Landesrechnungshof beanstandet marode Brücken

13. April 2011 | Mobilität

Schlaglöcher oder Prestigebauwerke? BUND plädiert für Straßenerhaltung statt Neubau

Mainz. Anlässlich der der heute veröffentlichten Kritik des Landesrechnungshofes am schlechten Zustand der Brücken in Rheinland-Pfalz sieht sich der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz bestätigt. Der BUND bestätigt schon seit langem, dass das Geld kann nur einmal ausgegeben werden kann. Wegen der Prestigeprojekte riskiert das Land, dass in den nächsten Jahren wichtige Erhaltungsmaßnahmen an Brücken und Straßen nicht mehr getätigt werden können.

Auf seiner Landesdelegiertenversammlung am Wochenende in Trier hat der BUND eine Resolution beschlossen, die die Bestandssicherung vor den Neubau stellt.

http://www.bund-rlp.de/fileadmin/bundgruppen/bundrlp/Ueber_uns/LDV11_Beschluss_Resolution1_Verkehr.pdf

Der BUND fordert von der neuen Landesregierung die Erstellung einer Prioritätenliste für Verkehrsprojekte. Das zur Verfügung stehende Geld reicht gerade für den Straßenerhalt, auf keinen Fall für neue Großprojekte. Dr. Holger Schindler (BUND-Landesvorsitzender) erklärt: „Statt transeuropäischer Trassen für Raser und Brummis brauchen die Menschen örtliche und regionale Lösungen für mehr Sicherheit und Flexibilität.“ Die für Rheinland-Pfalz voraussichtlich verfügbaren Bundesmittel müssen ermittelt, der Finanzbedarf für den Straßenerhalt und für die Bahn- und ÖPNV-Investitionen sowie Radwegenetze festgelegt werden.

In den letzten Jahren sind Jahr um Jahr neue Straßen und Brücken gebaut worden. Doch der Zahn der Zeit nagt unweigerlich an den Bauwerken. Stärkere Belastung durch immer schwerere Fahrzeuge lassen den Erhaltungsaufwand ebenfalls ständig weiter anwachsen. Jede einzelne Neubaumaßnahme ist unweigerlich mit Folgekosten für Unterhaltung, Erhaltung und Sanierung verbunden. Der daraus resultierende Finanzbedarf erhöht sich geradezu explosionsartig. Da in den 1970er Jahren das Straßennetz am stärksten ausgebaut wurde, haben nun viele Straßen ein kritisches Alter erreicht. Immer mehr grundlegende Erhaltungsmaßnahmen sowie Ersatzneubauten werden erforderlich. Das führt zwangsläufig zum Kollaps, wenn nicht rechtzeitig gegengelenkt wird. Die rheinland-pfälzische Straßenplanung muss sich konsequent von Neubauprojekten verabschieden und an die Wertbewahrung des Bestandes begeben.

Schon heute ist im rheinland-pfälzischen Straßennetz ein riesiger Sanierungsstau festzustellen. Nach eigenen Recherchen des BUND vom September 2010 sind im Land allein fünf große Fernstraßenbrücken in einem derart desolaten Zustand, dass ein Ersatz-Neubau unumgänglich ist. Doch wegen fehlender Finanzmittel wird die Sanierung  hinausgeschoben.
An der A61 (Hunsrück) wurden bei Rheinböllen die 1969 erbauten Pfädchensgrabentalbrücke und Tiefenbachtalbrücke zwar notsaniert. Trotzdem ist der Neubau unumgänglich und erst für das Jahr 2015 geplant.
An der A643 ist der Neubau der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden mit einer Länge von über 1.200 Meter bereits in Planung. Trotzdem mussten im Straßenbauplan 2010 bereits über 44 Mio. € vorgesehen werden, um eine Noterhaltung vorzunehmen.
Auch Brücken mit geringerer Länge sind sanierungsbedürftig, wie die Alte Nahebrücke in Bad Kreuznach oder die Ehranger Brücke (B52) in Trier zeigen. Die 1968 erbaute Moselbrücke Ehrang ist in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sie nicht mehr repariert werden kann, sondern komplett durch eine neue Brücke ersetzt werden muss. Das stark befahrene Moseltal-Nadelöhr passieren täglich rund 34.000 Fahrzeuge.

Fünf weitere große Brücken sind schon seit Jahren dringend sanierungsbedürftig. So ist in Ludwigshafen die Hochstraße (B44) in sehr marodem Zustand. Dort werden derzeit Fangnetze montiert, um vor herab fallenden Betonbrocken zu schützen. Allein diese Maßnahme bringt Kosten von vier Millionen Euro mit sich, ändert jedoch noch nichts am eigentlichen Zustand der Brücke. Für die grundlegende Sanierung wären über 150 Millionen Euro notwendig. Auch in Koblenz sind zwei Brücken dringend zu sanieren. Die über die Mosel führende, 325 Meter lange Balduinbrücke ist stark sanierungsbedürftig. Noch schlechter sieht es allerdings mit der Pfaffendorfer Brücke aus. Sie ist in einem extrem maroden Zustand und die Auffahrt galt sogar als einsturzgefährdet. Da diese Brücke die Hauptverbindung zwischen B9 und B42 darstellt, ist eine Sanierung unabdingbar. 

Wegen fehlender Finanzmittel werden wichtige Erhaltungsmaßnahmen häufig zeitlich hinausgeschoben. Um die Verkehrssicherheit auf Dauer zu gewährleisten und damit noch höhere Sanierungskosten zu vermeiden, muss die Instandsetzung ab sofort Vorrang haben vor neuen Bauprojekten.


Hintergrundinformationen

Straßennetz:

Das rheinland-pfälzische Straßennetz hält mit einer Länge von 18.438 km (Autobahnen: 872 km, Bundesstraßen: 2.951 km, Landesstraßen: 7.226 km und Kreisstraßen: 7.389) bundesweit den Rekord als das dichteste Straßennetz. In Rheinland-Pfalz erreichen alleine 58 Autobahnbrücken eine Länge von über 300 Metern.

(Quelle: Statistisches Landesamt)

 

Nutzungsdauer von Straßen

-                Asphalt-Tragschichten von Fernstraßen: ca. 12 - 50 Jahre

-                Nutzungsdauer einer Spannbetonbrücke (Überbau): ca. 70 Jahre

                 Die LudwigshafenerHochstraße hat nur 35 Jahre gehalten.

-                Nutzungsdauer von Brückenpfeilern (Unterbau): ca. 110 Jahre

(Quelle: Allg. Rundschreiben Straßenbau)

 

Kosten des Straßenbaus

-                Bau einer vierstreifigen Autobahn incl. Brücken: 12 Mio €/km

-                jährliche Unterhaltung einer Spannbetonbrücke (Überbau): 1,1 % der

                 Bausumme

-                jährliche Unterhaltung einer Asphaltfahrbahn: 4 % der Bausumme

(Quelle: Allg. Rundschreiben Straßenbau)


Brücken, die neu gebaut werden müssen

-                A643: Schiersteiner Brücke und Vorlandbrücke Mombach (Mainz)

-                B52: Ehranger Brücke (Trier)

-                A61: Pfädchensgrabentalbrücke und Tiefenbachtalbrücke

                 (Rheinböllen)

(Quelle: Tagespresse)

 

Brücken mit dringendem Handlungsbedarf

-                B44: Hochstraße Ludwigshafen

-                B10: Rheinbrücke Maxau (Karlsruhe)

-                B39: Salierbrücke (Speyer)

-                B49: Pfaffendorfer Brücke (Koblenz)

-                Balduinbrücke (Koblenz)

(Quelle: Tagespresse)

 

Für Rückfragen:

Heidelind Weidemann, 06532 93146
Dr. E. Manz  06131 62706-0 bzw. 0151 12273866 

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