Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Naturschutztage am Rhein - BUND fordert Kurswechsel!

06. August 2014 | Flüsse & Gewässer, Naturschutz

Memorandum vorgelegt: Mit Deichrückverlegungen und Auenwiedergewinnung den Naturschutz am Rhein voranbringen – Kritik an schleppender Umsetzung der Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) – Durchgängigkeit und Fischschutz verbessern!

Über 70 Naturschutzexperten aus Verbänden, Behörden, Wissenschaft und Politik haben am vergangenen Wochenende mit dem BUND im Rahmen der 1. Naturschutztage am Rhein in Königswinter erörtert, wie der Gewässer- und Naturschutz an Deutschlands größtem Strom vorangebracht werden kann.

Prof. Dr. Hubert Weiger, BUND-Bundesvorsitzender: „80 bis 90% der ehemaligen Überschwemmungsflächen, sind nicht mehr vom Rheinhochwasser erreichbar und die Reste der ursprünglichen Auen schwer geschädigt.“

Auch das Bundesamt für Naturschutz hat auf der Tagung bestätigt, dass großer Handlungsbedarf besteht, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben und unterstützt die Forderung nach einem Bundesprogramm „Blaues Band“ zur Renaturierung von Fließgewässern und Auen.  

Harry Neumann, Vorsitzender des BUND Landesverbandes Rheinland-Pfalz hierzu: „Es ist höchste Zeit, gerade am Rhein mit Deichrückverlegungen statt technischer Polder wieder Auenräume zuzulassen, z.B. an der Hördter Rheinaue oder in Bobenheim-Roxheim. Dies verbessert nicht nur den Hochwasserrückhalt, sondern auch Wasser- und Stoffhaushalt und eröffnet zahlreichen Arten wieder Lebensräume, die verloren gegangen sind.

Darüber hinaus müssen die zahlreichen Nebenflüsse wie Main, Mosel, Nahe, Lahn und Sieg in den Blick genommen werden. Auch hier muss eine deutliche Verbesserung der Durchgängigkeit und der Wasserqualität in Angriff genommen werden“.

Diese für den Natur- und Gewässerschutz dringend umzusetzenden Maßnahmen fordern die BUND Experten aus den Bundesländern am Rhein jetzt erneut und verstärkt ein, trotz teilweise ernüchternder Erfahrungen durch langjährige Kirchturmspolitik vor Ort.

Im Rahmen der Tagung wurde dargelegt, dass weitere 10000- bis über 20000 ha potenzieller Auenfläche am Rhein durch konsequente Deichrückverlegungen wiedergewonnen werden könnten.  Stattdessen liege jedoch weiter der Schwerpunkt der Maßnahmen bei zahlreichen technisch gesteuerten Poldern.

Unisono kritisierten die BUND Landesvorsitzenden am Rhein die politische Handlungsunwilligkeit der Bundesländer bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL). Sie fordern in ihrem Memorandum  mehr Fördermittel und vor allem eine bessere Personalausstattung der  Wasserwirtschafts- und Naturschutzverwaltungen. Diese sind in den letzten Jahren trotz zunehmender Aufgaben nahezu kaputt gespart wurden und drohen jetzt an der nationalen Aufgabe zu scheitern.

Neben einem verbesserten Biotopverbund am Rhein wurde v.a. die biologische Durchgängigkeit für Wanderfische des Rheins u.a. bei Straßburg, Gerstheim und Rhinau eingefordert und die kritische Situation der Nebengewässer des Rheins thematisiert. Hier müsse v.a. die Gefährdung wandernder Fischarten durch vorhandene kleine Wasserkraftanlagen beseitigt werden.

Paul Kröfges, BUND NRW Wasserexperte und Initiator der Naturschutztagung, stellt hierzu fest: „Der Lachs hat größte Probleme über das Flüsschen Sieg Rheinland Pfalz zu erreichen, da zahlreiche Querbauwerke und Wasserkraftwerke ihm hier entgegenstehen.“
Der BUND fordert deshalb konsequenterweise den Rückbau von störenden Anlagen in den sogenannten Vorranggewässern, also den Flüssen und Bächen, die besonders gut zur Wiederbesiedlung mit wandernden Fischarten geeignet sind. Klare Botschaft: Die Erhaltung natürlicher und naturnaher Fließgewässer hat Vorrang vor jeglicher Wasserkraftnutzung! 

„Insgesamt ist der BUND ist hochzufrieden mit seiner Premiere der ‚Naturschutztage am Rhein’ und der guten Resonanz. Mit über 70 Teilnehmern, qualitativ hochwertigen Vorträgen und konkreten Ergebnissen gab es einen hervorragenden Einstieg, der für eine Fortsetzung dieser länderübergreifenden Veranstaltung spricht“, betonte abschließend Harry Neumann.

Der BUND bedankt sich für die Unterstützung der Tagung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung in NRW, der Deutschen Naturschutzakademie und bei seinen Landesverbänden Nordrhein Westfalen, Hessen, Rheinland Pfalz  und Baden Württemberg 

Hinweis:
Anlässlich der Tagung wurde die lesenswerte und nachgefragte BUND - Broschüre „Wildnis am Rhein“ aktualisiert und nachgedruckt. Freiexemplare sind bei den Veranstaltern erhältlich. In Rheinland-Pfalz erhalten Sie die Studie in der Landesgeschäftsstelle. Bestellen Sie bitte unter info(at)bund-rlp.de oder 06131-62706-0. Die Studie steht auch als pdf in Kurz- und Langfassung zum Herunterladen bereit: www.bund-rlp.de/themen_projekte/wasser/hochwasserschutz_in_rheinland_pfalz/auen_statt_hochwasser/

Die Tagung und ihre Ergebnisse werden auf der Homepage www.naturschutztageamrhein.de veröffentlicht. Es ist auch ein Reader hierzu geplant.  

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb