Bitte nicht anfassen! Wildkätzchen im Wald lassen

13. April 2026 | Wildkatze, Naturschutz, Wälder

Europäische Wildkatzen werden häufig mit Hauskatzen verwechselt

• Rheinland-Pfalz ist Wildkatzen-Land

• Verwechslung mit Hauskatzen gefährdet Jungtiere

• BUND gibt konkrete Verhaltenstipps

Im Frühjahr werden in vielen Wäldern wieder junge Europäische Wildkatzen gesichtet. Die gute Nachricht: Die einst sehr seltene Art breitet sich wieder in Deutschland aus. Gleichzeitig wächst eine neue Gefahr: Immer wieder werden Jungtiere von Spaziergänger*innen mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen. Das kann jedoch tödliche Folgen haben. Der BUND appelliert daher eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen.

Sonja Gärtner, Naturschutzreferentin beim BUND: „Die Wildkatze ist nach Rheinland-Pfalz zurückgekehrt. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch die positive und zum Teil noch unbekannte Entwicklung bringt ein Risiko mit sich: Ihre Jungtiere werden häufig mit Hauskatzen verwechselt.“

Wildkatzen sind aber keine davongelaufenen Hauskatzen, sondern echte Wildtiere. Erst kürzlich gelangen sogar Nachweise in Regionen, in denen die Art lange verschwunden war, bspw. in Schleswig-Holstein und im nördlichen Brandenburg. Die Anwesenheit der Wildkatze gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder. Im Besten Fall gibt es zwischen den Wäldern auch Verbindungskorridore mit Gehölzen zur Wanderung der Tiere.

Zum Verwechseln ähnlich

Wildkatzen sehen graugetigerten Hauskatzen ähnlich. Zudem lässt das alleinerziehende Muttertier seine Jungen während der Mäusejagd im Versteck zurück. Werden die neugierigen Jungtiere beim Spielen entdeckt, wirkt es oft so, als seien sie hilflos verlassen.

Gärtner: „Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“

Gerade in Regionen mit kleinen oder noch instabilen Beständen kann jede Entnahme die Ausbreitung der Art gefährden.

Wildkatze entdeckt, was ist nun zu tun?

Gärtner: „Wenn Sie vermeintlich verlassene Jungtiere finden, entfernen Sie sich leise. Prüfen Sie nach sechs bis zwölf Stunden, ob die Kätzchen noch da sind. Wenn das der Fall ist oder sie nicht zurückkommen können, kontaktieren Sie bitte die untere Naturschutzbehörde, den Jagdpächter oder Revierförster. Wenn diese nicht erreichbar sind, beraten auch das BUND-Notfalltelefon und ggf. Wildtierauffangstationen“.

Nur wenn Jungtiere offensichtlich in Not also z.B. verletzt sind, sollte man direkt eingreifen. Auch nach einer Mitnahme ist die Naturschutzbehörde zeitnah zu informieren, denn Wildkatzen sind deutschlandweit streng geschützt. Die Mitnahme aus der freien Natur und die Haltung in Privathaushalten sind daher grundsätzlich verboten.

Hinweis: Hilfe zur richtigen Entscheidung

Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der BUND Informationsmaterialien, Videos und einen Handlungsleitfaden zur Verfügung. Diese zeigen, wie Wild- und Hauskatzen unterschieden werden können und was im Ernstfall zu tun ist.

Link: https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/wildkatze-entdeckt-was-ist-jetzt-zu-tun/

Notfalltelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda: Täglich von 10 bis 18 Uhr erreichbar unter: 036254 / 86 51 80

Weitere Informationen

A) BUND-Tipp: Wildkatze entdeckt! Was ist jetzt zu tun? 
B) Handlungsleitfaden zum Umgang mit Wildkatzen

(Link: https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/wildkatze-entdeckt-was-ist-jetzt-zu-tun/ )

Videoreihe auf YouTube: 

o Verwechslungsgefahr 1 Unterschiede: https://www.youtube.com/watch?v=ZWbNKD4Xr3U

o Verwechslungsgefahr 2: Wildkatzenjunge im Wald lassen https://www.youtube.com/watch?v=9n-xOuDR05c

o Verwechslungsgefahr 3: Wildkatzenjunges mitgenommen https://www.youtube.com/watch?v=xHQTP-neTnE

o Verwechslungsgefahr 4: Wildkatzenjunge in Auffangstationen https://www.youtube.com/watch?v=sNsGsvCvd1k

Liste mit Wildtierauffangstationen: https://www.bund-rlp.de/tiere-pflanzen/tierschutz/wildtierauffangstation/

 

 

Für Rückfragen:

Sonja Gärtner, Referentin für Naturschutz BUND RLP, Mobil: 0176/15869-178, Tel.: 06131/62706-21

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