Die Kleine Pechlibelle ist Libelle des Jahres 2022

16. Dezember 2021 | Gärten, Gefährdete Tiere und Pflanzen, Lebensräume, Naturschutz, Quellen und Bäche

Vorkommen auch in Rheinland-Pfalz

Bildautor: Michael Post

Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kürt die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) die Kleine Pechlibelle zur Libelle des Jahres 2022. In diesem Jahr ist eine Art ausgewählt worden, die zwar weit verbreitet, aber nirgends häufig ist. „Die kleine Pechlibelle ist auf sich verändernde Lebensräume angewiesen, wie wir sie in naturnahen Auen vorfinden. Der Klimawandel beschleunigt jedoch die Austrocknung kleinerer Gewässer immer stärker und zerstört so wertvollen Lebensraum. Die kleine Pechlibelle führt uns diese Krise immer wieder vor Augen“, begründen BUND und GdO ihre Entscheidung.

Die Libellenart macht es den Libellenkundlern nicht leicht. Klaus-Jürgen Conze, Biologe und Libellenkundler bei der GdO: „Die Kleine Pechlibelle ist eine Pionierart, die darauf spezialisiert ist, sich früh in jungen Gewässern anzusiedeln. Oft tritt sie unverhofft an neu angelegten oder frisch entstandenen Gewässern auf, ohne dass man weiß, wo sie hergekommen ist. Innerhalb weniger Jahre kann sie größere Populationen aufbauen, von denen aus Individuen dann in die Umgebung ausstreuen und das nächste Gewässer besiedeln.“

Auch in Rheinland-Pfalz kommt die kleine Pechlibelle vor. Sie steht in der roten Liste auf 3, gilt also als gefährdet. Experten gehen davon aus, dass sie wegen ihrer Lebensweise bei Kartierungen häufiger übersehen wird. Ihr Meldeschwerpunkt liegt vorwiegend im Vorderpfälzer Tiefland. Vereinzelte Meldungen kommen aus dem Pfälzerwald, der Deutschen Weinstraße, dem Gutland sowie dem Mittleren Moseltal bei Trier. Sie wurde außerdem im Pfälzisch-Saarländischen Muschelkalkgebiet, im Hunsrück, in der Eifel und in Rheinhessen nachgewiesen. Vor 1990 kam sie auch flächig im Westerwald vor, seitdem wurde sie aber nicht mehr gemeldet

Naturnahe Auen sind klassische Habitate der Kleinen Pechlibelle. In Hochwasserzeiten an Fließgewässern entstehen sehr regelmäßig geeignete Strukturen. Renaturierungen von größeren Bächen und Flüssen fördern das Vorkommen der Art. Weitere typische Lebensräume sind Abgrabungen oder Steinbrüche, wo im Betrieb Gewässerstrukturen immer wieder neu entstehen. Die sonnigen Kleingewässer weisen wenig Konkurrenz durch andere Arten auf. Der Klimawandel führt allerdings häufig dazu, dass kleine Gewässer sehr schnell und sogar zu rasch für Pionierarten wieder austrocknen oder verlanden. Die Förderung nachhaltig-dynamischer Prozesse in der Landschaft ist daher ein wichtiger Schutzansatz für diese Spezialisten.

Die Kleine Pechlibelle wechselt während ihrer Lebenszeit mehrfach ihr Aussehen. Vor allem die Weibchen sind unverkennbar durch ihre lebhaft orange Färbung. Die auffallende Farbe ist wichtig, damit die Männchen sofort erkennen können, mit wem sie sich paaren können. Libellen haben aufgrund ihrer speziellen Augen ein viel differenzierteres Farbensehen als Menschen, das ist aufgrund der vielen Farbrezeptoren in ihren Augen. Farben, die für uns Menschen einheitlich aussehen sind noch nuancierter für die kleinen Tiere. Sie kommunizieren untereinander auch auf diese Weise.

 

Weitere Informationen:

Wie der Name „Kleine Pechlibelle“ (Ischnura pumilio) vermuten lässt, gibt es tatsächlich auch noch eine „Große Pechlibelle“ (Ischnura elegans). Dieses Paar von Schwesterarten ist aber nur selten an der Größe auseinanderzuhalten, vielmehr gilt es genau nach den Unterscheidungsmerkmalen zu schauen, um die Arten exakt zu bestimmen. Die Lage einer „blauen Laterne“ (blau gezeichnete Körpersegmente am Ende des Hinterteils der Tiere) hilft hier weiter, man muss allerdings den Unterschied kennen und genau hinsehen. Da die Große Pechlibelle unsere häufigste Kleinlibelle ist, können sich wenige Individuen der kleinen Schwesterart mühelos in einem großen Bestand von Ischnura elegans „verstecken“, wenn man nicht aufmerksam ist. Durch die besondere Lebensweise der kleinen Pechlibelle gibt es immer noch Kenntnisdefizite, die es künftig zu erforschen gilt.

Fotos: https://www.bund.net/service/presse/pressebilder/aktionen/#c5292

Kontakt: Klaus-Jürgen Conze, GdO, Tel. 0171 5474519, kjc(at)loekplan.de, www.libellula.org   

BUND-Pressestelle:
Daniel Jahn | Judith Freund | Heye Jensen 
Tel. 030-27586-531 | -497 | -464 | E-Mail: presse(at)bund.net, www.bund.net

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