Die 10 anerkannten Naturschutzverbände begrüßen Nationalpark in Rheinland-Pfalz

27. Mai 2013 | BUND, BUNDintern, Gefährdete Tiere und Pflanzen, Naturschutz, Wälder

Die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände begrüßen, dass der Fahrplan für die Errichtung eines Nationalparks in Rheinland-Pfalz konkreter wird. Wichtig ist den Verbänden, dass ein Nationalpark in erster Linie Naturschutzfunktionen erfüllt. Dazu müsse er internationale Kriterien erfüllen. Hierzu gehörten eine Mindestgröße, ein hoher Kernzonenanteil, eine funktionsfähige Nationalparkverwaltung mit qualifiziertem Personal und eine an Naturschutzzielen orientierte Entwicklungsphase.

„Nationalparke sollen großflächig einen möglichst ungestörten Ablauf der natürlichen Dynamik sicherstellen“, betont Harry Neumann, Vorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz. „Sie sind damit eine wichtige Ergänzung zur ansonsten vom Menschen weitgehend gestalteten und gepflegten Landschaft.“

Damit ein Nationalpark die an ihn gestellten Anforderungen als bedeutendes Instrument des Naturschutzes erfüllen kann, wurden auf internationaler und nationaler Ebene Qualitätskriterien  entwickelt: „Ein Nationalpark muss eine Mindestgröße von 10.000 ha haben. Spätestens nach 30 Jahren sollen 75% seiner Fläche der natürlichen Entwicklung überlassen sein“, erläutert Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz. Dafür seien zusammenhängende und unzerschnittene Kernzonen auszuweisen. Nur besondere naturschutzfachliche Gründe könnten in Einzelfällen die Ausweisung von abgetrennten Kernzonen rechtfertigen. Insgesamt gelte es, störende Effekte von außen zu minimieren und nicht im gesamten Gebiet wirksam werden zu lassen.

Bei der Ausgestaltung der Pflegezone sei zu berücksichtigen, dass möglichen wirtschaftliche Schäden, die aus dem Nationalpark auf angrenzende Wälder und landwirtschaftliche Flächen ausgehen können, wirkungsvoll entgegen gewirkt werden kann. Zu nennen seien hierbei explizit die Frage des Wildtiermanagements sowie die Borkenkäfer-Problematik. „In diesem Zusammenhang ist insbesondere der Umgang mit den großflächigen Fichtenbeständen ein Punkt, den es zu durchdenken gilt“, so Andreas Grauer, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

„Für den Naturschutz ist außerdem wichtig, dass der Nationalpark in ein Biotopverbundsystem eingebunden wird, das über die Grenzen des Nationalparks hinaus geht“, betont Dr. Peter Keller, Vorsitzender der GNOR.           

In den kommenden 30 Jahren sind im geplanten Nationalpark Entwicklungsmaßnahmen möglich. Diese müssten sich nach Ansicht der Verbände ebenfalls vor allem an naturschutzfachlichen Kriterien orientieren. Hierfür sei ein umfassendes Entwicklungskonzept zu erarbeiten, das die lokalen Unterschiede in den Standortfaktoren (Boden, Niederschlag, etc.) und die aktuellen Waldbestandstypen berücksichtigt. „Besonders wichtig ist uns die Aufwertung und Stabilisierung der wertvollen Hangbruchwälder durch Entfichtung und Wiedervernässung“, betont Dr. Oliver Röller, Geschäftsführer der Pollichia. „Außerdem müssen die Vorkommen seltener Arten in den vorhandenen Offenlandstrukturen sowie an lichten Waldinnenrändern im Entwicklungskonzept des Nationalparks berücksichtigt werden.“

Bereits von Beginn an sollte aus Sicht der Verbände die natürliche Dynamik im Nationalpark eine wichtige Rolle spielen. Deshalb  sollte auf mindestens 50% der Prozessschutzzone die Entwicklungsphase nach maximal 15 Jahren abgeschlossen sein.

Die Naturschutzverbände sind überzeugt davon, dass ein Nationalpark die Chance bietet, Menschen für den sorgsamen Umgang mit ihrer Umwelt allgemein zu sensibilisieren. Damit könne ein Nationalpark auch zum Schutz der Natur außerhalb seiner Grenzen beitragen.

Um dies zu erreichen, bekomme die Umweltbildung, insbesondere das Naturerleben, als weitere Kernaufgabe des Nationalparks eine essentielle Bedeutung. Grundsätzlich gelte dabei, dass das Naturerlebnis und damit verbunden der Tourismus den Schutzzweck nicht beeinträchtigen dürften. Deshalb komme der Entwicklung eines intelligenten Wegenetzes als Angebot für ein schutzzweckkonformes, attraktives Naturerlebnis eine besondere Bedeutung zu.

Auch die positiven Effekte auf die Regionalentwicklung, insbesondere im Tourismus sehen die Naturschutzverbände. In der Nationalparkregion sind ihres Erachtens Konzepte für einen nachhaltigen, sanften Tourismus eine gute Anbindung durch den ÖPNV erforderlich erforderlich. Die Durchführung von naturbelastenden Großveranstaltungen lehnen die Verbände ebenso ab, wie den Neubau von Straßen, den Neubau von Großgaststätten, die Einrichtung von Freizeitparks u. ä. Im Umfeld des Nationalparks sollten Bauprojekte die Vernetzung des Nationalparks (Einwanderungs- und Einflugkorridore für Wildtiere) mit dem Umfeld nicht entwerten.

Abschließend betonen die Verbände, dass für einen erfolgreichen Nationalpark eine gut funktionierende Nationalparkverwaltung, die mit qualifiziertem Personal ausgestattet ist, besonders wichtig ist. Die Personal- und Mittelausstattung müsse der herausragenden Bedeutung und den hohen Anforderungen des Nationalparks entsprechen und darf nicht zu weiteren Einschränkungen oder Einsparungen in anderen Bereichen des Naturschutzes führen.

Die anerkannten Naturschutzverbände werden sich weiterhin intensiv mit dem geplanten Nationalpark beschäftigen und bieten im weiteren Prozess ihre konstruktive Begleitung und Unterstützung an.

Weitere Informationen finden Sie im beigelegten Positionspapier.

Für Rückfragen:

Harry Neumann, Vorsitzender BUND Rheinland-Pfalz, 02626-926441 oder 01577-95 75 158
Siegfried Schuch, Vorsitzender NABU Rheinland-Pfalz, 06133-507988
Dr. Peter Keller, Vorsitzender Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR), 0173-3155113 

Anhang:

Stellungnahme der Verbände zum Nationalpark (278 KB)

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