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BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

BUND-Exkursion zur Hördter Rheinaue

05. Juni 2005 | Flüsse & Gewässer, Naturschutz

Ziel: Naturschutz und Menschenschutz verknüpfen „Kleine Lösung“: Schluten wieder mit Hauptstrom verbinden!

HÖRDT (Kreis Germersheim). Der BUND sieht Chancen, die Ansprüche des Naturschutzes mit dem Anspruch der Bevölkerung auf wirksamen Hochwasserschutz zu vereinbaren. Ansatzpunkt für ein kompromissbereites Aufeinanderzugehen könnte sein die Verknüpfung des Riegeldeichkonzeptes mit einer sukzessiven Flutung der bisher von der Rheindynamik abgetrennten Altrheinarme, der sog. Schluten. Dies war am Wochenende eines der herausragenden Ergebnisse der diesjährigen Großen BUND-Exkursion des BUND-Landesverbandes Rheinland-Pfalz in das 1.400 Hektar umfassende Naturschutzgebiet Hördter Rheinaue. Geführt wurden die ca. 40 Teilnehmer von Dr. Heinz Schlapkohl, BUND-Landesvorstand, und Frau Monika Bub, Forstamtsleiterin Pfälzer Rheinauen.

Monika Bub verwies auf den Umstand, dass der heute hinter dem Hauptdeich vorhandene Hochwald ein Ergebnis der Tullaschen Rheinregulierung sei und einen vorher durch die Hochwasserdynamik des Rheins ermöglichten Faschinenwald abgelöst habe. Der neuerdings ins Spiel gebrachte Schlafdeich sei aus forstlichen Gründen in Frage zu stellen. Im Katastrophenfall käme es zu flächigem Absterben durch wochenlang stehendes Wasser; die Aue erhielte „Badewannencharakter“. Hochwasserschutzmaßnahmen kämen nur dann in Frage, wenn der jetzt bestehende Wald so umgestaltet werden könne, dass er mittel- bis langfristig an die entsprechenden Hochwassergänge angepasst wird.

Außerdem würde alleine der Millionen Euro verschlingende Bau eines Schlafdeiches wertvollste, durch Verschlechterungsverbot geschützte FFH-Flächen zerstören, so Dr. Heinz Schlapkohl (BUND).

Für den BUND war es bei der Hördter Rheinaue mit ihrem Fassungsvermögen von 42 bis 60 Millionen Kubikmetern schon immer ein Hauptziel, den Hochwasserschutz mit dem Naturschutzgedanken zu verknüpfen, und zwar durch Nutzung des natürlichen Hochufers.

In dieselbe Richtung weist das von der Landesregierung in Auftrag gegebene und im Jahr 2002 vorgelegte „Integrierte Raumnutzungskonzept für die Hördter Rheinniederung“. Es steht in Einklang mit den Zielen der „Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins“ (IKSR) und wäre ein Stück Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Gemeinsamer Gedanke ist die Ausweitung der Überschwemmungsauen und die Wiederherstellung ursprünglich vorhandener hydraulisch und biologisch wirksamer Verbindungen zwischen Strom und Aue - unter Vermeidung des St. Florian-Prinzips zwischen Unterliegern und Oberliegern. Von einem „Schlafdeich“ war nirgends die Rede.

Angesichts gegenwärtiger Starre in den Positionen entstand daher im BUND Rheinland-Pfalz die Idee einer zunächst „kleinen Lösung“. Danach müsse es möglich sein, wie in Baden-Württemberg die durch den Hauptdamm von der Rheindynamik abgeklemmten Altrheinarme (Schluten) durch technische Einlassbauwerke wieder an den Strom anzuschließen. In der Verbindung dieses Vorschlages mit der Errichtung von sog. Riegeldämmen zum Schutze gefährdeter Ortschaften wäre ein gewisser Fortschritt bei der Wiedergewinnung eines Stückes ursprünglicher Auenlandschaft zusammengeführt mit der Herstellung von Sicherheit für die Menschen am Rhein. Nach ersten Erfahrungen mit einem solchen ersten Schritt könnten dann in der ferneren Zukunft weitere Schritte erwogen werden - im Sinne einer nach beiden Seiten hin hocheffizienten Verknüpfung von Hochwasserschutz und Naturschutz.

Wer diesen Weg beschreiten wollte, würde jedenfalls um ein Vielfaches geringere finanzielle Belastungen für die Allgemeinheit verursachen als mit jeder anderen großtechnischen Maßnahme.

Ulrich Mohr, BUND Rheinland-Pfalz (Pressesprecher)

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