Kreis- und Ortsverwal-
tungen und Schulen bei Gestaltung von Umwelttagen bewirkt bis heute lange Reservierungs- und Ausleihzeiten.

Quellschutzbuch


In diesem Informationsbuch mit vielen fantastischen Fotos und Fachtexten über die Biologie des Ökosystems Quelle und die einzigartige Fauna und Flora stellte 1995 BUND Rheinland-Pfalz, Dr.T. Paulus und Dr. H.J. Hahn ihre Ideen, Vorschläge und Aktionen zum Schutz der Quellen vor.

Eine schöne ausführliche "Einführung in die Typologie, Ökologie und Morphologie der Quellen sowie ihrer einzigartigen und besonders bedrohten Lebensgemeinschaften" - eine "Muss-Lektüre" für Alle Interessierten!

Umweltpädagogischer Baustein


Quellschutzarbeitsmappe für die Grundschulen

Da das Interesse der Kinder auf den "Rettet die Quellen"-Veranstaltungen sehr groß war, wurde 1997 diese Quellschutzarbeitsmappe für die Grundschule "Immer schön nass - Leben in der Quelle" vom BUND Rheinland-Pfalz erarbeitet. Ihr Ziel ist es, die Schüler am Beispiel des Lebensraums Quelle zu gewissenhaften Umgang mit ihrer Umwelt zu motivieren. Die Arbeitsmappe enthält neben Sachinformationen über Ökosystem Quelle für die LehrerInnen umfangreiches Material für SchülerInnen wie Arbeitsblätter, ein kleines Theaterstück, Lieder, Gedichte, Geschichten, Spiele und Zeichnungen.

Die Kinder gewinnen einen ersten Einblick in das Phänomen Wasser, den Lebensraum Quelle und in die Biologie einiger charakteristischen Tier-u. Pflanzenarten und erfahren auf spielerische Art, dass der Fortbestand dieser Arten meist auf die Existenz naturnaher Quellen angewiesen ist. Das fragile Biotop Quelle eignet sich gut, um eine ganzheitliche Sicht des Umwelt -schutzes darzustellen. Die SchülerInnen lernen, welche Auswirkungen ihr Handeln auf Quellen als gefährdete Lebensräume haben kann.

Quellkartierung: zuerst als Pilotprojekt, dann landesweit


Broschüre über alarmierende Auswirkungen von Versauerung und Strukturveränderungen an den Quellen

Seit 1995 führte BUND parallel zu den Ausstellungen, Diavorträgen, Seminaren und Fachtagungen ein Pilotprojekt durch, eine vom Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz geförderte wissenschaftliche Quellkatierung im Biosphärenreservat Pfälzerwald ("Quellbiotopkartierung im Buntsand-steingebiet des Pfälzerwaldes ", Fiedler-Weidmann & Hahn, 1996). Die alarmierenden Ergebnisse der Kartierung sind dann der breiteren Öffentlichkeit in der Broschüre sehr gut und leicht verständlich dargestellt worden. Daran schloss sich ein wissenschaftliches Folgeprojekt mit einer landesweiten Quellbiotop-kartierung an ("Quellbiotopkartierung Rheinland-Pfalz - Abschlussbericht", Schindler & Hahn, 2000).

Quelltypisierung


Zusammenstellung von Referenzquellen

In diesem Atlas sind mit einer systematischen morphologischen Typisierung charakteristische Referenzquellen ausgearbeitet und zusammengestellt worden. Wir erfahren, welche Quelltypen voneinander unterschieden werden können und wo diese sich in Rheinland-Pfalz in einem naturnahen Zustand befinden.
Dieser Quelltypenatlas ist der erste seiner Art in Deutschland.
Erst mit der Entwicklung regionaler Leitbilder und der Erarbeitung von Bewertungsverfahren kann die Umsetzung von Quellschutzmaß-
nahmen verstärkt erfolgen wie bei den Renaturierungsaktionen im Rahmen der "Aktion Blau - Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz".

Zukunftsvision Quellpate - bald Realität ?

Mit guten Beispielen voran !

Die Phase der praktischen Umsetzung der Erkenntnisse der Quellschutzkampagne als Renaturierung und Erhaltung von Quellen hat begonnen. Als gute Beispiele für angewandten praktischen Naturschutz im Sinne der Aktion „Rettet die Quellen“ wird auf folgende Aktivitäten hingewiesen:

  • Bereits 1995 wurde durch Kooperation der BUND Kreisgruppe Altenkirchen mit der dortigen Kreisverwaltung ein Quellschutzlehrpfad eingerichtet und seit dieser Zeit gepflegt. Das Anliegen ist eine Langzeitbeobachtung von ungestörten Quellen und Schulungen von Quell-Interessierten oder beruflich angesprochenen (wie Schulung der Förster im Kreis um mehr Verständnis für Quellschutz im Forst zu erreichen).
  • Die Verbandsgemeinde Dahner Felsenland führt das Pilotprojekt zur umweltgerechten Entwicklung von Quellen auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde durch. Seit 2003 ermöglicht die Kooperation von BUND Rheinland-Pfalz, dem Land Rheinland-Pfalz, der Daniel-Theysohn-Stiftung und dem Institut für Regionale Umweltforschung und Umweltbildung an der Universität Landau/Koblenz dieses bundesweit einmalige Projekt. Aus den Ergebnissen resultiert die aktuelle Aktion „Quellpaten gesucht“. Da die Hälfte aller Dahner Quellen geschädigt sind, wird mit Quellpatenschaften die „Erste Hilfe“ für die Erhaltung und Renaturierung versucht.


Ob Quellmoos, Quellmiere, Quellschnecke, Feuersalamander mit Larve, Steinfliegenlarve, Köcherfliegenlarve, Libelle Quelljungfer oder Strudelwurm - Alle brauchen Biotop Quelle zum Überleben

Wissenswertes über Quellen kurzgefasst

Quellen als besondere Biotope

Definitionsgemäß (DIN 4049) sind Quellen natürliche räumlich eng begrenzter Grundwasseraustritte an der Erdoberfläche d.h. eine wichtige Schnittstelle zwischen Grundwasser und oberirdischen Fließgewässern wie Bäche und Flüsse. Als Anfang der Fließgewässer sind sie mitbestimmend für deren Reinheit und somit für die Qualität unseres Trinkwassers. Als zentrale Bestandteile des Wasserkreislaufs sind sie von einer intakten Umwelt abhängig. Alle Belastungen und Verschmutzungen, denen das Wasser auf seinem Zyklus durch die Biosphäre ausgesetzt ist, treten in den Quellen wieder zum Vorschein. Quellen sind Spiegelbilder unserer Umwelt, ein Indikator für den ökologischen Zustand einer Landschaft. Aber auch viel mehr als bloße Wasserspender und von besonderer Bedeutung: sie stellen Grenzlebensräume dar mit einer einzigartigen und speziell an die extremen Lebensbedingungen angepasste Tier- und Pflanzenwelt. Die wichtigsten Besonderheiten des Lebensraums Quelle:

  1. Kleinräumigkeit und gleichzeitige Komplexität. Quellen sind Schnittstellen von verschiedenartigen, aquatischen u. terrestrischen Lebensräumen; die Vielfalt der Substrate und Ausgangsmaterialien führt zu einem Mosaik kleiner und auf Umwelteinflüsse sehr sensibel reagierender Teillebensräume.
  2. Konstanz der Lebensbedingungen wie a) ganzjährig gleichbleibende Niedrigtemperatur von 6-8°C, da vom Grundwasser abhängig. Dadurch werden sie zu Rückzugsgebieten, sog. Refugialräumen für Arten die "früher" allgemein verbreitet waren und heute nur hier existieren können wie die Quellschnecke, eine typische Tierart der Eiszeit; ein Relikt, das unwiederbringlich vernichtet wird, wenn Quellen zerstört werden b) Sauerstoffarmut beim Wasseraustritt c) Nährstoffarmut, die bedingt, dass Quellbewohner auf "Stoffzufuhr" von Außen wie Falllaub oder tierische Abfallprodukte angewiesen sind.
  3. die Kleinräumigkeit der meisten Quellstandorte; sie liegen oft isoliert und kilometerweit von der Nachbarquelle entfernt. Alles dies bedingt, dass die extrem angepassten „Spezialisten-Arten „ isoliert und zahlenmäßig limitiert gegenüber kleinsten Störungen sehr empfindlich reagieren. Bereits geringfügige Umweltveränderungen können sich so negativ auf das Gleichgewicht des Quellökosystems auswirken, dass es zu vollständigen Verlust der typischen Quell-Flora und -Fauna führt. Die Isolation bietet nämlich einerseits eine Chance für die Evolution, erhöht anderseits gleichzeitig die Verletzlichkeit des Biotops. Ein genetischer Austausch zwischen den Populationen verschiedener Quellstandorte findet kaum statt. So existieren in vielen Quellen nur hier (endemische) vorkommende Populationen, aus denen sich im Laufe der Zeit neue Arten entwickeln könnten. Die Verinselung bedeutet auch, dass es nach einer Schädigung Jahre dauern kann, bis sich die quelltypischen Bewohner wieder eingestellt haben, bei endemischen Arten bedeutet es jedoch Ausrottung.

Einmal zerstörte Quellen lassen sich nur mit großem Aufwand wieder renaturieren! Leider sind in den letzten Jahren viele Quellen aus Unwissenheit, Gedankenlosigkeit, aber auch weil sie den Interessen der Menschen oder der Wirtschaft "im Wege standen" verschwunden, überbaut, trockengelegt, zur Fischteichen zweckentfremdet, verfüllt, als Müllkippe missbraucht, in steinerne Quellfassungen gezwungen worden. Das notwendige Wissenswerte über die Quellen der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, ansprechend und interessant zu gestalten war eine der Säulen der Aktion "Rettet die Quellen". Da meist nur das, was bekannt und wissenschaftlich erforscht ist, auch wirkungsvoll geschützt werden kann, musste eine flächendeckende wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme aller Quellbiotope mit einem Biotopkartierungsverfahren erfolgen (mittels Quellerfassungsbogen und wichtigen Messverfahren bezogen auf die örtlichen Standortbedingungen, die Geologie, die Oberflächenformen, die Böden, das Klima, die Wasserchemie, die pflanzliche u. tierische Besiedlung, Versauerungsgrad (durch den sauren Regen) sowie die Schädigungs- u. Gefährdungslage.

Die Hypothese einer naturraumtypischen Quellfauna wurde bestätigt: jede Quelle besitzt ihr eigenes „mikroökologisches“ Gesicht, das eben durch die örtlichen Standortbedingungen, die Geologie und das Klima charakterisiert ist und dadurch sehr anfällig gegenüber jeglichen Störungen und menschlichen Eingriffen reagiert. Die Zusammensetzung der Pflanzen- und Tiergemeinschaften der Quellen und der Quellbereiche der Wasseraustritte ist quelltypspezifisch. Jeder Quelle ist diesbezüglich einzigartig.
Je nach Unterscheidungskriterien klassifiziert man folgende Quelltypen: Sturz-, Sicker-, Tümpel-, Mineral-, Thermal-, Schwefel-, Karst-, Solequellen (nach Relief u. Strömungsenergie) oder Hochgebirgs-, Mittelgebirgs- und Flachlandquelle (nach geografischer Höhenlage) oder Wald- und Wiesenquelle ( Natürlichkeitsgrad), Hartwasser- und Weichwasserquelle (Karbonat- und Silikatquelle je nach Kalkgehalt).




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