Gefährliche Scheinlösung: BUND RLP warnt vor CCS-Plänen im Koalitionsvertrag

04. Mai 2026 | Chemie, Energiewende, Klimawandel, Meere, Ressourcen & Technik, Umweltgifte

Mainz, 4.5.2026. Mit dem kürzlich vorgestellten Koalitionsvertrag legitimieren CDU und SPD in Rheinland-Pfalz die Technologie zur Abscheidung und Deponierung von CO₂ (Carbon Capture and Storage, CCS) als klimapolitisches Instrument. Im Gegensatz zur vorherigen Regierung will die neue Koalition im Rahmen einer Machbarkeitsstudie den möglichen Einsatz von CCS im Land prüfen. Der BUND Rheinland-Pfalz warnt eindringlich vor diesem Kurs.

„Was die neue Landesregierung als Technologieoffenheit verkauft, ist in Wahrheit ein Freifahrtschein für die fossile Industrie – auf Kosten von Umwelt, Kommunen und Steuerzahlenden“, erklärt Sabine Yacoub, Vorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz.

CCS ist keine Klimaschutzmaßnahme, sondern eine Risikotechnologie

CCS verlängert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, statt den notwendigen Ausstieg voranzutreiben. Selbst unter optimalen Bedingungen lassen sich Emissionen nicht vollständig abscheiden. Gleichzeitig erhöht die Technologie den Energiebedarf von Industrieanlagen erheblich – um bis zu 40 Prozent – und geht mit einem hohen Verbrauch von Frischwasser einher. Bisher ist es auch noch vollkommen offen, ob eine sichere Verpressung von CO2 im nötigen Maßstab überhaupt technisch machbar ist.

Zudem bestehen Risiken bei Transport und Speicherung: Leckagen können nicht ausgeschlossen werden. Dabei kann CO₂ als unsichtbares, schweres Gas austreten und sich in Senken sammeln – mit akuter Erstickungsgefahr für Mensch und Tier. Auch die Mobilisierung von Schadstoffen wie Schwermetallen oder salzhaltigem Wasser im Untergrund stellt eine potenzielle Gefahr für das Grundwasser dar.
Besonders brisant ist der für Rheinland-Pfalz relevante Delta Rhine Corridor – ein geplantes Pipeline-Projekt, das CO₂ aus Industriestandorten wie Ludwigshafen über 700 Kilometer bis zur Nordsee transportieren soll. Der Bau dieser Trasse würde sensible Naturräume zerschneiden und zusätzliche Risiken für Anwohnerinnen und Anwohner mit sich bringen.

Unkalkulierbare Kosten für Kommunen und Land bei unklaren Haftungverhältnissen

Während die Industrie von Milliardensubventionen profitiert, trägt die Allgemeinheit die Risiken. Kommunen müssten für den Katastrophenschutz entlang der Trassen massiv nachrüsten, da herkömmliche Einsatzfahrzeuge in einer CO₂-Gaswolke versagen. Und ähnlich wie beim Atommüll wird die Haftung für Lagerüberwachung und Sicherheit der Endlager langfristig auf Staat und Steuerzahlende übertragen. Die CO₂-Deponierung ist eine Ewigkeitslast analog der Atomenergie.

„Rheinland-Pfalz darf nicht zur Abgasregion der Industrie werden. Wer es mit Klimaschutz ernst meint, muss Emissionen vermeiden – nicht entsorgen", fordert Yacoub. Der BUND RLP erwartet von der neuen Landesregierung einen klaren Fokus auf den Ausbau erneuerbarer Energien, den Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken wie Moore und Wälder sowie eine konsequente Kreislaufwirtschaft. CCS darf kein Blankoscheck für Klimaverschmutzer werden.

Für Rückfragen:
• Karin Marsiske, Landesvorstand, karin.marsiske@bund-rlp.de, Tel. 0151 12731161,
• Michael Ullrich, stellv. Geschäftsführer, michael.ullrich@bund-rlp.de, Tel. 0176 15869153

 

 

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