Lambrecht (Pfalz). Die Landesdelegiertenversammlung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. beschäftigte sich am gestrigen Samstag mit zwei Themenschwerpunkten: der Errichtung des Nationalparks in Rheinland-Pfalz sowie der Umsetzung der Energiewende.
Im öffentlichen Teil der Versammlung informierte Umweltstaatssekretär Dr. Thomas Griese über den aktuellen Stand zum Nationalpark in Rheinland-Pfalz: Für den Hochwald gebe es eine klare Interessenbekundung. Hier werde man nun bald in die Phase 2 des Verfahrens zur Nationalparkausweisung gehen. In dieser werden Arbeitsgruppen gegründet, an denen sich auch Verbände beteiligen könnten. Ob mit dem Soonwald noch eine zweite Region in die Phase 2 eintrete, müsse sich noch zeigen. Im Soonwald gebe es sowohl Gegner als auch Befürworter eines Nationalparks. In jedem Falle werde es aber einen echten Nationalpark geben, betonte Griese, also keine Stückelung kleiner unzusammenhängender Gebiete.
Im Anschluss berichtete der Nationalparkleiter Manfred Großmann von seinen Erfahrungen bei der Errichtung und Leitung des Nationalparks Hainich. Auch hier habe es vor der Errichtung starke Widerstände gegeben. Aus seiner Sicht müsse man auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen, aber auch klar zwischen öffentlichen Belangen und Eigeninteressen unterscheiden. Fünf Jahre nach der Nationalparkausweisung seien 300 zufällig ausgewählte Anwohner befragt worden, wie sie heute über einen Nationalpark entscheiden würden. 90 Prozent von ihnen würden die Einrichtung des Nationalparks befürworten.
Im nicht-öffentlichen Teil verabschiedeten die Delegierten ein neues Positionspapier zur Windenergie. Die Überarbeitung trägt der veränderten politischen Lage Rechnung. Das alte Papier stammt aus dem Jahr 2002. „Damals mussten wir vor allem für den Ausbau der Windenergie werben. Diesen befürworten wir heute natürlich immer noch“, betonte Dr. Holger Schindler, BUND-Landesvorsitzender, „allerdings müssen wir zurzeit vor allem darauf drängen, dass der gewünschte Ausbau vernünftig geplant wird und Naturschutzbelange angemessen berücksichtigt werden.“ Aus diesem Grund forderten die Delegierten im neuen Positionspapier eine regionale Steuerung des Windkraftausbaus durch die Regionale Raumordnung. Außerdem definierten sie Gebiete, die für Windkraftanlagen besonders geeignet sind, wie etwa windhöffige Standorte, in denen bereits andere technische Anlagen stehen. In anderen Gebieten soll die Windkraft aus Naturschutzgründen auf jeden Fall tabu sein, so z. B. in „Natura 2000“-Gebiete und in Wäldern, die über 120 Jahre alt sind.
In der Resolution „Energiewende – aber richtig!“ forderten die BUND-Delegierten die Bundesregierung, den Bundestag und den Bundesrat zu einer Korrektur der beabsichtigten massiven Kürzungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf. Darüber hinaus forderten sie ein Förderprogramm für die Weiterentwicklung und Markteinführung von dezentralen Speichern nahe beim Erzeuger und Verbraucher. „Durch viele dezentrale Speicher können wir den erforderlichen Netzausbau stark reduzieren“, erläuterte Egbert Bialk, Mitglied im Landesvorstand und Initiator der Resolution. „Wenn die Mittagsspitzen des Solarstroms und die Spitzenerträge der Windräder durch lokale Speicher aufgenommen werden und alle Anlagen über ein intelligentes Netz gesteuert werden, brauchen wir kaum neue Leitungen und der unsinnige Transport von überschüssigen Strommengen durch ganz Deutschland und ins Ausland ist nicht notwendig.“
Die Resolution weist außerdem auf die Bedeutung des Energiesparens und der Energieeffizienz hin: „Japan macht es vor: 30 Prozent des Stroms kamen dort vor Fukushima aus 54 Atomkraftwerken. Jetzt sind fast alle Atomkraftwerke vom Netz und die Versorgung bricht nicht zusammen – weil man dort überall Energie spart.“ Als Potenziale für Energieeinsparungen werden umweltschonendere Mobilität genannt, Verkehrsvermeidung, die Abkehr von der klimaschädlichen industrialisierten Landwirtschaft und Massentierhaltung sowie die energetische Sanierung von Altbauten. Zu letzterem hatte der BUND Rheinland-Pfalz bereits Anfang 2011 ein Stufenmodell vorgeschlagen.
Auch besondere Menschen standen bei der Delegiertenversammlung im Mittelpunkt: Für sein langjähriges und großes Engagement in der Kreisgruppe Bad Dürkheim ehrten die Delegierten den Kreisgruppenvorsitzenden Dr. Harald Schwentker. Außerdem bedankten sie sich bei Dr. Simone Schneider, die bis Anfang des Jahres mit großem Einsatz das Projekt Grüner Wall im Westen geleitet hat. Dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Haßloch Rudi Otterstätter gratulierten die Delegierten als ältestem anwesendem Mitglied nachträglich zu seinem 80. Geburtstag.
Für Rückfragen:
Dr. Holger Schindler: 06306 701505
Egbert Bialk: 0261-94249638
Sabine Yacoub: 06131 627060 oder 0174 9971892