Gartenschläfer: Langsam ist Schluss mit Winterschlaf

16. März 2026 | Gartenschläfer

Gartenschläfer in seinem Moosnest  (Rudi Leitl)

BUND bittet um Mithilfe: Kleine Schlafmaus schützen und Sichtungen melden

Mainz/Berlin. Am 20. März ist kalendarischer Frühlingsanfang. Auch die bedrohten Gartenschläfer sind im Siedlungsbereich schon auf nächtlichen Streifzügen. Manche halten aber auch noch Winterschlaf, während draußen bereits die Krokusse blühen und die Gartensaison eingeläutet wird. Bis spätestens Mai werden die letzten Gartenschläfer aufgewacht sein. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bittet um Mithilfe. Wer jetzt im Garten und Garage aufräumt, sollte bitte vorsichtig sein: Gerne nutzen die kleinen Bilche mit der charakteristischen Zorro-Maske Nistkästen zum Überwintern, die eigentlich für Vögel aufgehängt wurden. Wenn Gartenbesitzende nun im zeitigen Frühjahr Nistkästen öffnen, werden noch schlafende Gartenschläfer unsanft geweckt. Das kostet die Tiere enorm viel Energie und lässt sie schlimmstenfalls plötzlich und zu früh ohne Quartier zurück. Auch Gartenlauben und Garagen sind beliebte Winterschlaf-Quartiere.

Dazu Friederike Scholz, Koordinatorin für Wildtiere beim BUND: „Nistkästen sind für den Gartenschläfer ein wichtiges Quartier und sollten am besten im September gereinigt werden. So kann am ehesten sichergestellt werden, dass alle Jungvögel ausgeflogen und sich noch keine Winterbewohner eingerichtet haben. Nistkästen bitte immer vorsichtig öffnen und sofort wieder schließen, wenn sie offensichtlich aktuell besetzt sind.“

Empfehlenswert sind spezielle Nistkästen für Gartenschläfer: Bei Ihnen befindet sich der Zugang nicht vorne, sondern auf der Rückseite. So können die Bilche direkt vom Baumstamm aus in den Kasten klettern und (die meisten) Meisen nehmen diese Kästen nicht an. 

Gartenschläfer sind laut der Roten Liste gefährdeter Arten stark gefährdet. Lebensraumverlust, Nahrungsmangel und Gifteinsatz setzen ihnen zu. In Rheinland-Pfalz sind neben Wäldern Streuobstflächen und auch Gärten wichtige Lebensräume.

Jutta Schreiner, Gartenschläfer-Beauftragte vom BUND Rheinland-Pfalz: „Wer jetzt aktiv werden und Gartenschläfern helfen möchte, bietet außer Nistkästen möglichst vielfältige Verstecke wie Baumhöhlen, Steinhaufen oder dichtes Gebüsch an. Bitte auf Rattengift und Pestizide verzichten. Das schützt nicht nur Gartenschläfer, sondern auch Igel und viele andere Tiere. Ein insektenfreundlicher Garten nützt auch Gartenschläfern, da sie sich zum großen Teil von Insekten ernähren. Schlussendlich sollten Regentonnen unbedingt abgedeckt werden. Die Bilche können sonst darin ertrinken.“

In den kommenden, warmen Monaten werden die Menschen wieder öfter die Gelegenheit haben, Gartenschläfer zu beobachten. Begegnungen mit den Tieren können über eine spezielle Internetseite gemeldet werden. Seit 2017 sind auf diese Weise bereits über 12.000 Sichtungen von Gartenschläfern zusammengekommen. Diese Meldungen geben wertvolle Hinweise auf die Verbreitung der Art. Und nur mit einer soliden Erkenntnisgrundlage kann es gelingen, den kleinen Zorro effektiv zu schützen.

Hintergrund:

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) gehört wie der Siebenschläfer zur Familie der Bilche oder Schlafmäuse. In den vergangenen 50 Jahren hat die Art über ein Drittel ihres ursprünglichen Lebensraums verloren. Das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ erforschte erstmals Gefährdungsursachen des Gartenschläfers, etablierte eine Meldestelle und entwickelte passende Schutzmaßnahmen. Die Ergebnisse wurden in einem Handbuch zusammengefasst. Das Projekt wurde von 2018 bis 2024 vom BUND, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung durchgeführt. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. In Rheinland-Pfalz unterstützte die Stiftung Natur und Umwelt RLP die Spurensuche Gartenschläfer.

Weitere Informationen:

Kontakt: 

Sabine Yacoub, 01749971892, sabine.yacoub(at)bund-rlp.de

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