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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Landesdeligiertenversammlung: Flächenverbrauch

09. April 2005 | Gefährdete Tiere und Pflanzen, Lebensräume

BUND-Landesdelegiertenversammlung

Rheinland-pfälzische Heimat bewahren!

Es geht nicht nur um Feldhamster und Mopsfledermaus

KOBLENZ. Die Benachteiligung des ehrenamtlichen Elements im Naturschutz gegenüber „knallharten Wirtschaftsinteressen“ (Heidelind Weidemann, BUND Landesvorsitzende) war ein Schwerpunktthema auf der diesjährigen Landesdelegiertenversammlung des BUND Rheinland-Pfalz in Koblenz. Zersiedlung und ungebremster Landschaftsverbrauch, aber auch vorbildliche Projekte der kommunalen Planung standen im Mittelpunkt eines umfangreichen Referates von Richard Mergner, dem Landesbeauftragten des bayrischen BUND-Landesverbandes (BN).

In Deutschland verschwinden täglich 131 Hektar unter Straßen, Häusern und Gewerbegebieten. In Rheinland-Pfalz werden täglich ca. 5 ha versiegelt. Dies entspricht 7 Fußballfeldern. Bei Realisierung aller derzeit in Flächennutzungsplänen ausgewiesenen Baugebiete würde die rheinland-pfälzische Siedlungsfläche, die heute bereits ca. 14 Prozent der Landesfläche erreicht hat, bis ca. 2015 um weitere 40 Prozent zunehmen und jedes Mal ein Stück Heimat verloren gehen. Vor diesem Hintergrund referierte Mergner unter dem Titel „Lebendige Dörfer und Städte kontra Flächenverbrauch - Heimat gestalten im demographischen Wandel“.

Trotz einer insgesamt besorgniserregenden Gesamtsituation in Rheinland-Pfalz können auch aus diesem Bundesland durchaus beispielgebende und gelungene Lösungen im Umgang mit der nicht vermehrbaren Ressource Boden aufgezeigt werden. Einige Konversionsprojekte lassen erkennen, dass gerade bei nachhaltiger Planung Arbeitsplätze und Wohlstand auf Dauer erhalten und vermehrt werden können.

Beispiele sind der Umwelt-Campus Birkenfeld auf dem ehemaligen amerikanischen Hospitalgelände und die Energielandschaft Morbach auf dem ehemaligen Munitionsdepot Wenigerath. Gelungen ist auch die Koblenzer Wohnbausiedlung auf dem Asterstein mit ihren Niedrigstenergiestandard.

Mergner schilderte gelungene Beispiele aus seiner bayrischen Heimat. So verfolgen im mittelfränkischen Gewerbepark Steigerwald fünf Gemeinden eine gemeinsame gewerbliche Ansiedlungspolitik in der Form eines Zweckverbandes. Durch Erhaltung eines hochwertigen Umfeldes sollen hochwertige Betriebe angezogen werden - anstelle von flächenverzehrenden Flachbauten auf der grünen Wiese, wie sie Hornbach, Lidl und andere Großinvestoren mit meist windigen Versprechen wahllos in die Landschaft setzen und gutgläubigen Bürgermeistern gegen großzügige Abschreibungen aufs Auge drücken.
Die unterfränkische Stadt Rothenbuch hat sich ein eigenes Leitbild gegeben, wodurch unter Verzicht auf die Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiete vorhandene Flächen intelligent genutzt werden durch Verdichtung und Schließung von Baulücken.

Anhand solcher Beispiele hat der BUND an Gemeinden, Städte und Landkreise folgende Forderungen:

  • Formulierung eines Leitbildes zukünftiger Dorf- und Stadtentwicklung mit dem Vorrang der Innenentwicklung vor der Außenentwicklung
  • Verpflichtung zu Bedarfsanalysen vor der Ausweisung von Gewerbeflächen und deren Prüfung durch die obere Landesplanungsbehörde,
  • Verpflichtung zur Ausarbeitung von Flächenkatastern über die Potenziale für Flächenrecycling,
  • Prüfung der dauerhaften Umsetzung von Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen durch die Kreisverwaltungen,
  • Verpflichtung benachbarter kleinerer Gemeinden zu gemeinsamem Flächenmanagement. Nur so kann der für unsere historischen Landschaften ruinöse und für Tourismusregionen verheerende „Bürgermeisterwettbewerb“ gebremst werden.

Neuerliche Vorwürfe der Straßenlobby, Umweltschützer würden Planungen wichtiger Infrastrukturmaßnahmen behindern, konterte die BUND-Landesvorsitzende Weidemann: „Von Anfang an einwandfreie Pläne hält kein Verwaltungsgericht auf“. Es gehe auch nicht einfach um Feldhamster und Mopsfledermaus, wie immer wieder süffisant verbreitet werde, vielmehr solle Natur- und Artenschutz die Gewähr dafür leisten, „dass dieser Planet bewohnbar bleibt“.

Ulrich Mohr, BUND Rheinland-Pfalz (Pressesprecher)

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