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Wasserrahmenrichtlinie - Bewertende Darstellung der Bestandsaufnahme in Rheinland-Pfalz

15.05.05

1. Organisatorisches, Zuständigkeiten

Rheinland-Pfalz liegt vollständig in der Flussgebietseinheit Rhein. Diese Einheit ist unterteilt in 9 Bearbeitungsgebiete (Teileinzugsgebiete). Rheinland-Pfalz betreffen davon vor allem drei: Mittelrhein (Federführung: Hessen), Mosel/Saar (Federführung: Frankreich, in Deutschland: Rheinland-Pfalz), Oberrhein (Federführung: Frankreich, in Deutschland: Baden-Württemberg). Zuständig für die Umsetzung ist das Ministerium für Umwelt und Forsten, unterstützt durch das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht und die Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord (Mittelrhein und Mosel/Saar) und Süd (Oberrhein).

Zur Beratung der Behörden wurden zunächst auf Landesebene, seit Anfang 2005 (u.a. auf unseren Wunsch hin) auch auf der Ebene der drei Bearbeitungsgebiete pluralistisch zusammengesetzte Beiräte eingerichtet, die zwei bis drei mal im Jahr zusammenkommen. In diesen Beiräten erfolgt eine recht offene Information und Beratung der Umsetzungsschritte der WRRL. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit zwischen den Sitzungen Detailthemen mit Vertretern des MUF und des LUWG zu diskutieren und unsere (BUND und NABU) Vorstellungen vorzutragen.


2. Typisierung der Oberflächenwasserkörper (OWK)

Nach der Kategorisierung wurde die Typisierung der OWK vorgenommen. Von den 24 für Deutschland vorgegeben Typen wurden in Rheinland-Pfalz 9 Typen identifiziert. Wenn wir die von der LAWA bundesweit vorgegebenen Typen akzeptieren, gehen wir in Rheinland-Pfalz von einer korrekten Typisierung aus.

3. Abgrenzung der OWK

Es wurden bei den Fließgewässern 315 Wasserkörper und bei den (in Rheinland-Pfalz nicht sehr bedeutenden) Stehgewässern 12 Wasserkörper abgegrenzt. Die Flächengröße der OWK variiert zwischen 6 und 630 qkm, die mittlere Größe beträgt 70 qkm. Wir halten die vorgenommen Abgrenzungen im Grundsatz für korrekt, wenn auch im Einzelfall von uns bereits Korrekturen vorgeschlagen wurden. Aus Naturschutzsicht ist eine möglichst kleinräumige Abgrenzung zu bevorzugen, da sonst wichtige Unterschiede im Gewässercharakter vermischt werden und damit untergehen. Hessen grenzt nach unserer Erfahrung ähnlich ab, Baden-Württemberg und Frankreich dagegen sehr viel großzügiger (dort sind die OWK wesentlich größer). Bei dieser Abgrenzung haben die Länder offensichtlich Spielräume. Die Abgrenzung ist aber von großer Bedeutung auch für die Zukunft, da sie die Grundlage für das Gewässermonitoring und für die Bewirtschaftungspläne darstellt.

4. Ermittlung der Belastungen

Die Ermittlung der anthropogenen Belastungen, der punktuellen, wie der diffusen (aufgrund von ATKIS-Daten) ist - nicht nur zur Freude der Landwirte - u. E. korrekt vorgenommen worden.

5. Vorläufige Beurteilung der Erreichung der Umweltziele

5. 1. Vorläufige Beurteilung der Fließgewässer

In Rheinland-Pfalz wurden nur zwei Kategorien gemeldet: „Zielerreichung wahrscheinlich“, bzw. „unwahrscheinlich“, wobei einfach der durch Abschätzung ermittelte Stand von 2004 gemeldet und keine Abschätzung darüber vorgenommen wurde, wie die Situation in 2015 sein wird (letzteres geschah z.B. in Frankreich und Wallonien für Saar/Mosel). Diese Unterscheidung ist zur Interpretation der gemeldeten Kartenwerke sehr wichtig, da die Nomenklatur hier zu Missverständnissen führen kann.

Zur Methode der Beurteilung ist zu erwähnen, dass zusätzlich zu den seit vielen Jahren routinemäßig erfassten Komponenten Makrozoobenthos, chemische Güteklasse und Strukturgüte kurz vorher aus gegebenem Anlass noch für einen Teil der Gewässer auch die Fischfauna erfasst wurde. Dies ermöglichte Rheinland-Pfalz, bei der Uni Kaiserslautern einen Auftrag zur Gesamtabschätzung nach den Vorgaben der LAWA zu geben, der über die einfache Übertragung der bislang routinemäßig erfassten Komponenten hinausging. Es wurde sowohl eine gewichtete Verschneidung („Verschnichtung“) von allgemeinen Stoffen und Gewässerstrukturgüte mit Makrozoobenthos als auch mit den Fischen (soweit vorhanden) vorgenommen. Dessen ungeachtet ist dies doch nur eine Abschätzung, die inzwischen eigentlich schon „Geschichte“ ist, da in Zukunft das Monitoring (hoffentlich bald) nach standardisierten Verfahren durchgeführt wird.

Das Ergebnis war in den drei Bearbeitungsgebieten erwartungsgemäß sehr unterschiedlich, am Oberrhein besonders schlecht. Das Gesamtergebnis war eher etwas positiver, als wir erwartet hatten. 52 % (163) der betrachteten 315 OWK hätten nach dieser Abschätzung bereits den guten ökologischen Zustand erreicht, der Rest nicht. Die in manchen Bundesländern eingeführte Kategorie :“Zielerreichung unklar“ gibt es bei uns nicht, da bewusst eine (wenn auch nur vorläufige) Entscheidung herbeigeführt werden sollte. Die Ergebnisse sind (wenn auch nur mit Hilfe zusätzlicher Interpretationshilfen) für uns auch im Einzelfall nachvollziehbar, in der veröffentlichten Bestandssaufnahme befinden sich Tabellen mit jedem Wasserkörper.

Wichtig ist die Forderung, dass nun alle Gewässer einem operativen Monitoring unterworfen werden, nicht etwa nur die „negativ“ beurteilten. Dies wurde uns innerhalb und außerhalb der Beiratssitzungen vom MUF zugesagt, zumindest für ein (die vorläufige Bestandsaufnahme überprüfendes) „Erstmonitoring“; danach werden die mindestens gut beurteilten OWK nur noch dem „Übersichtsmonitoring“ unterworfen.

5.2 Erheblich veränderte Gewässer (HMWBs)

Die vorläufige Ausweisung von „Kandidaten“ für HMWBs erfolgte gemäß LAWA nach einem ganz anderen Verfahren als die ökologische Beurteilung. Die Ausweisung erfolgte nicht durch das Uni-Büro, sondern völlig getrennt davon durch Mitarbeiter des LUWG. Es wurden ausschließlich morphologische Gesichtspunkte berücksichtigt, also zunächst die Ergebnisse der (vorhandenen) Strukturgütekartierungen herangezogen. Dabei wurden die Stufen 6 plus 7 vollständig herangezogen, 5 nur zum Teil. Sodann wurden die spezifischen Nutzungen nach 8 Nutzergruppen analysiert und entsprechend berücksichtigt.

Das Ergebnis war, dass von den betrachteten 315 OWK 99 als erheblich verändert gekennzeichnet wurden. Dies betrifft nicht nur alle Bundeswasserstraßen, sondern auch viele Kleingewässer, vor allem fast alle Gewässer in der Vorderpfalz und in Rheinhessen. Hier ist die Intensivlandwirtschaft für die Ausweisung verantwortlich, die (angeblich?) eine Erreichung des guten ökologischen Zustands dieser Gewässer ausschließt. Eine Kuriosität ist die Ausweisung einiger zentraler OWK des Pfälzerwaldes (Hochspeyerbach, Oberer Speyerbach, Moosalbe, obere Lauter) als HMWBs; teilweise ist diesen Gewässern zugleich ein guter ökologischer Zustand attestiert worden. Obwohl hier die Nutzung in den Hintergrund tritt, hat allein der erhebliche alte Ausbau der Gewässer zur vorläufigen Ausweisung geführt. Als Begründung wurden kulturhistorische Aspekte angeführt. Dies scheint uns nicht gerechtfertigt, da aus unserer Sicht hier kulturhistorische Aspekte überstrapaziert werden. Insgesamt hat die Regel, dass bei über 30% erheblichem Ausbau bereits der gesamte Wasserkörper als HMWB bezeichnet wird, wohl auch mit zu hohen Ausweisungen geführt.

Der hohe Anteil der als HMBW bezeichneten Gewässer ist unser Hauptkritikpunkt an der vorläufigen Bestandsaufnahme von Rheinland-Pfalz. Wir erwarten von dem nun folgenden Ausweisungstest eine Reduzierung des Anteils dieser Gewässer und werden uns dabei weiterhin deutlich einbringen.

6. Grundwasser

Die Grundwasserkörper wurden recht großräumig abgegrenzt. Dadurch wurden teilweise unterschiedliche Verhältnisse nivelliert. So wurde die Mittelmosel mit immer noch stark überhöhten Nitratwerten als „nicht gefährdet“ eingestuft, nur weil der Grundwasserkörper Nr. 70 nicht nur die Mittelmosel, sondern auch große Flächen des unbelasteten Hunsrücks umfasst. Bei der Darstellung der Belastungen wird deutlich, das die Intensivlandwirtschaften des Bitburger Landes, des Maifeldes, des Neuwieder Beckens, Rheinhessens und der Vorderpfalz zu einer erheblichen Verschmutzung durch „diffuse Quellen“ führen, wobei die Nitratbelastung im Vordergrund steht. Dies schlägt sich dann auch in der Gesamtbeurteilung nieder, derzufolge die Grundwasserkörper auf 38% der Landesfläche derzeit das Güteziel nicht erreichen.

Die mengenmäßige Abschätzung ist aus unserer Sicht zu optimistisch. Wir sehen im Gegen-satz zur Bestandsaufnahme bereits negative Auswirkungen durch Grundwasserentnahmen in Gebieten, die positiv beurteilt wurden, z. B. im Pfälzerwald. Auch zeigen die Uferfiltratentnahme in Rheinhessen und die Vorderpfalzberegnung hier eher eine angespannte Lage an.


7. Grundwasserabhängige Landökosysteme

Die Ergebnisse werden in Hinblick auf einige Gebiete (z. B. Bienwald, Pfälzerwald) von uns kritisch gesehen und bedürfen einer Überprüfung. Die kleine Tabelle der möglicherweise gefährdeten Gebiete erscheint eher durch zufällige Kenntnis entstanden und müsste ergänzt werden.

Dr. Heinz Schlapkohl




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