BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Hochwasserrückhalt am Rhein zwanzig Jahre im Verzug - BUND fordert Auenrevitalisierung zum Schutz vor gefluteten Städten

03. Juni 2013 | Flüsse & Gewässer, Naturschutz

Im Gegensatz zu vielen anderen Flüssen in Deutschland scheint für die Anwohner des Rheins das aktuelle Hochwasser glimpflich zu verlaufen. Das nächste Hochwasser im Rhein könnte aber ein „Extremhochwasser“ sein.

Mainz, Stuttgart, Düsseldorf, Wiesbaden: Die rheinanliegenden BUND-Landesverbände fordern zur Reduzierung der Hochwassergefahr am Rhein die großflächige Reaktivierung von Auen. Die BUND-Landesverbände mahnen an, endlich die Gebote zum naturnahen Hochwasserrückhalt in der EG-Wasserrahmenrichtlinie sowie in der EG-Hochwasserrisikomanagementrichtlinie umzusetzen. Noch in den 1990er Jahren hatten die Behörden weitgehende Pläne zum Hochwasserrückhalt in revitalisierten Auen erarbeiten lassen. Auf mehr als 10.000 Hektar Fläche in Nordbaden, Südhessen und Rheinland-Pfalz wollte man das Rheinhochwasser gefahrlos in die Aue ausufern lassen. Die Politik hat die damaligen Pläne leichtfertig in den Schubladen verschwinden lassen. Die Folge: Der aktuelle Statusbericht der Internationalen Rheinschutzkommission für den Hochwasserschutz am Rhein muss eingestehen, dass in den letzten sechs Jahren kein bedeutsamer Fortschritt bei der Minderung der Hochwassergefahr am Rhein zu registrieren ist. Dabei stehen die in den 90er Jahren für die Revitalisierung der Rheinauen vorgesehen Flächen auch heute noch zur Verfügung. „10.000 Hektar neu angelegte Auen wären ein wesentlicher Beitrag, um den fortschreitenden Rückgang  der Artenvielfalt entlang des Rheins ins Positive zu drehen“, betont Harry Neumann, Vorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz.

Der Hochwasserrückhalt am Rhein ist zwanzig Jahre im Verzug

Glücklicherweise scheint sich das derzeitige Rheinhochwasser nicht zu einem Extremereignis auszuwachsen. Denn für ein Extremhochwasser sind die rheinanliegenden Bundesländer immer noch schlecht gewappnet: „Die bislang vorhandenen Hochwasserpolder am Oberrhein und die Deiche unterhalb von Iffezheim bewältigen nur ein Hochwasser, das statistisch gesehen ein Mal in 150 Jahren vorkommt. Ausbauziel ist ein 220-jährliches Hochwasser. Bei einem „Extremhochwasser“ - ähnlich wie in der Elbe im Sommer 2002 - würde es entlang des Rheins zu Deichbrüchen mit enormen Schäden kommen“, so die Voraussage von Dr. Heinz Schlapkohl, Sprecher des Arbeitskreises Wasser im BUND Rheinland-Pfalz.

Dass sich die Gefahr von katastrophalen Hochwasserabläufen am Rhein erheblich verschärft hat, liegt vor allem daran, dass während der letzten 200 Jahre über 90 Prozent der Auen entlang des Rheins beseitigt worden sind. „Vor der Rheinbegradigung und dem Staustufenbau am Oberrhein konnten sich die Hochwasserwellen kilometerweit breit machen. Heute bedroht der in enge Deiche gezwängte Rhein Karlsruhe, Mannheim/Ludwigshafen, Worms, Mainz sowie zahlreiche Kommunen am Mittel- und Niederrhein“, erläutert Dr. Schlapkohl.

Damit der Rhein nicht unkontrollierbar die Städte und Dörfer entlang des Rheins flutet, müssen wieder natürliche Flutungsareale angelegt werden – ein Ziel, das auch die Internationale Rheinschutzkommission (IKSR) verfolgt, nach Auffassung der Verbände „leider nur mit geringem Erfolg“: In der Berichtsperiode für die letzten sechs Jahre konnten keine zusätzlichen Flächen für einen naturnahen Hochwasserrückhalt am Rhein mehr ausgewiesen werden.

Die Rheinauen – ein einzigartiger Biotopkorridor von den Alpen bis zur Nordsee


Mit der Anlage naturnaher Flutungsflächen beabsichtigte die IKSR zudem die Entwicklung eines Biotopverbundes entlang des Rheins von Basel bis Rotterdam. Der Auen geprägte Biotopkorridor würde die Alpen und die Mittelgebirge bis hin zur Nordsee miteinander verbinden.

Der BUND fordert deshalb, dass den Sonntagsbekenntnissen der Politik und den gesetzlichen Vorgaben im Wasserhaushaltsgesetz, in den Landeswassergesetzen sowie in den Naturschutzgesetzen zum naturnahen Hochwasserrückhalt endlich Taten folgen müssen – zum Nutzen der hochwasserbedrohten Menschen ebenso wie zur Entwicklung der Artenvielfalt am Rhein.

Wegen der mangelhaften Vorsorge von Behörden und Politik hatten sich der BUND und der elsässische Umweltverband ALSACE NATURE schon im letzten Jahr entschlossen, selbst eine groß angelegte Studie zu den Potenzialen für einen naturnahen Hochwasserrückhalt am elsässischen und am deutschen Rheinabschnitt in Auftrag zu geben.

Die Studie kann in einer reich bebilderten Kurzfassung und in Langfassung unter www.bund-rlp.de/hochwasser heruntergeladen werden. Die Kurzfassung kann auch beim BUND Rheinland-Pfalz in einer gedruckten Form kostenlos angefordert werden: Hindenburgplatz 3, 55118 Mainz, Telefon: 06131 62706-0, Telefax: 06131 62706-66, E-Mail: info@bund-rlp.de.

Für Rückfragen:

Dr. Heinz Schlapkohl, Sprecher des BUND Landes-Arbeitskreises Wasser und Koordinator der Studie: 06353-3318, heinz.schlapkohl(at)t-online.de

Harry Neumann, BUND Landesvorsitzender, 02626-926441 oder 01577-95 75 158, harry.neumann(at)bund-rlp.de

Nikolaus Geiler, Dipl.-Biologe, Limnologe, Autor der Studie, 0761/275 693 oder 0761/45687153, nik(at)akwasser.de


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