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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Straßburger Umfahrungsprojekt

04. November 2004 | Mobilität

Gemeinsame Presseerklärung von Alsace Nature, Verkehrs-Club der Schweiz und BUND Rheinland-Pfalz

Straßburger Umfahrungsprojekt klassisches Beispiel für verfehlte Verkehrspolitik

Weiträumige Ortsumgehungen keine echte Entlastung

Unter breitester Unterstützung der Repräsentanten aller politischen Richtungen sowie der örtlichen Landwirtschaft demonstriert der französische Naturschutzverband Alsace Nature am Samstag, dem 06. November, in Kolbsheim um 13.30 (soziokultureller Saal Kolbsheim) gegen das große Umgehungsprojekt für Straßburg (Grand Contournement Ouest de Strasbourg).

Die seit einiger Zeit in einem grenzüberschreitenden Organisationsbündnis zusammenarbeitenden deutschen Landesverbände BUND Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) sowie Alsace Nature im Elsass sehen in dem umstrittenen Straßburger Straßenverkehrsprojekt ein klassisches Beispiel für die überall in den Großstädten Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz auftretenden weitgehend identischen Verkehrsprobleme.
Lösbar seien diese Probleme nach Ansicht der Verbände nicht durch immer mehr Straßenbau, sondern durch den Ausbau und die Weiterentwicklung öffentlicher Verkehrsmittel. Nur ca. 5 Prozent aller Umfahrungen haben nach neuesten Erhebungen eine sehr hohe Entlastungswirkung für den innerstädtischen Verkehr. Für Rheinland-Pfalz brächte die Umsetzung des Straßburger Projektes einen enormen Verkehrsdruck auf die Südpfalz und das Naturschutzgroßprojekt Bienwald durch einen gewaltig anschwellenden Gütertransitverkehr.

In der Schweiz, in Deutschland sowie in Frankreich, gibt es zahlreiche Beispiele für die Umsetzung fragwürdiger Verkehrsprojekte. Die vorgebrachten Argumente sind überall ähnlich: der Ausbau des Verkehrsnetzes diene der Entlastung bestehender Straßen und erleichtere den Zugang zu Stadt- und Industriegebieten. So entstehen keine nachhaltigen Lösungen. Studien haben gezeigt, dass bis zum Jahre 2020 die Anzahl der Autos pro Haushalt um 20% steigen wird. Es heißt, in zehn Jahren müssen wir neue Straßen bauen, um neue Verstopfungen zu vermeiden.


In Deutschland

Auch auf der deutschen Rheinseite werden Ortsumfahrungen in aller Regel als Allheilmittel gegen den wachsenden Straßenverkehr angesehen. Doch statt der erwarteten Entlastung erzeugen Ortsumfahrungen vielfach nur noch mehr Verkehr. Dies ergibt sich aus einer auf sieben Beispielkommunen in Baden-Württemberg gründenden Untersuchung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Nach dieser Studie, die den Zeitraum von 1980 bis 2000 erfasst, ergab sich für Ortsdurchfahrten, bei denen auf eine Umfahrung verzichtet wurde, eine Verkehrszunahme zwischen 20 und 40 Prozent; bei Ortsumfahrungen hingegen hat die Steigerung zwischen 60 und 100 Prozent betragen.

Der BUND weist ebenfalls auf eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums hin, wonach zwei von drei der im Bundesverkehrswegeplan 2003 verzeichneten Ortsumfahrungen im Südwesten innerörtlich kaum eine Entlastung bringen werden. Der BUND fordert deshalb ein neues, umweltorientiertes Planungssystem und ein umweltverträgliches Leitbild für den Stadtverkehr. Aus Sicht des BUND können Ortsumfahrungen nur in Einzelfällen und bei strengen Standards eine umweltverträgliche Lösung sein. Etwa dann, wenn die Entlastung innerorts tatsächlich spürbar ist - also mindestens der Verkehr um 50 Prozent reduziert werden kann. Dies aber müsse verknüpft sein mit gleichzeitigen Verkehrsberuhigungs- und Rückbaumaßnahmen an den Ortsdurchfahrten und alternativen Verkehrsangeboten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

In der Schweiz

40% des Güterverkehrs werden auf der Schiene abgewickelt. Öffentlicher Transport, Kombination verschiedener Verkehrsmittel, Tarifvergünstigungen, Koordinierung des Taktverkehrs über weite Strecken zur Unterstützung von Berufspendlern: auch wenn die Schweiz immer wieder als Paradebeispiel hierfür dient, gibt es auch hier zahlreiche Projekte zum Bau von neuen Strassen.
Die Südumfahrung von Basel bedeutet einen beachtlichen Verlust an Naturflächen. Die an der deutsch-schweizerischen Grenze geplante zollfreie Strasse quert das letzte verbleibende Auengebiet der Wiese, das auch gleichzeitig einen sehr beliebten Naherholungsraum darstellt. Die Umweltorganisationen fordern eine Koordination von Verkehrs- und Siedlungspolitik sowie Naturschutz.

In Frankreich

Zu einer verstärkten Nutzung öffentlicher Transportmittel wurden im Elsass die verschiedenen Nahverkehrsdienste zeitlich aufeinander abgestimmt. Dadurch stieg die Benutzung Regionaler Züge in den letzten sechs Jahren um 40 Prozent, was eine Reduzierung von 11000 PKW pro Tag bewirkt hat. Diese Politik sollte aber auf regionaler Ebene zur Entlastung der Straßen, die die Vogesen mit der Oberrheinebene verbinden ausgebreitet werden.

Der Stadtkreis Straßburg (Communauté Urbaine de Strasbourg) hat sein öffentliches Verkehrs – und- Fahrradwegenetz ausgedehnt, seine Fußgängerzone erweitert und will am Bahnhof einen Verkehrsmittel-Knottenpunkt einrichten : eine Notwendigkeit wenn man die 200000 Fahrzeuge in Betracht nimmt die, auf die Umgehungsstrassen, pro Tag, gemessen worden.
Der Ausbau des Straßenbahnnetzes jedoch wurde mit Straßenausbauprojekten verbunden. Dies hat den Widerstand des regionalen Umweltverbandes Alsace Nature hervorgerufen. Bis jetzt nämlich ist noch keine überzeugende und konsequente Politik zur Eindämmung des innerstädtischen Autoverkehrs zu erkennen. 

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