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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Viel Lärm um nichts!?

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) besitzt ein ausgeprägtes Sozialverhalten und ist sehr kommunikationsfreudig, weshalb sie sich gerne lautstark, vor allem am Abend und in den frühen Morgenstunden, mit Artgenossen unterhält.

Gelehrige Gesellen

Saatkrähen sind sehr kommunikative Tiere und besitzen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Der Ruf der Saatkrähe ist durch tiefes und heiseres krra oder korr zu erkennen und ihr Gesang ist ein leises Schwätzen mit metallisch klingenden Elementen und Krächzlauten.

Auf dem Speiseplan der Saatkrähen stehen u. a. Samen, Keimlinge und Getreide. Deshalb sind sie in der Landwirtschaft oft unbeliebt. Gerne fressen sie aber auch Insekten und Mäuse, können also für die Landwirtschaft auch nützlich sein.

In der Vergangenheit ist der Bestand der Saatkrähen stark zurückgegangen. Grund dafür ist die Verfolgung durch den Menschen, zum Beispiel durch Abschuss, Vergiftungen, Vernichtung von Nestern und Gelegen, Fällen der Horstbäume. Aber auch Lebensraumzerstörungen wie der Verlust von Auwäldern und die Verringerung des Nahrungsangebotes zum Beispiel durch Biozideinsatz gefährden die Vögel.

Aufgrund des starken Rückgangs ist die Saatkrähe in der „Roten Liste gefährdeter Arten“ in Gesamtdeutschland als stark gefährdet geführt, in Rheinland-Pfalz gilt sie als „potentiell gefährdet“.

Kommunikation, die stören kann

In einer Saatkrähen-Kolonie ist viel los. Beim morgendlichen Anfliegen der Brutkolonie begrüßen sich die Tiere gegenseitig. Die Paare erkennen sich an ihren Rufen. Brütende Weibchen rufen heiser aufgeregt, wenn sie das Männchen hören, das Nahrung für die Brut bringt. Die hungrigen Jungvögel betteln laut, wenn sie die Eltern mit der begehrten Nahrung anfliegen sehen. Liegt eine Kolonie in der Stadt oder einem Dorf, fühlen sich Anwohner*innen oftmals durch die lautstarke Kommunikation gestört. Hinzu kommt noch der als lästig empfundene Kot der Tiere.

Konflikte mit der Landwirtschaft

Nicht nur Anwohner*innen im Siedlungsbereich stehen im Konflikt mit den Tieren, sondern auch Landwirt*innen. Da Saatkrähen in Schwärmen auf Nahrungssuche gehen, können sie  Fraßschäden an landwirtschaftlichen Kulturen (v.a. Sommergetreide und Mais) verursachen.

Vom Land in die Stadt

Ursache für die beschriebenen Konflikte ist der Verlust der ursprünglichen Lebensräume der Saatkrähen: Weite offene Kulturlandschaften mit einzelnen Gehölzgruppen und großkronigen Laubbäumen sind verloren gegangen. So fehlen geeignete Brutplätze. Durch das Vertreiben der Vögel von landwirtschaftlichen Flächen fehlt außerdem das Nahrungsangebot.

Deshalb nutzen Saatkrähen verstärkt Siedlungen als Koloniestandorte. Sie suchen häufig Parks, Friedhöfe oder andere innerörtliche Grünanlagen auf, können aber auch in baumreichen Straßen siedeln.

 

Ein gutes Miteinander von Mensch und Krähe

(Nur) Vertreiben hilft nicht

Vertreiben der Saatkrähen: Das Vertreiben („die Vergrämung“) der Vögel ist keine gute Maßnahme. Die Vögel suchen sich dann einen anderen Ort in der Siedlung. Oftmals multiplizieren sich dadurch die Konfliktbereiche, da sich die Tiere einer Kolonie bei Vertreibung oft in mehrere Teilkolonien zersplittern.

 

Sich auf die Störenfriede einlassen

Krähen sind äußerst intelligente Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Es lohnt sich, sie zu beobachten. Eine von der Gemeinde oder Stadt angebrachte Nestkamera kann spannende Einblicke bieten. Neben dem Naturerlebnis werden die Tiere auch nicht mehr als so lästig empfunden.

Autos können mit Abdeckplanen vor dem Vogelkot geschützt werden. Vor Cafes und Gaststätten können Schirme und Sonnensegel die Gäste im Freien schützen.

 

Neue Bäume für Krähen, Mensch und Natur

An besonders sensiblen Stellen, kann eine Vertreibung auch mal notwendig sein. Dann muss aber auch dafür gesorgt werden, dass es geeignete Ausweichmöglichkeiten gibt. Die Vögel brauchen ausreichend Nistmöglichkeiten an konfliktarmen Standorten. So können beispielsweise Laubbäume in unbewohnten Bereichen am Ortsrand gepflanzt und erhalten werden. Feldghölze können außerhalb von Siedlungen entwickelt werden.

Wichtig ist, dass in Kolonienähe ein ausreichendes Nahrungsangebot vorhanden ist. Hierfür bieten sich Wiesen und Weiden an. Wenn zwischen Koloniegehölzen und Äckern ausreichend Nahrungsflächen liegen, können so auch Fraßschäden in der Landwirtschaft verhindert werden.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen helfen nicht nur den Saatkrähen sondern sind auch ein wertvoller Beitrag für viele andere Arten und erhöhen so die biologische Vielfalt. Und auch wir Menschen freuen uns über eine vielfältigere Landschaft in der wir uns erholen können.

Steckbrief

  • Name: Saatkrähe (Corvus frugilegus)
  • Gattung: Corvus
  • Familie: Corvidae
  • Wissenschaftlicher Artname: frugilegus (Bedeutung: „Früchte sammeln“)
  • Ökologie: Heimische natürlich vorkommende, geschützte Art
  • Verbreitungsgebiet: v.a. in Europa und Asien verbreitet, potentiell bis stark gefährdet
  • Aussehen: rein schwarzes Gefieder mit violettem Glanz (im Alterskleid); ungefiederte Schnabelwurzel (hellgraue Färbung bei Altvögeln); schlanker Schnabel; eckiges Kopfprofil; längere und tiefer gefingertes Schwingen im Flug; Jungvögel sind der Rabenkrähe sehr ähnlich
  • Lebensraum: weite offene Kulturlandschaften mit einzelnen Gehölzgruppen; großkronige Laubbäume (zur Anlage von Nester); Heute zunehmend im Bereich menschlicher Siedlungen, in Parks, auf Friedhöfen und anderen innerörtlichen Grünanlagen
  • Nahrungssuche: Flug ins Umland (z.B. Maisanbau), aber auch Nutzung des Nahrungsangebotes im städtischen Bereich
  • Nahrung: Saaten (wie Samen und Keimlinge), Beeren und Früchte. Während der Brutzeit: Regenwürmer, bodenlebende Insekten und deren Larven, Schnecken und Mäuse
  • Nestanlage: Laubbäume (teilweise auch Nadelbäume)
  • Geschlechtsreife: ab Ende des zweiten Lebensjahres
  • Brutzeit: von Mitte März bis April: drei bis sechs Eier, die 16-19 Tage bebrütet werden

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus)

Saatkrähen sind sehr soziale Tiere. Fotos:  (Carsten Braun)

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