An den Kulturstaatssekretär
und Welterbebeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz
Herrn Walter Schumacher
Sehr geehrter Herr Staatssekretär!
Das Projekt einer Brücke bei Fellen-Wellmich stellt einen erheblichen Eingriff in eine wertvolle Kultur- und Naturlandschaft von weltweiter Bedeutung dar und wird diese in seiner Authentizität und Einzigartigkeit nachhaltig stören. Die klassischen Burgen und steilen Felsflanken, für die das Tal weltweit berühmt ist, werden visuell überprägt. Wir teilen die Auffassung von Icomos, dass dies ein Angriff auf das Welterbe ist.
Die Zukunft des Tals gründet auf seiner Vergangenheit, aus dem in Jahrhunderten gewachsenen Einklang der Schöpfungen von Kultur und Natur. Dieses sensible Gleichgewicht wollen wir zusammen mit der Unesco erhalten und bewahren.
Wir weisen darauf hin, dass
- der Bau einer Brücke im Welterbegebiet die Einstellung sämtlicher Fährverbindungen im Welterbegebiet zur Folge haben wird. Fahrtzeiten von einer zur anderen Rheinseite treten an die Stelle von Wartezeiten an den Fähren und verlängern sich für alle beträchtlich.
- im Tourismus, in Hotels, Gaststätten und Pensionen sowie der Fährverkehrswirtschaft Arbeitsplätze verloren gehen werden·
- die eigentlichen Lebensgrundlagen des Menschen im Tal Tourismus und Weinbau sind. Menschen, die aus aller Welt zu uns kommen, suchen in der romantischen Rheinlandschaft Erholung und Entspannung und nicht verkehrstechnische Bauten und damit verbundenem Lärm, denen sie aus ihrer meist städtischen Umgebung zu entkommen suchen.
- Wandertouristen, Fußgänger und Radfahrer von Querungsmöglichkeiten abgeschnitten, Schüler und Schülerinnen, einfache Bürger und Bürgerinnen in den Rheinortschaften auf Busverkehr oder privaten Autotransport angewiesen sein werden.
- im Bereich des geplanten Brückenstandortes wertvolle Lebensräume geschützter Arten in FFH- und Vogelschutzgebieten von europäischer Bedeutung tangiert werden.
- eine Brücke weitere Belastungen durch überregionalen Durchgangsverkehr mit sich bringen wird.
- mit den enormen Kosten für den Bau und vor allem den jährlichen Unterhalt einer Brücke über 100 Jahre der Fährverkehr kostenlos für alle Bürger gestaltet werden könnte. Viel länger wird eine Brücke aus Stahl und Beton aber auch nicht halten.
Wir fordern daher den Ausbau der Fährverbindungen mit einem 24-Stunden-Fährbetrieb.
- Fähren sind auf Dauer wirtschaftlicher als eine Brücke.
- sie können die Verkehrsprobleme im Rheintal lösen.
- sie sind ein integraler Bestandteil des Unesco-Welterbes.
- sie stehen in jahrhundertealter Tradition.
Um diese Vorteile zu stärken fordern wir auch eine Einbindung des Fährverkehrs in die Verkehrsverbünde.
Retten Sie unser Welterbe vor diesem Eingriff!
Schützen Sie unser Tal und unsere Fähren!
Stoppen Sie die Pläne für die Brücke im Welterbe Mittelrheintal!
Mit freundlichen Grüßen
Werner Huffer-Kilian , BUND-Vorsitzender Koblenz