Im aktuellen Verfahren zur Nutzung des ehemaligen Militärstützpunkts im Naturschutzgebiet „Wiesen am Hirtenborn“ lehnt der BUND die Befreiung von Naturschutzbestimmungen ab. Die Beeinträchtigungen für Tier- und Pflanzenwelt wurden in den Antragsunterlagen heruntergespielt. Der Naturschutz muss einen klaren Vorrang haben.
Bereits im Dezember 2006 wurde das Gelände des ehemaligen MOB-Stützpunkts bei Dichtelbach unrechtmäßig in Nutzung genommen. Die Energiedienstleistungsgesellschaft (EDG) des Landkreises Mainz-Bingen hat dort einen Energiehof eingerichtet. Baumstämme werden zu Hackschnitzeln verarbeitet und in Hallen und auf Freiflächen gelagert. Seitdem türmen sich im Gebiet Berge von geschreddertem Holz. Fahrzeugverkehr und Maschinenlärm wirken sich negativ auf das Tierleben im Innen- und Außenbereich der Anlage aus. Das Gelände gehört zum Naturschutzgebiet „Wiesen am Hirtenborn“ im Landkreis Mainz-Bingen. Die Nutzung verstößt gegen die Rechtsverordnung des Naturschutzgebiets, in der eine Renaturierung des Geländes als unumgänglich gefordert wird Erst jetzt – zwei Jahre nach Beginn der Nutzung – sollen LKW-Verkehr und Lärm durch den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung legalisiert werden.
Doch die Naturschützer des BUND sind sich einig: Eine Nutzung des Geländes ist mit dem Naturschutz nicht vereinbar. Die Beeinträchtigungen auf das Naturschutzgebiet sind sehr vielfältiger Art. Neben Lärm, Fahrzeugverkehr und Beunruhigung des mitten im Wald gelegenen Schutzgebietes beklagt der Naturschutzverband vor allem die fortgesetzte Entwässerung des Feuchtgebietes. Durch die Lagerung von geschreddertem Holz auf dem Gelände sind bedeutende Biotopflächen hochgradig gefährdet. Auf der Zufahrtsstraße und im gesamten Innengelände werden unzählige Amphibien, Echsen und Reptilien (u. a. Blindschleichen und Ringelnattern) gefährdet
In der Umgebung gibt es in großer Zahl leerstehende Hallen und freie Industrieflächen, wo dieser Betrieb untergebracht werden kann. Demnächst wird das Bundeswehrdepot (130 Hektar) in Rheinböllen geräumt. Es liegt direkt an der Autobahn und hat einen Gleisanschluss.
Weitere Informationen:
Dr. Erwin Manz, Landesgeschäftsführer, 06131-62709-0
Sabine Yacoub, Referentin für Naturschutz, 06131-62709-20
Brigitte u. Rüdiger Walch, Ortsgruppe Rheinböllen, 06764-1446