BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

„Runder Tisch“ für Straßenbaumbeseitigung

17. Mai 2006 | Wälder, Mobilität

Bäume sind kein Störfaktor Für ein gewaltfreies Miteinander von Baum und Auto

Verärgert und mit Unverständnis registriert der BUND Rheinland-Pfalz, dass ein Runder Tisch aus Polizei und Vertretern des Straßenwesens zu einer „Initialzündung“ für eine mehr oder weniger flächenhafte Baumbeseitigung an Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden soll. Dies geht hervor aus der Berichterstattung der RHEINPFALZ vom 12. Mai. Durch diesen Rückfall in die Denkweise der 60er Jahre wird u. a. das Werk des ehemaligen rheinland-pfälzischen Verkehrsministers Rainer Brüderle in Frage gestellt, der in seiner Amtszeit den Anstoß zur Neuanlage vieler Alleen gegeben hat.

Die angedachten Maßnahmen sind wegen ihrer einseitigen Zielsetzung abzulehnen; zudem sind sie überflüssig, weil der Umgang mit Bäumen im Straßenraum längst ausreichend in den vorhandenen Gesetzen, Regelwerken und Richtlinien geregelt ist. Sie beruhen in ihrer Einseitigkeit auf den „Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume“ (ESAB) von der „Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen“ vom September 2002.

Der BUND warnt aus Erfahrung vor einer eintretenden Eigendynamik, wenn Kettensäge und Axt erst einmal ihr Werk begonnen haben - vor allem angesichts von Verwüstungen, wie sie bereits jetzt aufgrund von „Maßnahmen zur Verkehrssicherung“ allenthalben an Straßenrändern zu besichtigen sind.

Konsequenz aus der einseitigen Philosophie eines solchen Runden Tisches wäre die Beseitigung sämtlicher fester Hindernisse auf eine Tiefe von mehreren Dutzend Metern, und das wären nicht nur Bäume.

Das Problem im Verkehr sind grundsätzlich nicht die Bäume, das Problem ist das Auto, das - aus Fremd- oder Eigenverschulden - von der Fahrbahn abkommt. An Unfallschwerpunkten ist daher zu analysieren, wie dies zu verhindern ist. Als Maßnahmen bieten sich unter anderem an: Entschleunigung des Verkehrs, Markierungen, Kontrollen, Warnhinweise. Im Übrigen sind Kollisionen mit Bäumen unschwer durch Leitplanken zu vermeiden. Das Leben ist nun mal lebensgefährlich. Was aber organisierbar wäre, ist ein axt- und kollisionsfreies Miteinander von Baum und Auto.

Ob uns in der Abwägung die Möglichkeit zu schranken- und hemmungslosem Verhalten im Verkehr oder der Respekt vor durch Jahrzehnte herangewachsene Naturdenkmale schwerer wiegt, ist letztlich eine wesentlich gesamtgesellschaftliche Frage, die nicht durch Lobbygruppen einseitig beeinflusst werden sollte. Und von der man Umweltschützer nicht einfach fernhalten sollte.

Über den Wert von Alleen und Baumreihen an Straßen ist zusammenfassend Folgendes zu sagen:

Sie tragen nachweislich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei. Sie leiten den Verkehr auf eine unaufdringliche Art, wirken geschwindigkeitsmindernd und bieten Schutz vor Wind und Schneeverwehungen.
Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft. In der ausgeräumten Agrarlandschaft sind sie für die Vernetzung von Biotopen von zentraler Bedeutung. Sie spenden Schatten, dämmen den Straßenlärm, binden Staub und Abgase. Als landschaftsästhetisches Element ist ihr Wert für Tourismus und Erholung unbestritten.

Ulrich Mohr, BUND Rheinland-Pfalz (Pressesprecher) 

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