BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Wildkatzen in Rheinland-Pfalz, Tag der (Wild-)Katze am 08. August 2012

07. August 2012 | Gefährdete Tiere und Pflanzen, Lebensräume, Wälder, Wildkatze

Scharfe Zähne, buschiger Schwanz und schwarze Schwanzspitze, so schleicht sie heimlich durch unsere Wälder: Die Wildkatze (Felis silvestris) - unser „Kleiner Tiger Deutschlands“. Kaum jemand bekommt sie zu Gesicht, denn die Wildkatze versteckt sich gerne im Dickicht, in hohlen Holzstümpfen oder im Geäst großer, knorriger Laubbäume.

Sie lebt noch in einigen urigen Laub- und Mischwäldern, vor allem in Rheinland-Pfalz.
Tagsüber relaxt die Wildkatze, nachts wird sie zum flinken Räuber und geht auf Mäusejagd in Waldrändern und auf Wiesen. Ihr Bestand ist bedroht, grobe Schätzungen gehen derweil von 5.000-7.000 Tieren deutschlandweit aus. Die Europäische Wildkatze stammt nicht von der Hauskatze ab, sondern streifte schon durch die Wälder Europas, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten.
„Die Wildkatze hat ein faszinierendes Wesen, sie macht unsere Wälder ein bisschen wilder. Und sie ein guter Indikator für die Ursprünglichkeit unserer Wälder“, so Dr. Holger Schindler, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Rheinland-Pfalz. „Dort, wo die Wildkatze zuhause ist, sind auch die Wälder in einem guten Zustand.“ Gebiete mit Wildkatzenvorkommen sind jedoch oft zu klein und isoliert, als dass die Wildkatze hier dauerhaft überleben könnte.
Rheinland Pfalz beherbergt das bedeutendste deutsche Wildkatzenvorkommen. In Eifel, Hunsrück, Pfälzerwald und Bienwald leben geschätzte 3000 Wildkatzen. Deswegen ist es wichtig diese Waldgebiete durch Korridore mit anderen potentiellen Wildkatzenwäldern zu verbinden.
Im Rahmen des bundesweiten Waldvernetzungsprojektes „Wildkatzensprung“ (gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz) schafft der BUND u.a. in Rheinland-Pfalz Waldverbindungen, damit die Wildkatze und andere bedrohte Tiere wandern, sich genetisch austauschen und somit langfristig überleben können. Die Verbreitung der Wildkatze im Pfälzer Wald wird vom BUND zur Zeit mit genetischen Methoden wissenschaftlich untersucht. Die Vision: Ein Waldverbund von bundesweit insgesamt 20.000 Kilometern Länge. Mehr zu Europas größtem Naturschutzvorhaben: www.bund.net/wildkatzensprung.

In der Südpfalz konnte durch die Arbeit des BUND bereits eine solche Verbindung realisiert werden. Sie vernetzt auf einer Länge von 9 km den Bienwald (ca. 50 Individuen) mit dem Pfälzerwald (ca. 600 Individuen). Durch gezielten Ankauf und die langfristige Sicherung von Trittsteinbiotopen konnte bereits eine Gesamtfläche von 45.000 m² für die Katze (aber auch für andere Tierarten) als sicherer Wanderweg sowie als Jagdgebiet angelegt werden. Die drohende Isolierung des Niederwaldgebiets 'Bienwald' konnte durch die Arbeit des BUND abgewendet werden und ein genetischer Austausch der Wildkatzenpopulationen der beiden Waldgebiete ist nun gegeben.

Im Frühjahr und manchmal im Herbst kann es passieren, dass Sie auf Ihrem Waldspaziergang Jungkatzen finden. Die alleinerziehende Mutter ist höchst wahrscheinlich gerade auf Mäusepirsch, während ihre hungrigen Kinder sich zu weit aus ihrem Versteck entfernt haben. Seien Sie gewiss: die Mutter wird schnellstmöglich zu ihren Jungen  zurückkehren, also erfreuen Sie sich an dem seltenen Anblick der sich Ihnen bietet, aber LASSEN SIE DIE TIERE IM WALD! Auch Sie wären entsetzt, wenn sie vom Supermarkt nach Hause kämen und Ihre Kinder wären nicht mehr da.
Einen Steckbrief-Vergleich Hauskatze-Wildkatze gibt es unter: www.wildkatze-rlp.de/wildkatze

Der BUND hat Wissenswertes und Materialien zur Umweltbildung über die Wildkatze in einer Bildungsmappe „Auf den Spuren der Wildkatze“ zusammengestellt. Die modulare Materialien für Umweltbildung und Unterricht können angefordert werden unter: info@bund-rlp.de oder 06131-62706-0.
Bilder in druckfähiger Auflösung stehen Ihnen unter: www.bund.net/Wildkatzenfotos zur Verfügung.

Für Rückfragen:
Dr. Holger Schindler, 06306 701505

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