BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Grüner Wall im Westen

04. Oktober 2010 | Grüner Wall im Westen, Lebensräume, Wälder, Gefährdete Tiere und Pflanzen

Natur- und Denkmalschutz Hand in Hand am ehemaligen Westwall

Im äußersten Westen der Bundesrepublik gilt es einen Schatz zu sichern. Entlang des ehemaligen „Westwalls“, einer zwischen 1936 und 1940 an der ehemaligen westdeutschen Reichsgrenze zwischen Kleve und Basel errichteten Befestigungslinie, existierten rund 17.000 Bunker. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Wehranlagen durch die Besatzungsmächte gesprengt und gerieten anschließend weitgehend in Vergessenheit. Im Laufe der Jahrzehnte siedelten sich hier zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten an.

Die unzerstörten und teilzerstörten Bunkeranlagen haben sich im Laufe der Jahrzehnte zu wertvollen Lebensräumen unter anderem für Wildkatze und Fledermäuse entwickelt und stellen in der dicht besiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft mittlerweile wertvolle Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen dar. Ihre besondere Bedeutung für den Naturschutz erhalten die Anlagen aufgrund ihrer bandförmigen Anordnung in der Landschaft. Wie auf einer Perlenschnur aufgereiht bilden sie eine Kette kleiner Biotope, über die sich Fauna und Flora erfolgreich ausbreiten können. Der ehemalige Westwall kann so die verschiedenen Landschaftsräume als "Grüner Wall im Westen" zu einem riesigen Biotopverbund zusammenführen.

Mit dem am 1. Juni 2010 gestarteten Projekt „Grüner Wall im Westen“ soll der ehemalige Westwall als erlebbares Zeitzeugnis der jüngeren Geschichte, architektonisches Denkmal, Mahnmal sowie als wichtiger Lebensraum und Verbundachse für seltene und gefährdete Arten vor der Zerstörung bewahrt werden. Diese Verbundachse soll im Sinne eines „Denkmalschutzes durch Naturschutz“ dauerhaft gesichert werden. Größe und Unzerschnittenheit der über 600 km langen bandartigen Struktur sind dabei die herausragenden Eigenschaften für die nationale Bedeutung dieser Lebensachse.

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz fördert das Projekt. Der BUND pflegt eine sehr enge Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, das sich ebenfalls erfolgreich für den Erhalt der Anlagen des ehemaligen Westwalls einsetzt.

Naturschützer aus unterschiedlichen Verbänden arbeiten Hand in Hand mit Denkmalschützern, Historikern, Vertretern des Tourismus, des Forstes und Flurbereinigungsbehörden sowie der Landeszentrale für politische Bildung zusammen. Abstimmung und Vernetzung der Schutzbemühungen erfolgen durch den im September gegründeten Projektbeirat.

Zurzeit erfolgen eine Datensammlung und die Darstellung der Bedeutung der Anlagen für die Tier- und Pflanzenwelt. Neben der Erarbeitung wichtiger fachlicher Grundlagen über die Bedeutung des Westwalls als überregionales, bandartiges Biotopverbundsystem soll ein positives Bewusstsein in der Bevölkerung erreicht werden. Dazu ist eine Wanderausstellung in Arbeit, die dann an vielen verschiedenen Orten im Land zu sehen sein wird. Im nächsten Frühjahr werden für vier Teilregionen von Rheinland-Pfalz Handlungskonzepte erstellt und konkrete Maßnahmen in Angriff genommen.

Das Projekt zielt auf eine starke Zusammenarbeit mit den angrenzenden Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Saarland und Baden-Württemberg und soll damit künftig auf den gesamten ehemaligen Westwall ausgedehnt werden.  

 

Pressefotos und Karte zum Download

weitere Informationen zum Westwall finden Sie hier

 

Für Rückfragen:

Dr. Erwin Manz            Tel. 06131-62706-0 bzw. 0151 12273866
Simone Schneider        BUND-Projektbüro, Pfützenstraße 1, 54290 Trier,
                                   Tel. 0651-48455, simone.schneider(at)bund-rlp.de

 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb