Geplante Atommüll-Zwischenlagerung in Biblis zu unsicher

21. April 2020 | Atomkraft, Energiewende, Umweltgifte

BUND Hessen geht gerichtlich gegen Castor-Transport und -Einlagerungen in Biblis vor. BUND Rheinland-Pfalz und mehrere Kreisgruppen beteiligen sich solidarisch.

Aufgrund von Sicherheitsmängeln besteht die Gefahr, dass Radioaktivität freigesetzt wird.  (Grafik: Niko Martin)

Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll, wenn es kein Endlager gibt? - Ein Konzept bis zu einer dauerhaft sicheren Lösung steht weiterhin aus. Trotz großer Sicherheitsbedenken hat das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) mit Sofortvollzug den Transport und die Einlagerung von 6 CASTOR®28 M-Atommüllbehältern genehmigt. Der BUND Hessen hat nun beim Verwaltungsgericht Darmstadt eine Aufhebung des Sofortvollzugs beantragt. 

Die Standortsuche des neu geschaffenen Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung steht noch am Anfang und wird Jahrzehnte dauern.  Bis dahin sollen weiterhin Zwischenlager die zunehmende Zahl von Castoren aus der französischen Aufbereitungsanlage La Hague oder dem britischen Sellafield aufnehmen. „Diese Zwischenlager sind alles andere als sichere Gebäude. Die Wände sind viel zu schwach und die Castoren könnten auch Probleme mit der Dichtheit haben. Bei einem etwaigen Absturz eines großen Flugzeuges droht eine radioaktive Verseuchung der ganzen Region. Hier muss erheblich nachgebessert werden. Und es darf kein Gramm Atommüll mehr produziert werden. Die restlichen Atomkraftwerke müssen alle vom Netz. Sie sind gefährlich und überflüssig “, so BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub. Bereits 2001 war am AKW  Biblis, ein  Zwischenlager für Castoren genehmigt worden. Schon damals hatte der BUND erhebliche Bedenken eingebracht, die jedoch abgewiesen wurden.

Aktuell spitzt sich die Gefahrenlage und auch die juristische Auseinandersetzung zu: Das ehemalige Bundesamt für kerntechnische Entsorgung BfE hatte im Dezember 2019 die Einlagerung von sieben Castoren genehmigt, allerdings für ganz andere Bautypen als jetzt geplant, nämlich V/19 statt nun Typ 28M. Der BUND Hessen geht deshalb gegen die Genehmigung und ihren Sofortvollzug vor, unter anderem weil die Dichtheit der Castorendeckel vom Typ 28M in Zweifel gezogen wird und eine Reparatur im Zwischenlager Biblis nicht möglich ist. In 26 Punkten werden in einem Schreiben an das Bundesamt die Bedenken gegen die Castoreinlagerung vorgetragen und insbesondere ein neues Genehmigungsverfahren mit Umwelt­verträglich­keitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung verlangt. „Wir haben in den Genehmigungsunterlagen erhebliche Unklarheiten und Widersprüche entdeckt, die dazu führen, dass die gesetzlich geforderte Vorsorge für größtmögliche Sicherheit nicht gegeben ist,“ erklärt Dr. Werner Neumann, Atomexperte des BUND Hessen.

Der BUND-Landesverband Rheinland-Pfalz unterstützt die juristischen Aktivitäten. Auch die Kreisgruppen Mainz-Bingen, Mainz und Koblenz beteiligen sich finanziell wegen ihrer besonderen Betroffenheit daran. Landesvorstandsmitglied Egbert Bialk aus Koblenz dazu: „Wir können bei solch vielen Unwägbarkeiten keine Eilbedürftigkeit von Castortransporten nach Biblis erkennen, die ja auch risikoreich sind und durch unser Land rollen sollen. Ich habe den Eindruck, dass im Schatten der Corona-Krise das Thema schnell durchgedrückt werden soll. Das machen wir nicht mit.“

Weitere Informationen

Pressemitteilung und weiterführende Dokumente beim BUND Hessen.

Für Rückfragen

BUND Rheinland-Pfalz:

Egbert Bialk, 0261-94 24 96 38
Sabine Yacoub, 0174-99 71 892

BUND Hessen:

Dr. Werner Neumann,  0172 - 66 73 815

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