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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

BUND fordert konsequente Energiewende - Deutliche Verbrauchssenkung muss Ausbau Erneuerbarer begleiten – aktualisiertes Szenario vorgestellt

25. Januar 2018 | Energiewende, Klimawandel, Mobilität, Nachhaltigkeit, Suffizienz

Bei der Vorstellung seines „Neuen Fahrplan Energiewende Rheinland-Pfalz“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. die sparsame Verwendung von Energie als Grundvoraussetzung für das Gelingen der Energiewende bezeichnet. „Wenn wir in den nächsten drei Jahrzehnten es nicht schaffen, unseren extrem hohen Energieverbrauch in etwa zu halbieren, wird ein naturverträglicher Ausbau der erneuerbaren Energiequellen kaum gelingen“, stellte der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Carl fest. „Wenn die Energieverbräuche im Strom- und Wärmebereich nicht deutlich sinken, werden zu viele Erneuerbare-Energie-Anlagen gebraucht“, ergänzt Carl, der auch Sprecher des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz ist. „Dies ist dann nicht mehr ohne große Eingriffe in die Natur möglich“.

Diese These stützt auch der Landesvorsitzende des BUND, Dr. Holger Schindler, der in seinem Vorwort schreibt, „dass im Klimaschutz immer weniger Zeit bleibt, die gesteckten Ziele für einen möglichst geringen Temperaturanstieg zu erreichen.“ Die Einhaltung des Klimavertrags von Paris ist für den BUND unabdingbare Basis für eine zukunftsfähige Energiepolitik. Schließlich sind die beschlossenen 1,5 bis zwei Grad von Paris in Rheinland-Pfalz mit einer Steigerung der Durchschnittstemperatur von 1,5 Grad seit Beginn der Messungen im Jahr 1881 nahezu erreicht. Die wachsweichen Formulierungen des Sondierungspapiers zwischen CDU/CSU und SPD mit der Quasi-Aufgabe des Klimaziels für 2020 (minus 40 % bei CO2 seit 1990) zeigen zudem die geringe Bedeutung auf, die eine konsequente Klimapolitik in einer neuen großen Koalition haben dürfte.

Neben deutlichen Bemühungen bei der Senkung des Energiebedarfs fordert der BUND nicht nur einen Ausbau der Windenergie in der Größenordnung der letzten Jahre (etwa 70 neue Anlagen pro Jahr oder entsprechendes Repowering), sondern auch einen Ausbau der Photovoltaik, wie er in den besten Jahren erfolgte (460 MW pro Jahr). „Auch die etwas in Vergessenheit geratenen Sonnenkollektoren zur Erzeugung heißen Brauch- oder Heizungswassers müssten auf jedes geeignete Dach, da die Wärmewende viel schlechter läuft als die Stromwende“ erläutert Michael Carl, der das Szenario federführend bearbeitet hat. „Deshalb brauchen wir jährlich etliche tausend neue Solaranlagen auf Dächern und anderen versiegelten Flächen.“

Große Bedeutung wird nach dem BUND-Szenario auch der Sektorenkopplung zukommen. Darunter ist die Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr zu verstehen. Hierzu gehören die relativ neuen Stromanwendungen im Wärme- und Verkehrsbereich, namentlich die Wärmepumpe und das Elektroauto. Effizienzsteigerungen sind in beiden Fällen Grundvoraussetzung. „Wärmepumpen, die mit teurem Strom nur wenig Wärme erzeugen, müssen ebenso der Vergangenheit angehören wie Autos, die 10 Liter Kraftstoff und mehr verbrauchen. Gerade im Verkehrsbereich muss der Verbrauch durch Verkehrsvermeidung und verbrauchsarme elektrisch angetriebene Fahrzeuge sehr deutlich sinken“, erläutert Michael Carl.

Zum Bereich Biomasse ergänzt Holger Schindler: „Beim Einsatz von Biomasse ist eine gewisse Holznutzung sowie die energetische Verarbeitung von Reststoffen im Szenario enthalten; beim Energiepflanzenanbau soll hingegen keine Flächenkonkurrenz zum ökologischen Landbau aufgebaut werden.“

Um wieder Dynamik in den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu bringen muss die Bundespolitik die Rahmenbedingungen deutlich verbessern. Dazu gehören vor allem die Aufhebung des Deckels beim Ausbau der Phototvoltaik und der Windkraft sowie eine grundlegende Überarbeitung der aktuellen EEG-Auschreibungsverfahren. Für Rheinland-Pfalz ist zu befürchten, dass bei dessen Beibehaltung ab 2020 fast keine Windkraftanlagen mehr errichtet werden. Wichtig wäre eine Aufhebung der EEG-Umlage bei der Eigenstromerzeugung und einer Vereinfachung der Regeln beim Mieterstrom. Nicht vergessen werden darf ein schneller zeitlich klar geregelter Kohleausstieg, der die Grundlage für eine Energiewende ist.

Von Landes- und Bundesregierung erwartet der BUND außerdem mehr Mut bei unpopulären Energiesparmaßen zu zeigen, etwa durch klare Vorgaben für die energetische Sanierung von Gebäuden.

Für Rückfragen:
Sabine Yacoub, 06131-62706-0 oder 0174-9971892
Michael Carl, 02620-8416
Michael Ullrich, 06131-62706-22

Der Fahrplan kann unter www.bund-rlp.de/fahrplan als PDF-Datei (5,3 MB) heruntergeladen werden.  

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