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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Grünbrücken an der B10

13. April 2005 | Mobilität, Luchs, Wildkatze

Grünbrücken für Luchs und Wildkatze entlang der Bundesstraße B10 im Pfälzerwald

Gemeinsame Stellungnahme der Naturschutzverbände BUND, GNOR, NABU, NaturFreunde, NVS und POLLICHIA

Die bestehende Zerschneidung des Pfälzerwaldes durch die Bundesstraße B10 – von Pirmasens bis nach Hinterweidenthal vierspurig im Bau, danach dreispurig bis Landau - muss dringend gemildert werden. Der Zerschneidungseffekt durch die B10 ist u. a. deshalb besonders fatal, weil Grünbrücken weitestgehend fehlen, die Straße überwiegend in der Talsohle verläuft und sich dadurch für die Wildtiere wenig Möglichkeiten ergeben, die Straße unter Brücken hindurch zu queren.

Bereits vor dem Ausbau der B 10 war bekannt, dass die Auswirkungen der Zerschneidung der Landschaft gravierend sind. Durch den Ausbau der Bundesstraße zur Anbindung des Raumes Pirmasens an die Rheinschiene hat sich das Problem noch weiter verschärft. Neuere tierökologische Untersuchungen bestätigen und unterstreichen, dass sich der Zerschneidungseffekt auf verschiedene Tierarten, insbesondere Säugetiere, Reptilien und Amphibien, negativ auswirkt. Im Extremfall führt dies zur Vernichtung ganzer Populationen. Aus diesem Grund werden heute vielerorts in schutzwürdigen Gebieten Grünbrücken geplant und gebaut. Im Pfälzerwald erfolgten bisher noch keine solche Maßnahmen zur Minderung der Naturzerstörung.

Dabei ist der Pfälzerwald ein Schutzgebiet von europaweiter Bedeutung. Für die Sicherung der Wildkatzenpopulation, eine nach Anhang IV der FFH-Richtlinie europaweit geschützte Art, sind Grünbrücken unerlässlich. Zuletzt wurde im Januar 2005 bei Wilgartswiesen eine Wildkatze auf der B10 überfahren. Kurz davor wurde eine Wildkatze bei Birkweiler auf der B10 tödlich erfasst.
Auch der ebenfalls europaweit geschützte Luchs, der in den Nordvogesen wiederangesiedelt wurde und der im Pfälzerwald mit Einzelindividuen vorkommt, ist von der Barrierewirkung der B10 stark betroffen. Nicht zuletzt sind auch das übrige Wild, Kleinsäuger, Amphibien und Reptilien auf die Nord-Süd-Durchgängigkeit des Pfälzerwaldes angewiesen.

Das Bundesamt für Naturschutz ist in einer überregional angelegten Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass der Pfälzerwald ein auf europäischer Ebene bedeutender Wanderkorridor für Wildtierarten ist. Dem ist Rechnung zu tragen, auch wenn dies in der Vergangenheit versäumt wurde.

Aus tierökologischer und naturschutzfachlicher Sicht wären entlang der B10 im Pfälzerwald Grünbrücken im Abstand von maximal 2 km anzustreben. Nach heutigem Kenntnisstand erfüllen Grünbrücken von 50 bis 80 m Breite ihre Funktion ausreichend. Fahrwege auf Grünbrücken schränken deren Funktion sehr ein und sind nicht zu akzeptieren, dagegen können in Einzelfällen Wanderwege auf Grünbrücken die Straße queren.

Die Naturschutzverbände GNOR, NABU, NaturFreunde, NVS und POLLICHIA betonen, dass mit der gemeinsamen Forderung nach Grünbrücken im Bereich bestehender und planfestgestellter Ausbauabschnitte in keiner Weise eine Zustimmung zum weiteren Ausbau B10 erfolgt!

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