BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

BUND-Wildbienenbotschafter*innen stellen sich vor

Die ehrenamtlichen Wildbienenbotschafter*innen des BUND arbeiten tatkräftig im Projekt Blühendes Rheinhessen - Wein, Weizen und Wildbienen mit. Dafür möchte sich der BUND Rheinland-Pfalz herzlich bedanken.

Karte Wildbienenbotschafter*innen und Projekte

Von der Blüte zur Biene

Faszination Wildbienen mit Naturfotografin Miriam Neff

Frühlings-Pelzbiene  (M. Neff)

Bei Wildbienenbotschafterin Miriam Neff fing alles mit den Blumen an. In ihrer Elternzeit war sie fast täglich in der Natur Rheinhessens unterwegs  - dort wo jenseits der Weinberge mehrere hundert seltene Pflanzenarten wachsen. Mit der Tochter auf dem Rücken und der Kamera vorm Auge ging es ans Fotosammeln für ihre erste Internetseite www.wildblumen-rheinhessen.de. Wer Blumen fotografiert, entdeckt unweigerlich auch die faszinierenden Blütenbesucher darauf – in Rheinhessen sind das ganz besonders viele Wildbienenarten. Durch Freundschaften mit versierten Insektenkennerinnen und die Naturschutzarbeit rückten die Wildbienen immer mehr in den Fokus. Vor allem die Möglichkeiten, Wildbienen im Garten zu fördern interessierten Miriam Neff als Naturgartenplanerin beim Naturgartenspezialisten Ahornblatt-Garten. Seitdem experimentiert sie im eigenen Garten mit Sandhaufen, Hartholz, Brombeerranken und Schneckenhäusern zum Nisten und mehreren hundert Wildpflanzenarten für Wildbienen. Daraus entstanden tausende Wildbienenfotos und nun auch eine eigene Internetseite: www.wildbienengarten.de – mit vielen praktischen Anleitungen und Hilfswerkzeugen zur Gestaltung wildbienenfreundlicher Gärten. Als Wildbienenbotschafterin betreut sie außerdem eines der Modellprojekte, welches eine Arche Noah der Apfelsorten und eine Blumenwiese mit autochtonem (gebietseigenem) Saatgut beherbergt.

Michael Leukam ausgezeichnet

BUND-Wildbienenbotschafter Michael Leukam aus Worms hat den diesjährigen Ehrensache-Preis des SWR erhalten! Den SWR Beitrag finden Sie in der SWR-Mediathek ab ca. Minute 9.

Michael Leukam ist seit 23 Jahren beim BUND aktiv. Ein Herzstück seiner Arbeit ist die Anlage, Pflege und Erhaltung artenreicher Flächen in der Pfeddersheimer Bluthohl (Foto). 

Als BUND-Wilbienenbotschafter berät er mehrere Winzer - und fördert damit die Artenvielfalt und die Wildbienen im Weinberg.

Weitere Beiträge und Artikel von Michael Leukam finden Sie hier:

Das SWR zur Ehrensache

Wormser Zeitung zur Ehrensache

Artikel in Landinform

 

 

 

Wie Wildbienenbotschafter in Rheinhessen Wildbienen retten

Screenshot: Sendung "Natürlich" des SWR vom 19.5.20

Am 19. Mai 2020 zeigte der SWR in der Sendung "natürlich" einen Beitrag mit den BUND Wildbienenbotschaftern Anke Larro-Jacob und Jean-Sebastien Larro zum Thema "Wie Wildbienenbotschafter in Rheinhessen Wildbienen retten". Hier kommen Sie zur Mediathek der ARD und zum Beitrag.

Interviews mit Wildbienenbotschafter*innen

Am 02.08.2019 fand das erste Treffen der BUND-Wildbienenbotschafter*innen statt. Im Zuge dessen gab es eine kleine Interview-Runde. Der Gedanke dahinter war, die großartige Arbeit der Ehrenamtlichen zu honorieren, die mit ihrer tatkräftigen Unterstützung die Durchführung des BUND-Projekts „Blühendes Rheinhessen - Wein, Weizen und Wildbienen“ ermöglichen. Geplant ist es, weitere Interviews zu ergänzen.

Alle Beiträge auf- oder zuklappen
Christina Brödel

Als Christina Brödel begann, sich für Wildbienen zu interessieren, fing Sie ganz klassisch mit einem „Insektenhotel“ an. Auch wenn sie, wie sie sagt, damals alles falsch gemacht hatte was man falsch machen kann, stellte sich die Nisthilfe dennoch als Einstieg in die faszinierende Welt der Insekten dar. In der darauffolgenden Zeit Informierte sie sich ausführlich über die Bedürfnisse der Wildbienen und setzte die gewonnenen Erkenntnisse auf dem Gelände des familieneigenen Holzfachhandels in die Tat um. Mittlerweile sind mit der eigenen, natürlich abgemagerten Streuobstwiese und dem Firmengelände rund fünf Hektar Fläche weitestgehend insektenfreundlich gestaltet.

Je mehr die Mutter zweier Kinder sich mit Wildbienen beschäftigte, desto mehr merkte sie, dass die Insektenwelt dringend weitere Hilfe benötigt. Als die Maßnahmen zur Unterstützung der Gliederfüßer dann Gestalt annahmen, gab es immer wieder Gespräche mit Mitbürgern und Kunden, die sich wegen der „Unordnung“ verwundert zeigten. Bei intensiven Gesprächen zeigte sich, dass dringend Dialog und Aufklärung zum Thema Insektenschutz erforderlich waren. So errichtete Familie Brödel das „Wilgartswieser Wildbiene Päddel“ (Päddel = umgangssprachlich kleiner Weg/Pfad) mit vier ansprechenden Informationstafeln,  insektenfreundlicher Bepflanzung und verschiedenen Nistmöglichkeiten. Im Jahr 2017 folgte dann das erste Wildbienenprojekt mit einer Grundschule und immer wieder Besuche und Führungen mit Schulklassen und Kindergartengruppen. Derzeit wird ein Garten für die Artenvielfalt mit Käferkeller u.v.m. angelegt.

Frei nach dem Motto: „Interesse und Wissen verdoppeln sich, wenn man sie teilt“, versucht Christina Brödel, die seit 2018 BUND-Mitglied ist, bei Vorträgen und Führungen Mitstreiter zu gewinnen. Dabei kommt ihr vermehrt die Weiterbildung zur BUND-Wildbienenbotschafterin zugute, die zusätzlich zu mehr lokaler Berichterstattung und somit zu mehr Akzeptanz und Anerkennung führt. Grundsätzlich ist dabei ihr Ziel, Mitmenschen zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass jeder etwas zum Erhalt unserer Umwelt beitragen kann, und zwar dort, wo wir direkten Einfluss haben – in unseren eigenen Gärten. Dort läge genügend Potential für ökologische Nischen.

Natürlich ist ihr Wissen und Engagement nicht nur auf Wildbienen begrenzt. Durch ihr allgemeines Interesse an Natur und ihren Begegnungen mit verschiedensten Lebewesen im Garten bleibe es nicht aus, dass man sich mit anderen Tieren und Pflanzen beschäftigt: „Man sieht einen Schmetterling oder eine Libelle, schaut nach, um welche Gattung es sich handelt, liest etwas darüber und auf diese Weise kommt schon einiges Wissen zusammen.“ Dazu eignet sich die Südwestpfalz - die nicht nur mit landschaftlicher Schönheit, sondern auch noch mit einer relativ großen Artenvielfalt aufwarten kann - natürlich besonders gut. Im örtlichen Naturschutzgebiet, in dem sie oft unterwegs ist, lassen sich viele Amphibien und Libellen beobachten, in den Felsen gibt es Falkenbrut und auf dem Dachboden des Rathauses gibt es eine große Wochenstube der „Großen Mausohren“ (Fledermäuse). Außerdem durfte Christina Brödel zusammen mit der Grundschulklasse ihres Sohnes ein mehrmonatiges Projekt zur Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald begleiten.

Bei alldem Engagement ist es natürlich auch wichtig, dass man etwas zurückbekommt. Besonders motivierend ist es für Christina Brödel, wenn sie bei Besuchen oder Führungen die Kinder begeistern kann.  Außerdem stellt es für sie immer wieder ein besonderes Ereignis dar, wenn sie im Frühling die vielen Mauerbienen an den Nisthilfen beobachten kann: „Dann beginnt für mich die Wildbienensaison so richtig.“ Wünschen würde sie sich einzig und allein weitere Mitglieder in der BUND-Kreisgruppe Pirmasens. In dem Bereich sei sie leider etwas auf sich allein gestellt.

Ursula Gönner

Ursula Gönner hat ihr Interesse für Wildbienen im eigenen Garten entwickelt. Sie hat einen großen, naturnah angelegten Garten und findet es faszinierend, wie regelmäßig und genau die Wildbienen mit den von ihnen präferierten Pflanzen interagieren. In ihrem Garten hat sie auch ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Sie macht am liebsten Makro-Aufnahmen von Wildbienen, Schmetterlingen, Heuschrecken und anderen Insekten aber auch Spinnen, deren Schönheit sich erst in der Nahaufnahme enthüllt.

Konkretes Engagement im Wildbienenschutz betreibt Ursula inzwischen seit drei Jahren. 2016 hat sie einen Vortrag des Wildbienen-Experten Rolf Witt besucht, der sie sehr fasziniert hat. Seitdem geht Ursula ihren eigenen Projekten im Wildbienenschutz nach. Angefangen mit der Pflege einer für Wildbienen wertvollen Fläche in Dolgesheim. Hierbei handelt es sich um einen Lösshang, einen idealen Lebensraum für Wildbienen. Was fehlt, sind die Futterpflanzen. Daher hatte Ursula die Idee, das in der Nähe des Lösshanges vorhandene Stück Grünland zu einer Blumenwiese mit Pollen-und Nektarpflanzen, auch für spezialisierte Bienen, umzuwandeln. Auch wenn nicht immer alles wie vorgesehen läuft, weil beispielsweise das Wetter nach der Einsaat von Wiesenblumensamen, und im Jahr darauf, nicht mitspielt, gibt sie nicht auf. Obwohl Ursula positive Resonanz und Interesse von einigen Dolgesheimer Bürgern erfahren hat, gibt es ihrer Meinung nach zu viele Menschen, die das Potential der Natur für zu selbstverständlich nehmen und nicht zu schätzen wissen. Auf lange Sicht müsse sich etwas am Denken der Menschen ändern.

Neben ihrem Dolgesheimer Projekt betreut Ursula eines der Modell-Projekte des Projekts Blühendes Rheinhessen des BUND Rheinland-Pfalz. Hier fungiert sie als Ansprechpartnerin für den Landwirt, hat tatkräftig die Kartierung unterstützt und mitgeholfen, die Maßnahmen zu entwickeln.

Außerdem ist Ursula sehr engagiert als „Naturgucker*in“. Der „Naturgucker“ ist eine Plattform der „Citizen Science“. Das heißt, jeder kann hier seine Beobachtungen eintragen, sodass ein konkretes Bild der heimischen Flora und Fauna entstehen kann. Die Dokumentation eigener Beobachtungen ist sehr wichtig, Ursula tut dies sehr gewissenhaft, liefert Foto-Nachweise und bestimmt die Arten. Sie ist dankbar für die Möglichkeiten des Austausches in Artbestimmungs-Foren im Internet, und freut sich, wenn sie andere erfahrene Artenkenner problemlos kontaktieren kann.

Neben Wildbienen beschäftigt sich Ursula auch mit der Bestimmung von Wildpflanzen und Vögeln. Das ist auch der Abhängigkeiten zwischen Insekten, Vögeln und Pflanzen geschuldet.

Weiterhin interessiert sie sich für Spinnen. Ihr schönstes Spinnen-Erlebnis war das Entdecken der Art Segestria croatica in Kroatien. Hierbei handelt es sich um eine seltene Sechsaugenspinne. Die meisten Spinnen haben 8 Augen. Der Fund löste nach dem Hochladen des Fotos im „Forum europäischer Spinnentiere“, zwecks Bestimmung, einen regelrechten Hype aus. Die Aufregung war berechtigt: von der Fischernetzspinne Segestria croatica war 1898 zuletzt ein Fund beschrieben worden, sie wurde aber seitdem in freier Wildbahn nicht mehr gesichtet. Nun befinden sich ihre Fotos nicht nur im „Wiki der Arachnologischen Gesellschaft Deutschland“, sondern auch auf der Seite „Aranea - Spiders of europe“, die von der Universität Bern betrieben wird.

Helmut Riedinger

Der frisch zertifizierte BUND-Wildbienenbotschafter Helmut Riedinger ist schon seit vielen Jahren naturinteressiert und engagiert sich in der Biotoppflege bei verschiedenen Organisationen. Angefangen hat aber alles mit seinem großen Garten. Der hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre eher unmerklich in einen naturnahen Garten verwandelt, weil einfach keine Zeit war, um sich dort um jede kleine Ecke zu kümmern.

Als Helmut Riedinger vor einigen Jahren einer Einladung des BUND zu einem Wildbienen-Vortrag von Paul Westrich folgte, erwachte das Interesse an diesen faszinierenden Insekten. Die lebten eigentlich schon immer im großen Garten, aber jetzt wurden die Zusammenhänge und die Abhängigkeiten zwischen Pflanzen und Insekten deutlich.
Das Angebot des BUND zur Ausbildung zum Wildbienenbotschafter kam dann wie gerufen und hat noch einmal den Horizont gewaltig erweitert. Als Projekt wählte sich Helmut Riedinger darum fast folgerichtig den naturnahen Garten. In einem Vortrag, den er zwischenzeitlich schon mehrfach gehalten hat, versucht er, die Facetten und Zusammenhänge zu beleuchten sowie den wissenschaftlichen Hintergrund zusammen mit den in seinem eigenen Garten gemachten Erfahrungen darzustellen. "Die Wilde Ecke - Wege zu einem naturnahen Garten" beginnt auch deshalb immer mit den Worten von Alexander von Humboldt: "Alles hängt mit allem zusammen".

Der Garten selbst hat sich durch verschiedenste Maßnahmen zu einem wahren Insektenparadies entwickelt: Mehrere Trockenmauern bieten den Hummeln ideale Nistbedingungen, eine Wildblumenwiese wimmelt im Sommer von Insekten aller Art, Kirschbäume öffnen im Frühjahr ein großes Büffet, Staudenbeete mit ausgewählten Blütenpflanzen versorgen auch spezialisierte Wildbienen mit Nektar und Pollen, viele kleine "wilde" Ecken bieten Rückzugsraum für Schmetterlingsraupen und Käfer, an einem großen Insektenhotel lassen sich von März bis September viele Arten von Wildbienen beobachten, ein kleiner Teich beheimatet Libellen.

Der Wissensdurst ist mit diesen Aktivitäten weiter gewachsen. Auf kleinen botanischen Exkursionen der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft mit Biotopbetreuer Jürgen Dechent und dem Biologen Axel Schönhofer erweitert Helmut Riedinger sein botanisches Wissen. Und der eigene Garten inspiriert dazu, sich neben den Wildbienen auch intensiv mit Wespen, Libellen, Schmetterlingen und der heimischen Vogelwelt zu beschäftigen.

In seinem Heimatort Saulheim hat Helmut Riedinger noch einiges vor. So möchte er im Bürgerpark "Mühlbachaue" einen Wildbienenlehrpfad errichten und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Blühflächen im öffentlichen Raum schaffen. Und natürlich weiterhin mit seinen Vorträgen die Bürger*innen überzeugen, dass sie mit einfachen Mitteln und kleinen Maßnahmen ihre Gärten etwas naturnaher gestalten können. Diese sind bei der weitgehend ausgeräumten und intensiv genutzten Flur teilweise die letzten Rückzugsgebiete von gefährdeten Arten.

Zaunrüben-Sandbiene  (Ursula Gönner)
Blauschillernde Sandbiene Blauschillernde Sandbiene  (Ursula Gönner)
Große Spiralhornbiene Große Spiralhornbiene  (Ursula Gönner)

 

 

BUND-Bestellkorb