Alsace Nature und BUND am Oberrhein machen sich stark fürs Klima und verabschieden Resolution

19. Oktober 2015 | BUND, Klimawandel, Naturschutz

BUND Rheinland-Pfalz schenkt Symbolbaum Linde zum Geburtstag von Alsace Nature

Straßburg. Anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums des großen elsässischen Umweltverbandes Alsace Nature (AN) kam es am Wochenende zusammen mit BUND Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zur gemeinsamen Verabschiedung einer fünf Themenblöcke und 10 Punkte umfassenden Resolution an die Adresse der bevorstehenden Pariser Klimakonferenz (s. Anhang!). Gefordert werden „endlich verbindliche Klimaschutzziele und konkrete Maßnahmen“. Dem ging ein vierstündiges Kolloquium voraus, das im vollbesetzten Plenarsaal des elsässischen Regionalrates stattfand.
Mit sechs simultan übersetzten Fachbeiträgen zu Energie, Verkehr, Ernährung und jeweils folgender Diskussion ergab sich eine vierstündige Programmfolge mit großer Informationsdichte. Eröffnet wurde mit einem umfangreichen Referat des Vizepräsidenten der Region Elsass, der den erkrankten Präsidenten Philippe Richert zu vertreten hatte. Im weiteren Verlauf aber wurde kritisch vermerkt (Jean-Paul Lacóte, AN), dass der Vize zu den extremen Ungewissheiten um das französische Atomkraftwerk Fessenheim kein Wort verloren hat.
 
„Beste Glückwünsche unserer Ministerpräsidentin Malu Dreyer“ überbrachte in einem Grußwort Werner Schreiner, deren Beauftragter für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Wichtig war ihm der Hinweis, dass das Land Rheinland-Pfalz bei der Oberrheinkonferenz seit Anfang dieses Jahres für die Arbeitsgruppe „Umwelt“ die Verantwortung trägt. Deren Vorsitzender sei der Präsident der SGD-Süd in Neustadt/Weinstraße. Schreiner ging ein auf die derzeitigen Bestrebungen um das klimarelevante Thema Mobilität: „Wir wollen Mobilität am Oberrhein - grenzüberschreitend - zukunfts- und umweltgerecht gestalten“. Leider habe jedoch die EU die Regionalverkehre „vergessen“. Jetzt müssten ärgerlicherweise diese umweltfreundlichen Verbindungen zwischen Regionen aus Landes- und Regionalmitteln finanziert werden. Man bemühe sich um INTERREG-Mittel.
 
In die gleiche Richtung zielte Punkt 2 der am Ende einstimmig verabschiedeten Resolution: „Klimaschutz bedeutet auch Verkehrswende: Die Verkehrspolitik muss dem Klimawandel Rechnung tragen!“ Dazu gehöre auch ein Stopp aller großen Straßenneubauprojekte wie etwa die große Westumgehung von Straßburg, der autobahngleiche Ausbau der B 10 mitten durch das deutsch-französische Biosphärenreservat Pfälzerwald–Nordvogesen wie auch eine zweite Rheinbrücke bei Wörth  -  alles Projekte, bei denen relevante Umweltschutz-Interessen grenzüberschreitend verzahnt sind.
 
Als bemerkenswert festzuhalten wären im Folgenden Aussagen aus den Fachreferaten:
 
So die These von Philippe Pointereau von der frz. Organisation Solagro, eine Ernährung aus zwei Dritteln Eiweiß pflanzlicher Herkunft und nur einem Drittel tierischer Herkunft könnte die klimaschädlichen Emissionen der Landwirtschaft halbieren.
 
Dr. Werner Götz, Landau, zeigte an Hand der Machbarkeit einer „kleinräumigen Energiewende“ für die Stadt Landau und den Kreis SÜW, dass in der Region gehaltene Wertschöpfung einen jährlichen Kapitalabfluss von ca. 70 Millionen Euro für Elektrizität vermeiden könnte.
 
Der rheinland-pfälzische BUND-Landesvorsitzende Dr. Holger Schindler befasste sich vor allem an Hand des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats mit Biodiversität und Artenschutz. Ein Stopp des massiven weltweiten Artenschwundes wäre „naturbasierter Klimaschutz durch Speichern und Abpuffern von CO2. Bioenergie dürfe nicht mit Maiswüsten, sondern könne auch mit Wiesenflächen gewonnen werden.
 
Am Beispiel des Bienwaldes zeigte Johannes Becker, im elsässischen Riedseltz ansässiges BUND-Mitglied, am historischen Wandel von Waldnutzung und deren Wechselwirkung mit agrarischer Flächennutzung, dass Ressourcenverfügbarkeit und Ressourcennutzbarmachung immer schon eine zentrale gesellschaftlich-politische Thematik war und bleiben müsse. In Rheinland-Pfalz zum Beispiel gebe es aktuell eine Zunahme von Waldflächen um 9 Prozent, dagegen habe die landwirtschaftliche Fläche um 20 Prozent deutlich abgenommen. Vor diesem Hintergrund habe man den inländischen Eigenbedarf an Holz so verantwortungsbewusst zu steuern, dass wir Europäer uns nicht an der globalen Waldzerstörung beteiligen.
 
Zum Abschluss wurde von der BUND Kreisgruppe Südpfalz im Auftrag des Landesverbandes als Geburtstagsgeschenk eine Linde angekündigt. Diese Baumart sei seit alters nicht nur ein Symbol für Gemeinschaft und Zusammenleben (Dorflinde!). Lindenblütentee habe auch eine schweißtreibende Wirkung. In Zukunft werde es noch lange  „schweißtreibender“ Anstrengungen bedürfen, um Verantwortliche und Mandatsträger „zu zukunftsorientierten Entscheidungen zu drängen“.
 
Ulrich Mohr als Mitwirkender und im Auftrag des Straßburger Kolloquiums.

Für Rückfragen:
Email: maurice.wintz@alsacenature.org

Ulrich Mohr, BUND Kreisgruppe Südpfalz: Tel.: 06347  -  6630.

Holger Schindler; Landesvorsitzender: Tel.: 0152-28608515 / 06306-701505 

 

Resolution zum Download (512,6 kB)

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