BUND spricht sich für den Erhalt des Waldausgleiches aus

06. November 2013 | Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Wegfall des Waldausgleichs hilft nicht dem artenreichen Grünland und dem Naturschutz

Ursprünglich war Deutschland zu über 90 Prozent von Wald bedeckt. Die großen historischen Rodungswellen haben diesen Anteil auf unter 30 Prozent reduziert. Diese Entwicklung zeigt, dass gerade das waldreiche Rheinland-Pfalz auch bundesweit eine große Verantwortung für den Erhalt seiner Waldflächen und der damit verbundenen Funktion für die Biodiversität hat. Wälder spielen für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser, frische Luft, erträgliche Temperaturen, gesunde Böden und die biologische Vielfalt eine essentielle Rolle. Die natürliche Artenzahl an waldgebundenen Tieren, Pflanzen und Pilzen wird in Mitteleuropa auf über 40.000 geschätzt. Daher ist es von großer Bedeutung, die potentiellen natürlichen Lebensgemeinschaften zu erhalten und zu fördern.  Hinzu kommt, dass auch Laubbäume weit vor ihrer natürlichen Lebensspanne geerntet werden. Dadurch entfallen die für den Erhalt der Biodiversität wichtigen natürlichen Alters- und Zerfallsphasen.

Von allen Landnutzungen ist die Waldwirtschaft die naturnäheste Form, wenn sie ökologisch verträglich erfolgt. Unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange wird die Waldflächenzunahme deshalb grundsätzlich begrüßt, die Waldflächenreduktion abgelehnt. Die positive Nettobilanz in Rheinland-Pfalz darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch wertvolle mittelalte und alte Wälder dem Flächenverbrauch zum Opfer fallen und die Zerschneidung von Waldgebieten voranschreitet.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Rheinland-Pfalz bezweifelt, dass die vorgesehene Änderung des Landeswaldgesetzes, den Waldausgleich abzuschaffen, zu einem besseren Schutz des Grünlandes führen wird. Aufforstungen dürfen natürlich nicht zu Lasten besonders geschützter Arten der Offenlandschaft erfolgen.

„Der Flächenverlust für die Landwirtschaft stammt, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Teil von der geringfügigen Waldzunahme. Wir befürchten, dass durch die vorgesehene Änderung des Landeswaldgesetzes die Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten sowie die Realisierung von unnötigen Straßenbaumaßnahmen auf Kosten des Waldes erleichtert wird, da kein Ausgleich mehr gefunden, sondern einfach eine Geldabgabe geleistet werden soll. Außerdem ist nicht klar, wie das Geld verwendet werden soll. Wälder dürfen nicht als Flächenreserve für Infrastrukturmaßnahmen und Bauvorhaben herhalten. Was wir stattdessen brauchen, ist z.B. eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft mit ihrem enormen Flächenverbrauch sowie die Abschaffung der Massentierhaltung“, betonte der BUND Landesvorsitzende Harry Neumann.

„Es stimmt, dass der Druck auf wertvolles Grünland hoch ist. Dann sollte man dies aber endlich in einem längst fälligen Landesnaturschutzgesetz mit einem konsequenten Grünlandumbruchverbot direkt schützen, anstatt in unsere wertvollen Wälder einzugreifen. Dieses vom BUND bereits länger geforderte Instrument wäre wesentlich wirksamer als die Abschaffung des Waldausgleiches“, erklärte Dr. Holger Schindler, stv. BUND Landesvorsitzender.

„Oder geht es dem Umweltministerium in Wirklichkeit nur um die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald? Alleine hier müssten bei den Plänen der Landesregierung ca. 1500 ha -2000 ha ausgeglichen werden. Dann wären die Argumente des Grünland- und Wiesenschutzes nur vorgeschoben. Diese Ziele lassen sich nämlich auch ohne Änderung des Waldgesetzes durch einen sorgfältigen Flächenumgang erreichen“, machte Karl Müller für den BUND Arbeitskreis Wald unmissverständlich deutlich.

Für Rückfragen

Harry Neumann, BUND Landesvorsitzender, 02626-92644 oder 01577-95 75 158, harry.neumann(at)bund-rlp.de

Dr. Holger Schindler, stv. BUND Landesvorsitzender, 06306-701505 oder 01522-8608515, holger.schindler(at)bund-rlp.de

Karl Müller, BUND Arbeitskreis Wald, 0170 1473426, karl.mueller@natur-wald.de

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb