BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Brücke im Mittelrheintal

06. Juni 2009 | Flüsse & Gewässer, Mobilität, Naturschutz

BUND schreibt an UNESCO Brücke gefährdet Existenz der Rheinfähren

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. hat in einem Schreiben die UNESCO darauf hingewiesen, dass mit den Fähren ein wichtiger Teil des Welterbes verloren ginge und damit eine Grundlage für die Auszeichnung entfiele. Anlässlich der bevorstehenden 33. Tagung des Welterbekomitees der UNESCO vom 22. bis 30. Juni 2009 in Sevilla, Spanien, betont der BUND nochmals seine entschiedene Ablehnung der geplanten neuen Rheinbrücke im „Welterbe Oberes Mittelrheintal“. Nach Ansicht des BUND sind die Fähren ein wichtiger Bestandteil des Welterbes und werden durch den Bau einer Brücke in ihrer Existenz gefährdet.

Dr. Bernhard Braun (BUND-Landesvorsitzender): „Man soll den Rhein an vielen Stellen schnell, gut und kostengünstig, wenn möglich sogar kostenlos und jederzeit queren können. Dies soll sowohl zu Fuß, mit dem Fahrrad als auch mit dem Kraftfahrzeug möglich sein. Besonders für Pendler, Zulieferer, Touristen und alle Einwohner im Rheintal ist dies wichtig.“ Die Fähren sind ein wichtiger Bestandteil des Welterbes Oberes Mittelrheintal, eine touristische Attraktion und als solche zu erhalten. Matthias Boller (BUND-Regionalbeauftrager Koblenz im Landesvorstand) ergänzt: „Das Land Rheinland-Pfalz hat in seinem Managementplan zugesagt, den Betrieb der Fähren zu fördern. Dies ist jedoch bis heute nicht geschehen. Durch die Planung der Brücke wird konträr zur Zielsetzung gehandelt. Wir fordern die konsequente Umsetzung des Mangementplans ein.“

Der BUND, nach Denkmalschutzgesetz anerkannte Denkmalpflegeorganisation, kritisiert die massive Veränderung des historisch gewachsenen Landschaftsbildes durch den geplanten Brückenbau. Zwischen Bingen und Koblenz gab es nie eine Brücke. Die Fähren sind als Kulturgut ein wichtiger Bestandteil des Weltkulturerbes Mittelrhein und eine touristische Attraktion in Europa. Durch den Bau einer Brücke oder eines Tunnels wird ihr Bestand gefährdet Der Bau eines Tunnels hätte außerdem die Entsorgung großer Massen an Gesteinsmaterial zur Folge. Zusätzlicher Auto- und LKW-Verkehr wird ausgelöst, weitere Fahrstrecken, höherer Treibstoffverbrauch und mehr Lärm sind unweigerlich die Folge. Diese negativen Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das Rheintal selbst, sondern betreffen auch die Auf- und Abstiege beiderseits des Rheins. Da dort sehr sensible Biotope vorkommen, ist in der Folge des Brückenbaus auch mit erheblichen Naturschutzproblemen zu rechnen.

Um die Besonderheit der Auszeichnung „Welterbe“ zu erhalten, hat sich der BUND nun in einem Brief an die UNESCO gewandt und dort die Argumente für die Optimierung der Rheinpassagen durch den Fährbetrieb erläutert. Der BUND drückt im Brief seine Besorgnis aus, dass der hohe Schutzstatus des Welterbes verwässert wird. Stattdessen müsse die Einzigartigkeit des Mittelrheintals konsequent erhalten bleiben und gefördert werden.

Der BUND fordert, die Fähren im Bereich des Welterbes Oberes Mittelrheintal zum Bestandteil der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur zu machen. Bis dahin muss die Querung für möglichst viele Nutzer kostenlos sein. Auch in Anbetracht der knappen Finanzlage der öffentlichen Haushalte braucht das Mittelrheintal eine schnelle und flexible Lösung. Dr. Braun erläutert: „Allein aus den Zinsen für eine schuldenfinanzierte Brücke ist der Fährverkehr finanzierbar.“

Der BUND unterbreitet folgenden Vorschlag zur direkten Umsetzung eines nachhaltigen Verkehrskonzeptes:

  • Die kostenlose Fährnutzung soll nur dort gefördert bzw. zugelassen werden, wo die Fähren Bestandteil des Welterbes sind.

  • Die Fährnutzung für die Bewohner der Verbandsgemeinden, in deren Bereich Fähren verkehren, soll kostenlos möglich sein. Die nachfragenden Nutzer sollten über die Verbandsgemeindeverwaltung eine entsprechende Jahreskarte erhalten.

  • Touristen, die eine Mindestzeit im Mittelrheintal verweilen, sollten über eine Bonuskarte (z.B. Rheintaler oder Mittelrheincard) eine vergünstigte oder kostenfreie Nutzung der Fähren erhalten.

  • Der Fährbetrieb soll sich einer ändernden Nachfrage anpassen.

Sollte sich nach mehrjährigem Betrieb herausstellen, dass der Fährbetrieb an seine Grenzen stößt, kann dann immer noch über eine Erweiterung des Fährangebotes nachgedacht werden.

Die Vorteile dieses Konzeptes sind:

  • Eine sofortige Umsetzung ist möglich. Die Bürger haben den unmittelbaren Nutzen.

  • Die Kapitalbindung ist gering.

  • Man kann die Angebote kurzfristig dem Bedarf anpassen.

  • Eine Gefährdung des Status Weltkulturerbe ist nicht zu befürchten.

Den Beschlussvorschlag für die Welterbe-Komiteesitzung zur Vertagung des Themas wertet der BUND als ersten Erfolg und einen Hoffnungsschimmer. Hierdurch wird dokumentiert, dass sich das Komitee ernsthaft mit der Fragestellung befassen will. Der Zeitaufschub soll dafür genutzt werden, bewusster über die Auswirkungen des Projektes auf Umwelt, Landschaftsbild und Verkehrsabläufe nachzudenken.

Eine Stärkung der Rheinpassagen durch den Ausbau der Fährverbindungen bedeutet für Menschen und Natur:

  • die Vermeidung der Zunahme von Straßenlärm und Abgasen im Tal

  • die Erhaltung des historisch gewachsenen Landschaftsbildes

  • die Erhaltung des Kulturgutes „Fährbetrieb“

  • bessere und dezentrale Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer

 

Für Rückfragen:

Dr. Bernhard Braun, 0621 5294080 bzw. 0177 4638793
Matthias Boller, 02621 61160 bzw. 0170 8005266
Dr. E. Manz  06131 62706-0 bzw. 0151 12273866

weitere Informationen zu der Brücke im Mittelrheintal finden Sie hier 

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