Mainz. Die Halbierung des Energieverbrauches bis zum Jahre 2050 sowie ein starker Ausbau der erneuerbaren Energieträger sind die Eckpunkte des BUND-Konzeptes für Rheinland-Pfalz. „Bereits ab dem Jahre 2030 kann und muss der Strom im Lande vollständig aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Quellen stammen“, erläuterte der Landesgeschäftsführer Dr. Erwin Manz die Ausbaustrategie. „Atomstrom ist keine Brücktechnologie sondern verstopft die Leitungsnetze und behindert den Einstieg in das Solarzeitalter.“
Auf der Tagung „Energiewende jetzt!“ stellte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. in der Akademie der Wissenschaften in Mainz seinen Fahrplan „Energiewende Rheinland-Pfalz“ vor. In der von Oliver Decken verfassten Studie wurde ein Szenario entwickelt, nach dem Rheinland-Pfalz seinen Strom bis zum Jahr 2030 zu 100% aus regenerativen Energiequellen gewinnen kann. Im Anschluss haben namhafte Referenten wichtige Handlungsfelder vertieft und Lösungswege zur Diskussion gestellt. In einem ersten Vortragsblock wurden Energieeinsparpotentiale, z. B. durch energetische Gebäudesanierung bei Mietwohnungen, angesprochen. Unter dem Titel „100%-Erneuerbare“ werden der künftige Energiemix, Anforderungen an das Stromnetz sowie Batteriesystem angesprochen werden. Am Nachmittag ging es um die Frage, wie Energieberatung und Projektentwicklung optimiert werden können.
Der BUND fordert die Absenkung der CO2-Emissionen um 45 % bis zum Jahre 2020 und um 90 % bis 2050, um ein unkontrollierbares Ausufern des Klimawandels zu verhindern. Zwischen 1990 und 2007 konnten die CO2-Emissionen in Rheinland-Pfalz allerdings nur um etwa 8 % gesenkt werden. Dr. Bernhard Braun (BUND-Landesvorstand) erklärt: „Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen nicht aus, um eine klimaverträgliche Entwicklung zu erreichen. Es besteht sehr großer Handlungsbedarf seitens der Landesregierung und der Kommunen in Rheinland-Pfalz. Besonders im Wärmebereich gibt es riesige Einsparmöglichkeiten.“ Nachdem die Bundesregierung der Lobby der Hausbesitzer nachgegeben hat und keine strengeren Regeln zur Wärmedämmung von Altbauten erlässt, ist der Landesgesetzgeber gefordert. Der BUND fordert die Landesregierung auf, ein rheinland-pfälzisches Klimaschutzgesetz auf den Weg zu bringen, so dass auch im vorhandenen Gebäudebestand vermehrt Klimaschutzmaßnahmen in Angriff genommen werden. Der Wärmeverbrauch kann bis zum Jahre 2030 um mehr als ein Drittel gesenkt werden und der Deckungsbeitrag der erneuerbaren Energieträger von derzeit 8,8 % (2007) auf etwa 30 % gesteigert werden. Neben dem Ausbau der Holznutzung rechnet der BUND mit einem starken Anstieg der solarthermischen Nutzung von 0,2 TWh (2007) auf 3,0 TWh bis 2030 und 7 TWh bis 2050.
Die Hauptrolle bei der CO2-Einsparung kommt in den beiden nächsten Jahrzehnten dem Umbau der Stromwirtschaft zu. Mittels der Mobilisierung der Effizienzpotentiale in Haushalten, Gewerbe und Industrie kann der Stromverbrauch bis zum Jahre 2030 um 30 % gesenkt werden. Der verbleibende Stromverbrauch kann zu 100 % von erneuerbaren Energien gedeckt werden. Wichtig ist vor allem der Ausbau der rheinland-pfälzischen Windparks von derzeit 1.300 MW Leistung auf 4.000 bis 4.800 MW bis 2030. Bei der Photovoltaik ist ein Ausbau von derzeit 460 MWp auf 4.000 MWp erforderlich. Weitere Potentiale ergeben sich aus der Nutzung von Biomasse, Geothermie und Wasserkraft. „Das Land muss der Regionalplanung quantitative Ziele für die Ausweisung von Windparks vorgeben und den Ausbau der Windenergie beschleunigen. Die Landes-Energieagentur soll weiterentwickelt werden. Dringend notwendig ist zudem die Einrichtung kommunaler Energieagenturen, die aufgabengerecht ausgestattet werden müssen“, führte Dr. Bernhard Braun vom Landesvorstand aus.
Für Rückfragen:
Dr. Bernhard Braun, 0621 5294080 bzw. 0177-4638793
Dr. E. Manz 06131 62706-0 bzw. 0151 12273866