Nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. reichen die bislang von der Landes- und Bundespolitik ergriffenen Maßnahmen nicht aus, um die selbst gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Bislang konnte das Ziel der Landesregierung, die CO2-Emissionen bis zum Jahre 2020 um 40 % zu verringern, nur etwa zu einem Viertel erfüllt werden. Ein zentrales Handlungsfeld sieht der BUND in der wärmetechnischen Sanierung des Gebäudebestandes. Rund 28 % des Endenergieverbrauches bzw. 20 % der CO2-Emissionen des Landes resultieren aus der Wärmeerzeugung für Wohn- und Nichtwohngebäude.
„Wer heute handelt, muss die zukünftige Entwicklung im Auge behalten. Fossile Energiequellen sind endlich, die Energiekosten werden in die Höhe schießen. Die Klimaveränderung wird immer deutlicher. Die Häuser der Zukunft müssen so gedämmt sein, dass sie mit minimalem Aufwand beheizt werden können. Den Menschen sollte heute bereits ein Weg in die Zukunft gezeigt werden. Der BUND-Stufenplan hat das Ziel im Auge, sieht aber erst einen sanften Einstieg in die Gebäudesanierung vor und formuliert dann sukzessiv weitere Maßnahmenschritte.“ erläutert Dr. Holger Schindler (BUND-Landesvorsitzender).
Zur Erschließung der Einsparpotentiale im Gebäudebestand schlägt der BUND ein Klimaschutzgesetz Rheinland-Pfalz vor, mit dem ein Stufenmodell für die energetische Gebäudesanierung im Lande bis zum Jahre 2030 eingeführt wird. Der im Stufenmodell für das Jahr 2030 geforderte maximale Energieverbrauch von 80 kWh/m2 und Jahr ist ein Wert der selbst unter Einsatz allgemein gebräuchlicher Dämmtechnik heute schon erreicht werden kann. Hier wird nichts Unmögliches gefordert. Die Idee beruht auf einem Konzept, das vom BUND Berlin entwickelt wurde. Andreas Jarfe (BUND, Landesverband Berlin) berichtet aus der Bundeshauptstadt: „Unser Konzept wird vom Berliner Mieterverein mitgetragen, weil die Wohnqualität in den Häusern verbessert, Nebenkosten reduziert und soziale Härten ausgeschlossen werden. Auch die IHK Berlin unterstützt uns, weil das Stufenmodell Technologie-offen ausgestaltet ist und Investitionen langfristig planbar sind.“
Oliver Decken (Raumplaner und Autor der Studie) hebt den Leitgedanken hervor: „Wir wollen der Verschiedenartigkeit des Gebäudebestandes gerecht werden, indem für jedes Gebäude ein individueller Weg zur energetischen Sanierung und zur CO2-Vermeidung ermöglicht wird. Dabei können jeweils die geeigneten und verfügbaren technologischen Mittel frei gewählt werden. Mittelfristige Vorgaben zur Senkung von Energiebedarf und CO2–Freisetzung verschaffen den Eigentümern die für die Investitionen notwendige Planungssicherheit.“ Der Bundesgesetzgeber hat ausdrücklich den Ländern die Kompetenz für eigene gesetzliche Regelungen übertragen. Der BUND fordert, dass Rheinland-Pfalz diese Möglichkeit wahrnimmt und über ein eigenes Klimaschutzgesetz das vorgeschlagene Stufenmodell umsetzt.
In vier Stufen zu jeweils fünf Jahren werden die zulässigen Werte für Energieverbrauch und CO2–Freisetzung von Bestandsgebäuden stufenweise gesenkt. Da von Anfang an das Maß der alle fünf Jahre steigenden Anforderungen bekannt ist, wird vorausschauendes ökonomisches Planen ermöglicht. Soziale Unwägbarkeiten werden durch entsprechende Härtefallregelungen von vornherein begrenzt. Mieter, selbstnutzende Eigentümer und Unternehmen werden nicht überfordert.
In seiner Studie hat der BUND die Wirkung des vorgeschlagenen Klimaschutzgesetzes für Rheinland-Pfalz ermittelt: Bei den Wohngebäuden kann der Energiebedarf bis 2030 um rund die Hälfte verringert werden und es werden zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Die energetische Sanierung von Gebäuden kostet Geld und führt gleichzeitig zu einer dauerhaften Einsparung von Energiekosten. Das BUND-Stufenmodell stößt bis 2030 bei den Wohngebäuden Investitionen in Höhe von rund 20 Mrd. Euro an. Dem stehen jährliche Energiekostenersparnisse in Höhe von rund 1,35 Mrd. € gegenüber. Dies bedeutet, dass sich die energetische Sanierung im Durchschnitt innerhalb von 15 Jahren amortisiert und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Zudem können im Mittel pro Jahr rund 16.000 Arbeitsplätze im Sanierungsgewerbe und -handwerk gesichert bzw. geschaffen werden.
Weitere Informationen (download der BUND-Studie)
www.bund-rlp.de\
www.bund-berlin.de
Für Rückfragen:
Dr. E. Manz (BUND RLP Landesgeschäftsführer) 06131 62706-0 bzw. 0151 12273866
M. Ullrich (BUND RLP Umweltschutzreferent) 06131 62706-0
A. Jarfe (BUND Berlin, Landesgeschäftsführer) 030 7879000