Untersuchung von Trinkwasser auf Ewigkeitschemikalien
Von links nach rechts: Fritz Welsch, Umweltschutzreferent BUND; Katrin Eder, Landesklimaschutzministerin; Sabine Yacoub, Landesvorsitzende BUND
Foto: BUND Rheinland-Pfalz
Die Süßwasserressourcen für unsere Trinkwassergewinnung sind zunehmend gefährdet. Stichproben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) zeigen: In der überwiegenden Mehrheit der untersuchten Trinkwasserproben wurden sogenannte Ewigkeitschemikalien - per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) nachgewiesen.
Hintergrund: Ein Großteil unseres Trinkwassers stammt aus Grundwasser, das zunehmend belastet ist – u.a. durch PFAS. Die Stoffgruppe beinhaltet über 10.000 synthetische Einzelsubstanzen, die aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit als Ewigkeitschemikalien gelten. Ihre Langlebigkeit führt dazu, dass sie über Jahrzehnte in der Umwelt bleiben und in Flüsse, Böden, Lebensmittel und letztlich in den menschlichen Körper gelangen. Wegen ihrer fett-, wasser- und schmutzabweisenden Wirkung werden sie häufig eingesetzt, etwa bei antihaftbeschichteten Pfannen, Outdoor-Textilien, Teppichen, aber auch in Pestiziden und Kältemitteln.
Proben genommen
Von Juni bis Oktober 2025 nahmen BUND-Aktive aus ganz Deutschland stichprobenartig 46 Trinkwasserproben. In 42 der 46 Stichproben wurden PFAS gefunden – und damit in nahezu allen untersuchten Proben. Sie stammen vorwiegend aus kommunalen und industriellen Kläranlagen sowie aus freigesetzten Kältemitteln, der Abfallverbrennung oder dem Pestizideinsatz. Sie gelangen in die Umwelt und über Lufteinträge ins Wasser. Auch längst verbotene PFAS-Substanzen belasten noch immer die Umwelt. Als Teil von vor Jahren eingesetzten Löschschäumen können sie noch Jahrzehnte nach ihrer Verwendung im Grundwasser gefunden werden.
In Rheinland-Pfalz entnahmen BUND-Aktive gemeinsam mit Bundestagsabgeordneten in Neustadt an der Weinstraße und Limburgerhof sowie mit Landesklimaschutzministerin Katrin Eder in Mainz insgesamt drei Trinkwasserproben. Auch hier wurden die Ewigkeitschemikalien nachgewiesen. Die Konzentrationen waren in allen Fällen deutlich niedriger als die ab Januar 2026 bzw. 2028 geltenden neuen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung.
In Belastungsgebieten arbeiten die Wasserversorger mit Hochdruck an der Einhaltung dieser Grenzwerte. Durch die zunehmende PFAS-Belastung wird die Trinkwasseraufbereitung jedoch immer teurer und aufwendiger. Wasserversorger warnen bereits heute vor einer Gefährdung des Grundwassers durch ansteigende Trifluoressigsäure (TFA)-Konzentrationen im Flusswasser. TFA ist ein Abbauprodukt vieler PFAS-haltiger Pflanzenschutzmittel, die im Boden und Grundwasser zu TFA abgebaut werden.
Den Ausstieg aus der PFAS-Produktion und -verwendung planen
Um die Gesellschaft und Umwelt vor den Gefahren der zunehmenden PFAS-Belastung zu schützen, muss Deutschland auf nationaler und EU-Ebene einen geordneten Ausstieg aus der gesamten Stoffgruppe vorantreiben. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat hierzu im August 2025 einen überarbeiteten Vorschlag veröffentlicht, in dem sie drei unterschiedlich ambitionierte Ausstiegsszenarien beschreibt. Der BUND fordert die Landes- und Bundesregierung auf, sich für einen geordneten PFAS-Ausstieg mit zeitlich begrenzten Ausnahmen einzusetzen und dem Druck der Chemielobby nicht weiter nachzugeben.
Oftmals wird von deren Seite nämlich vor einem angeblichen PFAS-Pauschalverbot gewarnt. Dabei enthält der ECHA-Vorschlag bereits zahlreiche Ausnahmen mit Übergangsfristen für derzeit nicht ersetzbare Anwendungen (z. B. in der Medizintechnik). Eine Einzelfallprüfung der Wirkungen der rund 10.000 heute bekannten PFAS-Stoffe wäre zudem unrealistisch und ineffektiv. Wie so häufig wird vor Arbeitsplatzverlusten und Abwanderung gewarnt. Dabei sind es vor allem fehlende Planungssicherheit und damit fehlende langfristige Perspektiven bei Regelungen, die der Industrie schaden. Die Industrie fordert immer wieder „Leitplanken“-Regelungen der Politik, die Bestand haben und an denen innovative Unternehmen ihren Beitrag, ihre Weiterentwicklungen erfolgversprechend ausrichten können. Die gesetzliche Regelung des PFAS-Ausstiegs wäre eine solche starke Orientierungshilfe mit zudem hohem Erfolg für die Allgemeinheit.
In einer zunehmend PFAS-kritischen Welt könnte die EU Vorreiterin bei der Entwicklung alternativer Stoffe werden – wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft.
Gegner eines PFAS-Ausstiegs blenden zudem die volkswirtschaftlichen Folgen eines „Weiter so“ häufig aus: Laut den Regierungen nordeuropäischer Staaten verursacht PFAS jährlich Gesundheitskosten von rund 84 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Forschende im Auftrag des Projekts „Forever Lobbying“ berechneten zudem, dass die notwendige Reinigung der Umwelt in der EU in den kommenden 20 Jahren etwa zwei Billionen Euro kosten wird. Der BUND fordert, dass auch für PFAS das Verursacherprinzip gilt und nicht die Allgemeinheit die Kosten trägt, z. B. über die Gebühren der weitergehenden Abwasserreinigung, die Kosten der Reduktion der relevanten Industriechemikalien oder das Entfernen der bereits in die Umwelt eingetragenen Chemikalien über die Trinkwasseraufbereitung.
Die Ressource Grundwasser ist mehrfach gefährdet
Die Trinkwassertests verdeutlichen mit der PFAS-Problematik nur einen von vielen Aspekten der Gefährdung des Grundwassers. Eine BUND-Studie zeigte dieses Jahr erstmals, dass über die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland unter Grundwasserstress leiden: Es wird mehr Wasser entnommen, als sich neu bildet, wodurch Ökosysteme geschädigt werden. Das verstärkt einen Teufelskreis, denn beschädigte Ökosysteme speichern weniger Wasser, wodurch sich die Lage weiter verschärft.
Auch in Rheinland-Pfalz ist die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte von Grundwasserstress betroffen. Besonders entlang des Rheins zeigen sich die Ursachen der Problematik deutlich: Wasserversorger, Industrie und Landwirtschaft entnehmen lokal mehr Grundwasser, als sich neu bildet. Die Klimakrise verschärft die Lage durch längere Dürreperioden. Gleichzeitig gelangen Schadstoffe wie PFAS und auch immer noch Nitrat ins Grundwasser. Aufgrund sinkender Grundwasserstände und steigender Nachfrage greifen Wasserversorger zunehmend auf Rheinwasser zurück – das nachweislich mit PFAS (und vielen anderen vom Menschen eingetragenen Stoffe) belastet ist. Das braucht eine immer komplexere, vielstufige Trinkwasseraufbereitung, die zudem noch ergänzende Technik für Notfallsituationen bereithält. Es bezahlt der Trinkwassernutzer, also wir alle.
Der BUND setzt sich dafür ein, neben dem Umgang mit PFAS auch die Ressource Grundwasser stärker in den Fokus zu rücken: Wasser muss effizienter genutzt, mehr Auen und Flächen in einen naturnahen Zustand versetzt sowie Entnahmerechte bei Dürrephasen stärker priorisiert und begrenzt werden. Zudem braucht es eine bundesweite Datenbasis, um Grundwasserstände und Gefährdungen in Echtzeit erfassen zu können.
Mit der 2023 verabschiedeten Nationalen Wasserstrategie liegt bereits ein politisches Instrument vor. Es muss nun konsequent umgesetzt und weiterentwickelt werden, damit Deutschland auch das EU-Ziel eines guten Zustands der Gewässer erreicht, wie es die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert. Derzeit erfüllen lediglich neun Prozent der Oberflächengewässer und 67 Prozent des Grundwassers diese Vorgabe. Es ist höchste Zeit, dass die Politik das Thema Wasser stärker priorisiert.
Hinweis:
Als Umweltverband ist der BUND ein früher Risikoanzeiger, wenn es um Verbraucherthemen geht. Der Verband bearbeitet mit Fachleuten Themen, bei denen eine potenzielle Gesundheitsgefahr entweder gesichert ist, wie bei einigen gut untersuchten Ewigkeitschemikalien PFAS, oder wo dieses zumindest strittig ist, wie bei Glyphosat. Über Tests und Stichproben macht der BUND auf kritische Entwicklungen aufmerksam, fordert die Politik zum Handeln auf und macht damit das Vorsorgeprinzip stark. Ganze Testprogramme kann der Verband nicht finanzieren. Diese sind zudem Aufgabe des Staates.
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