BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Rücktritt des BUND-Landesvorsitzenden

12. Dezember 2014 | BUND, BUNDintern

Harry Neumann übernimmt Verantwortung und zieht die Konsequenzen aus den unüberbrückbaren Konflikten zwischen ihm und dem Landesvorstand

MAINZ. Der BUND-Landesvorsitzende Harry Neumann ist gestern zurückgetreten und somit dem zu erwartenden Delegiertenbeschluss der geplanten Sonderdelegiertenversammlung des BUND Rheinland-Pfalz am 13.12.2014 zuvorgekommen. Der pensionierte Realschulleiter aus dem Westerwald war im April vergangenen Jahres in dieses Amt gewählt worden.

Mit dieser Entscheidung hat der Vorsitzende die Konsequenzen aus der Entwicklung des letzten halben Jahres selbst gezogen. Er hat damit Verantwortung für den Verband übernommen und die Kräfteverhältnisse richtig eingeschätzt. Vorausgegangen waren sich monatelang hinziehende, meist tiefgreifende Meinungsunterschiede zwischen dem Vorsitzenden und den übrigen Vorstandsmitgliedern. Dies führte dazu, dass Konflikte in der Vorstandsarbeit durch den Kommunikations- und Führungsstil des Landesvorsitzenden die Arbeit des Umweltverbands stark beeinträchtigt hatten.

Für diese verantwortungsvolle Entscheidung zollt der Vorstand Harry Neumann seinen Respekt, auch weil er dadurch den BUND vor weiterem Schaden bewahrt hat. „Mit diesem sicher nicht leichten Schritt hat Harry Neumann Ehrlichkeit gezeigt“, so der stellvertretende Vorsitzende Holger Schindler. „Wenn er in seiner Begründung auf seine Grundsatzpositionen eingeht und eine Entfernung von Positionen des BUND wahrnimmt, so ist das sicher nicht ganz falsch“. Seine Erklärung stellt ihn als kompromisslosen Kämpfer für den Artenschutz dar, was er zweifelsohne ist. In der realen Welt sind aber immer Abwägungen zwischen Natur- und Klimaschutz nötig, besonders, um bei der naturverträglichen Energiewende etwas zu erreichen. Das nimmt der BUND sehr genau, da gerade diese beiden Seelen in seiner Brust schlagen. Differenzierte Positionen in jedem Einzelfall sind nötig, um die Natur nicht zu stark zu belasten, aber andererseits die Energiewende nicht unnötig auszubremsen. Hier ist der BUND sowohl dem Umwelt- als auch dem Naturschutz verpflichtet. Durch seine Klage gegen den Windpark Fürfeld, Kreis Bad Kreuznach, und die damit erreichten Verbesserungen für den Naturschutz erfüllt der Standort diese Ansprüche. Dennoch gab sich der Vorsitzende mit dem deutlichen Vorstandsvotum gegen eine erneute Klage nicht zufrieden. In einem demokratisch organisierten Verband muss aber auch der Vorsitzende akzeptieren, wenn der Vorstand Entscheidungen fällt, die nicht seine Meinung widerspiegeln. „Ich bedauere, dass eine Klärung des Konfliktes innerhalb des Vorstands nicht möglich war. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass Harry Neumann sich mit zunehmender Verschärfung des Konfliktes einer Diskussion darüber entzogen hat. Das ist sehr schade, gerade weil Harry Neumann hohen Respekt für seine fachlichen Tätigkeiten im BUND, z. B. beim Artenschutz, verdient“, meint Holger Schindler, stellvertretender Vorsitzender.

Statt auf die Vorwürfe der eigenmächtige Amtsausübung und starken Polarisierung einzugehen, trug der Landesvorsitzende über Zeitungen die überinterpretierte Krisensituation des BUND im Ausbau der Windenergie aus seiner Sicht in die Öffentlichkeit. Darin hat er dem BUND fehlende Unabhängigkeit des Verbandes vorgeworfen, ohne dies belegen zu können.

Mit den beiden stellvertretenden Landesvorsitzenden ist der Verband weiterhin handlungsfähig. Der bestehende restliche Vorstand hat bereits in den letzten Monaten gut zusammen gearbeitet und wird den Verband weiterhin konstruktiv führen. Trotzdem reflektiert der Vorstand aber auch selbstkritisch über seine Arbeitsweise und über Verbesserungen der innerverbandlichen Kommunikation. Schritt für Schritt sollen die demokratischen Umgangsformen im Verband noch optimiert werden. Gründe für die Vertrauensverluste müssen in Ruhe diskutiert und aufgearbeitet werden.

„Es ist nun die Aufgabe des Vorstandes, die im BUND Rheinland-Pfalz gewohnten demokratischen, fairen und  wertschätzenden Umgangsformen wieder Selbstverständlichkeit werden zu lassen“, so Heidelind Weidemann, stellvertretende Landesvorsitzende. „Minderheiten müssen integriert werden und Wertschätzung behalten.“

Nach den durchaus emotional geführten Debatten will sich der BUND Rheinland-Pfalz nun wieder mit neuer Kraft den brennenden Problemen im Lande widmen. Aufgaben gibt es genug, z. B. die Durchsetzung von Umweltverträglichkeitsprüfungen und Ausschlussflächen beim Bau von Energieanlagen, den Klimaschutz, TTIP, den Schutz von Landschaft und Natur – z. B. im Kampf gegen den katastrophalen Basalt- und Lavaabbau in der Eifel, das Drängen auf eine zukunftsfähige bäuerliche Landwirtschaft, die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und umweltverträgliche Verkehrspolitik, für ein lebenswertes Mittelrheintal ohne Bahnlärm sowie einen zukunftsfähigen Umgang mit den verbliebenen Flächen bei der Bauleitplanung. Liegen gebliebene Sacharbeit muss wieder aufgenommen und in den Vordergrund gerückt werden.

Wir hoffen, dass wir die außerordentliche Delegiertenversammlung nun für einen konstruktiven Dialog miteinander nutzen können, wieder miteinander statt übereinander sprechen und so auch in strittigen Fragen zu Kompromissen kommen, die von allen mitgetragen werden. 

Für Rückfragen:

Dr. Holger Schindler, 06306 701505 oder 015228608515
Heidelind Weidemann, 06532-93146 

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