- 40 Jahre nach Tschernobyl: Nukleare Langzeitfolgen noch bis 2024 in Rheinland-Pfalz messbar
- AKW Cattenom: Über 150 Störfälle seit Inbetriebnahme – trotzdem plant EDF Laufzeitverlängerung
- BUND RLP unterstützt Petition „Stopp Cattenom" und fordert sofortige Abschaltung
Mainz, der 24.04.26 I Am 26. April jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Was 1986 als undenkbar galt, wurde Realität: eine nukleare Katastrophe mitten in Europa, deren Folgen seit Jahrzehnten andauern. Noch bis 2024 musste im Pfälzerwald und im Hunsrück jedes erlegte Schwarzwild auf radioaktives Cäsium untersucht werden, bevor es in den Handel gelangen durfte – 38 Jahre lang. Erst nachdem in den letzten zehn Jahren keine Grenzwertüberschreitungen mehr festgestellt worden waren, hob das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz die Pflichtuntersuchungsgebiete auf.
„Tschernobyl zeigt: Ein nuklearer Unfall hat Folgen, die weit über Jahrzehnte in unseren Ökosystemen nachwirken. Das darf keine abstrakte Warnung bleiben – denn direkt vor unserer Haustür laufen marode Reaktoren weiter", sagt Sabine Yacoub, Landesvorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz.
Cattenom: Ein Risiko für die gesamte Großregion
Nur zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt steht das Atomkraftwerk Cattenom – eine der störanfälligsten Atomanlagen Europas. Allein zwischen 2020 und 2024 wurden laut EDF-Bericht 20 Störungen und Störfälle sowie 208 sogenannte Abweichungen registriert. Seit Inbetriebnahme summieren sich die Vorfälle auf über 150 Störungen und mehr als 1.500 Abweichungen.
Statt die Anlage endlich abzuschalten, plant Betreiber EDF eine Laufzeitverlängerung um mindestens zehn weitere Jahre. Die Reaktoren sind strukturell kaum gegen Bedrohungen wie Flugzeugabstürze oder Drohnenangriffe geschützt. Gleichzeitig gefährden Extremhitze und Niedrigwasser die Kühlung – Risiken, die durch den Klimawandel weiter zunehmen. Die Mosel leidet bereits jetzt: Die Reaktoren leiten Abwärme von bis zu 33 Grad Celsius in den Fluss und zerstören damit das ökologische Gleichgewicht.
Der BUND RLP unterstützt die Petition „Stopp Cattenom" und ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, sie zu unterzeichnen: https://weact.campact.de/petitions/stop-cattenom-keine-laufzeitverlangerung-fur-die-pannenreaktoren
Am 25. April 2026 – einen Tag vor dem Jahrestag – findet von 11:00 Uhr an eine Infoaktion und Mahnwache des Bündnisses Stopp Cattenom in der Brotstraße in Trier (Nähe Commerzbank) statt. Der BUND RLP ruft zur Teilnahme auf.
Atomkraft hinterlässt ein ungeklärtes Erbe
Auch nach dem deutschen Atomausstieg bleibt das Problem des Atommülls ungelöst. Bereits heute lagern mehr als 130.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle in deutschen Zwischenlagern. Bis 2060 soll diese Menge auf rund 300.000 Kubikmeter anwachsen. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle ist bis heute nicht gefunden.
„Wir übergeben kommenden Generationen eine gefährliche und teure Hypothek. Das ist keine Energiepolitik – das ist Verantwortungslosigkeit", so Yacoub.
Der BUND Rheinland-Pfalz fordert:
- keine Laufzeitverlängerung für Cattenom,
- vollständige Transparenz über Risikobewertungen gemäß der Espoo-Konvention
- sowie eine konsequente Förderung erneuerbarer Energien als einzig tragfähige Alternative.
Für Rückfragen: Sabine Yacoub, sabine.yacoub(at)bund-rlp.de, 0174-9971892