Neue Züge braucht das Land!

04. Mai 2020 | Klimawandel, Mobilität, Nachhaltigkeit, Suffizienz

Für Gesundheit und Umwelt: BUND fordert Initiative für einen Ausbau des Schienen-Nahverkehrs

Mainz. Nicht trotz, sondern wegen der Corona-Krise: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Rheinland-Pfalz veröffentlicht seinen aktuellen Forderungskatalog zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der stellvertretende Landesvorsitzende und Autor des Forderungskataloges, Michael Carl: „Der Individualverkehr verursacht eine immense Luftverschmutzung nicht nur in den Städten und begünstigt damit auch das Auftreten bzw. den schweren Verlauf von Krankheiten wie Corona. Mehr ÖPNV ist also nicht nur allgemein für den Umweltschutz und die Verkehrswende wichtig, sondern für die Gesunderhaltung unserer Bevölkerung.“

Passend zu der endlich geplanten Novellierung des rheinland-pfälzischen Nahverkehrsgesetzes erhebt der BUND grundlegende Forderungen: eine deutliche Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und eine Verlagerung eines großen Teils des verbleibenden Verkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel. Darüber hinaus zeigt er konkret auf, welche Veränderungen seines Erachtens in unserem Bundesland dazu notwendigen sind.

Neue Züge durch Wiederinbetriebnahme noch vorhandener Bahnstrecken

Die Landesvorsitzende Sabine Yacoub unterstreicht die Forderungen: „In Rheinland-Pfalz gibt es noch viele aktuell nicht betriebene Bahnlinien, deren Schienen aber noch zum großen Teil vorhanden sind, beispielsweise die Bahnlinien Germersheim – Landau, Altenglan – Staudernheim (Glantalbahn), Langenlonsheim – Hermeskeil (Hunsrückquerbahn), Koblenz – Bassenheim oder die Brexbachtalbahn (Siershahn – Engers). Auch die aktuell vom Land beschlossene Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn (Diez – Wiesbaden), der Weststrecke bei Trier (links der Mosel) und der Verlängerung der S-Bahn von Kaiserslautern über Homburg weiter nach Zweibrücken sind sinnvolle Maßnahmen einer Verkehrswende in Rheinland-Pfalz.“

Neue Züge durch Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau

Bei stark befahrenen Bahnlinien sei eine Elektrifizierung sinnvoll. Michael Carl: „Als Beispiele schlagen wir etwa die Strecken Landau – Wörth, Neubrücke – Gau-Algesheim oder Koblenz – Limburg (Lahntal) vor. Für einen zweigleisigen Ausbau kämen die Linien Landau - Pimasens, Bingen – Monsheim oder die Kylltalbahn in der Eifel in Frage. An manchen Stellen, wie zwischen Gau-Algesheim und Mainz wäre ein drittes oder gar viertes Gleis sinnvoll.“ Durch solche Maßnahmen sei es nicht nur möglich, deutlich mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, sondern den Bahnverkehr durch Einsatz elektrischer Triebzüge flotter und umweltfreundlicher zu gestalten.

Neue Züge durch Wiederaufbau ehemaliger Bahnstrecken

Auf den ersten Blick erscheine der Wiederaufbau von Bahnlinien ökonomisch fraglich und auch ökologisch nicht unbedingt sinnvoll, befinden sich doch auf vielen ehemaligen Trassen Radwege. Während diese aber problemlos parallel geführt werden könnten, seien die noch vorhandenen Trassen für eine Wiederbelebung unbedingt notwendig. In den rheinland-pfälzischen Mittelgebirgen habe es früher eine Reihe von Bahnlinien gegeben. Heute seien Eifel, Hunsrück und der Westerwald vom Bahnverkehr großteils abgeschnitten. Sabine Yacoub: “Wir schlagen daher vor, dass zumindest die größeren ehemaligen Linien wieder aufgebaut werden, um wenigstens einen Grundbedarf decken zu können. Im Einzelnen wären dies die Westerwaldquerbahn Montabaur – Rennerod (teilweise), die Ruwertalbahn Trier - Hermeskeil und die Hunsrückbahn von Emmelshausen nach Simmern. Zusammen mit Wiederinbetriebnahmen hätten die drei Mittelgebirge so wenigstens je eine Bahnlinie in Nord-Süd- und in West-Ost-Richtung.“

Nahverkehr zur kommunalen Pflichtaufgabe machen

Michael Carl sieht realistische Chancen für eine Umsetzung der BUND-Forderungen, die geplante Neufassung des Nahverkehrsgesetzes steht offenbar unmittelbar bevor: „Mit dem Gesetz wird wohl auch unsere Forderung erfüllt, dass der ÖPNV zur kommunalen Pflichtaufgabe wird. Dadurch können Kommunen in Zukunft mit eigenen Mitteln ihre Bürgerinnen und Bürger mit einem besseren Nahverkehr versorgen. Dies nutzt im Übrigen sowohl den ländlichen Regionen wie auch den Ballungszentren, denn der ländliche Raum wird besser angebunden und die Städte ersticken nicht mehr im Autoblech und in Abgasen.“

Die Broschüre des BUND enthält dazu zahlreiche mit anderen Fachverbänden abgestimmte Vorschläge. Sie kann hier heruntergeladen werden: www.bund-rlp.de/forderungskatalog oder als gedrucktes Exemplar bestellt werden unter: BUND Rheinland-Pfalz, info(at)bund-rlp.de, 06131 62706-0

Für Rückfragen:

Michael Carl, 02620 8416
Sabine Yacoub, 0174-9971892

 

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