Verbinden was zusammengehört - Wege aus der Zerschneidung von Lebensräumen

09. Oktober 2009 | Gefährdete Tiere und Pflanzen, Lebensräume, Mobilität

Über Jahrzehnte wurde die Natur geschunden, Lebensräume von Tieren und Pflanzen mit neuen Baugebieten versiegelt und durch Straßen zerschnitten. Vielfach blieben nur noch kleine verinselte Restflächen mit kaum überlebensfähigen Restpopulationen erhalten. „Daher ist die Errichtung von Grünbrücken über Autobahnen ein kleines Stück Wiedergutmachung für die großen Schäden, die Wildtieren in der Vergangenheit zugefügt wurden.“ erklärt Prof. Hubert Weiger (BUND-Bundesvorsitzender).

„Es darf nicht länger sein, dass der Wildkatzennachwuchs auf den Straßen überfahren wird. Durch die Schaffung solcher Wanderrouten können zudem geeignete, bislang noch unbesiedelte Gebiete von der Wildkatze erreicht werden, was notwendig ist, um das Überleben dieser Art langfristig sicherzustellen.“ 

Die Ausweisung ausreichend großer Schutzgebiete und deren Vernetzungen zu funktional zusammenhängenden und wirksamen Biotopverbundsystemen sind für die Erhaltung der biologischen Vielfalt von zentraler Bedeutung. Durch das Bundesnaturschutzgesetz ist das Land Rheinland-Pfalz zur Schaffung eines Biotopverbundes auf 10% der Fläche verpflichtet. Dieser Biotopverbund ist anders als Natura 2000 nicht nur auf speziell benannte Lebensraumtypen und Arten ausgerichtet, sondern bezieht alle heimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume ein. Daher veranstaltet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. im Naturhistorischen Museum in Mainz am 9.10.09 seine Tagung „Biotopverbund“. Dr. Heinz Schlapkohl (Stellvertretender BUND-Landesvorsitzender) dankt bei der Eröffnung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz für die Förderung der Veranstaltung. Dr. Jürgen Ott (Sprecher des BUND Arbeitskreis Naturschutz) weist im Zuge seiner Moderation auf den Klimawandel und die bereits aktuell zu verzeichnenden Artverluste und Einwanderung neuer Arten hin: „Die endgültige Auflösung kleiner Restpopulation muss gestoppt werden. Vorhandene Biotopsysteme sind durch Ausschaltung von Störfaktoren und räumliche Verbindungen zu stabilisieren.

Zu Beginn berichtet Dr. Karin Ullrich vom Bundesamt für Naturschutz über Konzepte eines länderübergreifenden Biotopverbundes in Deutschland. Dabei nimmt sie Bezug auf die nationale Strategie zur Biodiversität und die Ausarbeitung des BfN zu europaweit bedeutsamen Fernwanderwegen für Wildtiere. Dr. Rüdiger Burkhard vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz berichtet über den Bearbeitungsstand und Zwischenergebnisse der Biotopvernetzung in Rheinland-Pfalz.

Britta van Dornick (Bundesanstalt für Straßenwesen), Dr. Mathias Herrmann (ÖKO-LOG) und Martin Schorr analysieren, welche Tierarten in der Lage sind Biotopverbundstrukturen zur nutzen und erläutert, was bei der Planung zu beachten ist. Ein international beachtetes Beispiel für den Erhalt einer hochwirksamen Biotopstruktur stellt Dr. Kai Frobel (Bund Naturschutz Bayern) in seinem Vortrag über 10.000 Kilometer Biotopverbund am Grünen Band vor.

Lothar Kroll vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz und Dr. Jürgen Ott (L.U.P.O. GmbH) beschäftigen sich mit der Durchgängigkeit von Gewässern. Durch das Landesprogramm Lachs 2000 soll die Durchwanderbarkeit für Lachse und andere Wanderfische wieder hergestellt werden. In den nächsten Jahren müssen noch viele Wehre um- und rückgebaut werden. Durch genaue Betrachtung der jeweiligen Gewässerlebensgemeinschaften ist Sorge zu tragen, dass bei den Bautätigkeiten keine Schäden an empfindlichen Artvorkommen entstehen.

Beim aus Klimaschutzgründen erforderlichen Ausbau der Windenergie darf der Vogelzug nicht beeinträchtigt werden. Daher berichtet Dr. Klaus Richarz von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, auf welche Weise die bedeutendsten Vogelrastplätze gesichert werden können.

Schließlich stellt Dr. Erwin Manz (BUND Landesgeschäftsführer) BUND-Aktivitäten zur Umsetzung des Biotopverbundes in Rheinland-Pfalz vor. Viele BUND-Gruppen haben das Thema aufgegriffen und setzen sich tatkräftige für den Aufbau von Verbundkorridoren für Wildkatze und Feldhamster ein. Sie kämpfen gegenüber Behörden und Politikern für Grünbrücken über Autobahnen und für die Renaturierung von Gewässern.

Für Rückfragen:

Dr. Jürgen Ott (Sprecher BUND Landesarbeitskreis Naturschutz), 06306 993888
Dr. E. Manz (Landesgeschäftsführer BUND Rheinland-Pfalz) 06131 62706-0 bzw. 0151 12273866
Sabine Yacoub (Naturschutzreferentin BUND Rheinland-Pfalz) 06131 62706-20 bzw. -0

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