Die Natur ist kein Tierpark - BUND fordert tier-und naturschutzgerechte Jagd

31. Oktober 2013 | BUND, Gefährdete Tiere und Pflanzen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz ruft die Jagdverbände auf, sich fair und konstruktiv gemeinsam mit allen relevanten Landnutzern, Behörden und Naturschutzverbänden für einen gesunden und tragfähigen Schalenwildbestand einzusetzen.

Die Aufregung der Kreisjagdverbände in Ahrweiler und Mayen-Koblenz über nicht tierschutzgerechte Jagdgesetze in Rheinland-Pfalz, wie zuletzt gestern im Fernsehen zu erleben war, ist nach Meinung des BUND polemisch und fachlich falsch. Der BUND fordert, dass das Fütterungsverbot für Schalenwild beibehalten werden muss.

Aufgrund des naturnahen Waldbaues und der Veränderungen in der Landwirtschaft haben Rehe und Hirsche heute bessere Lebensbedingungen in den Waldgebieten, was zu höheren Dichten führt. Gleichzeitig wird ihr gesamter Lebensraum durch einen unverändert hohen Flächenverbrauch für immer neue Gewerbegebiete, Siedlungen und Straßen immer kleiner und damit auch zerschnittener.

Falsche Jagdstrategien, zu geringe Bejagung sowie übertriebene Fütterungen führten zu völlig überhöhten Wildbeständen. Die Jägerschaft, vor allem in der Region Ahrweiler hat die Probleme wie „Wildschäden“ in Forst- und Landwirtschaft, die hohe Anzahl an Wildunfällen sowie die hohe Anzahl an Krankheiten verendeter Tiere daher in erste Linie selbst zu verantworten. Das verendete Rotwild sei, wie vom Landesuntersuchungsamt nachgewiesen, an Parasitenbefall verendet und nicht verhungert, wie von Vertretern der Jagd behauptet wird. Gerade die übermäßige Fütterung führe zu Übertragung von Krankheiten und Parasiten.

Dass die Tierschutzargumente des Jagdkreisverbandes lediglich vorgeschoben sind, zeigt auch ein Blick auf die tägliche Jagdpraxis: „Wo bleibt denn der Tierschutz, wenn pro Jahr über 40.000 Füchse, 20.000 Rabenvögel oder viele Marder in Rheinland-Pfalz geschossen und noch nicht einmal verwertet, sondern einfach weggeworfen werden?“, fragt Harry Neumann, Vorsitzender des BUND kritisch.

„Vor allem für das Rotwild wünschen wir uns eine Ausweitung des Lebensraumes. Doch solange es den Jägern nicht gelingt, die Rotwilddichten wegen ihres Interesses an einer unzeitgemäßen Trophäenjagd in den Bewirtschaftungs-gebieten auf ein tragfähiges Maß zu reduzieren, kann diese künstliche Lebensraumbegrenzung leider nicht aufgegeben werden“, betont Sabine Yacoub, Landesgeschäftsführerin der BUND.

„Die Natur und die von uns stark beeinflusste Kulturlandschaft ist kein Tierpark. Wir fordern eine tier- und naturschutzgerechte Bejagung des Schalenwildes. Diese komplexe Aufgabe kann nur in enger Zusammenarbeit aller Akteure erreicht werden. Die Polemik einiger Jagdvertreter ist solch einer Zusammenarbeit sicher nicht förderlich“, stellt Harry Neumann abschließend fest.

Rückfragen:

Harry Neumann, Vorsitzender BUND Rheinland-Pfalz: 01577 - 95 75 158
Sabine Yacoub, Landesgeschäftsführerin BUND Rheinland-Pfalz, 06131/62 70 60 

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